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Das Deutsche Haus in St. Louis und das Charlottenburger Schloss

Full text: Gesammelte Reden und Aufsätze / Meyer, Alfred Gotthold (Public Domain)

an solche des Niederländers Peter de Coxie, in stilgerechter 
Freiheit gewählt sind. Durch diese farbenfrohe Bereicherung 
und durch eine beträchtliche Verbreiterung ward dieser Saal zum 
vornehmsten des Deutschen Hauses. 
Der Tressensaal zählt im’ Charlottenburger Schloß zu 
den westlichen Prunksälen der Gartenseite und vereint die besten 
damaligen Dekorationsmittel eines fürstlichen und doch anheimeln- 
den Innenraums. Trotz der Pilasterteilung herrscht hier die 
Fläche als solche. Das ‚dankt sie neben dem Spiegelbelag vor 
allem der Bekleidung mit purpurnem Seidenstoff, über den die 
aufgenähten Goldbänder (Tressen) ein freies Linienspiel breiten. 
Diese neuerdings besonders in Österreich wiederbelebte Technik 
war damals für den Schmuck der Paradebetten üblich, und die 
Musterung selbst erinnert, gleich den Grotesken der Tür- und 
Spiegelwandungen, an die Entwürfe BErains und Marots, aber 
ihre Anwendung als Wandschmuck und die reiche Bewegung 
der gekräuselten Linien zeigen wiederum norddeutsche Art. Die 
Schnitzereien entsprechen denen der Eichenen Galerie. 
Auch hier erscheint überall der preußische Adler neben dem Roß 
des hannöverschen Wappens und dem Namenszug Sophie Char- 
lottens. Die in Bronze hergestellten zahlreichen Beleuchtungs- 
körper, deren Vergoldung vor dem Purpurgrund besonders fest- 
lich wirkt, sowie die Möbel sind größtenteils in Berlin gear- 
beitete gleichzeitige Stücke aus königlichem Besitz. 
So übertragen diese Räume des Charlottenburger Schlosses 
gleich den deutschen Versen dieser Zeit die fremden Lehren 
von Wohlklang und Rhythmus selbständig in ihre heimische 
Formensprache. 
Durch den Genius Schlüters waren inzwischen in Berlin 
Werke voll mächtiger Schwungkraft und völlig eigener, unver- 
gänglicher Schönheit entstanden: das Reiterdenkmal des Großen 
Kurfürsten an der Schloßbrücke und die Maskenreihe ster- 
bender Krieger am Zeughaus. Auch am Charlottenburger 
Schloß fehlt Schlüters Kunst nicht ganz. Ihr Geist spricht dort 
aus den vier großen, antik gedachten, aber in Rubensscher 
Formenfülle gestalteten Reliefbildern, welche in die Wände 
der beiden Rundsäle eingelassen sind. In klassischer Auffassung 
und Allegorie schildern sie das Wirken brandenburgischer Kur- 
fürsten — wohl Friedrichs I. und Friedrichs II. — für die 
Kultur ihres Landes, und ihr Stil gleicht in der Frische der 
MM
	        
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