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III. [Hofkunst]

Full text: Die Siegesallee / Holzamer, Wilhelm (Public Domain)

Hofkunst druͤckt einen Gegensatz zur Kunst aus, das ist 
das bedauerliche. Das Wort sollte nicht einmal den 
Inhalt ausdruͤcken — es duͤrfte hoͤchstens eine Erlaͤu— 
terung sein, im Sinne der Foͤrderung, der Unterstuͤtzung 
und also erst recht zur Befreiung und Erhaltung der 
Freiheit der Kunst. Aber dann ists uͤberfluͤssig. Es 
behaͤlt nun einmal sein Odium, es involviert einen Macht⸗ 
willen, der ganz von selbst zu einem verderblichen Des⸗ 
potismus werden muß, weil auch die leiseste Beschraͤnkung 
von außen in der Kunst Despotismus wird. 
Gab es aber nicht zu allen Zeiten eine Hofkunst? Doch, 
Euer Gnaden, geliebter deutscher Michel, aber in ganz 
anderem Sinne, nicht im Sinne eines Dienstes von 
seiten der Kunst, sondern von seiten des Hofes! Also 
nicht, daß der Kunst Vorschriften gemacht wurden, son⸗ 
dern die Kunst schrieb vor, — nicht, daß im Kunstwerk 
nur „ein Koͤrnchen vom eigenen Charakter des Kuͤnstlers“ 
war, sondern daß es vollster Persoͤnlichkeitsausdruck war, 
— so daß dem Kuͤnstler ein Auftrag gegeben war und 
seine Phantasie in ihm selbst ihre Quellen, aus ihm selbst 
ihren Flug finden konnte, also daß der Auftraggeber nicht 
nur nicht „ins Detail“ hinein ging, sondern dem Kuͤnstler 
das „vollste Maß der Freiheit“ wirklich gelassen war, — 
so daß die Auftraggeber nicht ihren Ruhm darin er⸗ 
blickten, als Personen, als Familie, als Herrscher ver⸗ 
—
	        
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