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Die Jubiläums-Ausstellung des Vereins für Deutsches Kunstgewerbe in Berlin

Full text: Gesammelte Reden und Aufsätze / Meyer, Alfred Gotthold (Public Domain)

nüchterner, und schon durch die beiden Ledersitze zu sehr an 
den neuesten Kajüten- und Waggonstil gebunden, ist die von 
demselben Architekten entworfene Bibliothekswand, an 
der Töpfer & Kläke ihre Technik bewähren. W.Kümmel 
faßt sein Sofa nach dem Entwurf von F. Sauvage mit zwei 
eichenen, mit Tiffanyglas geschmackvoll belegten Türmen ein, 
deren Äußeres aber alles andere eher erwarten läßt, als daß sie 
sich als — Schränke öffnen lassen. 
Mehr innerhalb der Tradition bewegt sich Georg Honold, 
dessen Salonmöbel mit leichten Anklängen an das Empire von 
C. Luckat gut ausgeführt sind, aber koloristisch unter dem 
Altsilberbeschlag leiden. 
So bleibt bei allen diesen Arbeiten nach Anerkennung ihrer 
Vorzüge die sachliche Kritik stets noch zu einem Aber... 
genötigt. Es ist in ihnen ein Rest von unverstandenen, wenn 
nicht unverständigen Formen, bald ein Verlegenheitsstück, bald 
ein unüberlegtes Abschweifen in die Bahnen der Originalitäts- 
sucht. 
Ähnlichen Charakter trägt auch die Mehrzahl der mehr 
persönlich empfundenen Möbel und Interieurs. 
Zwischen den kunstgewerblichen Beigaben der letzten Ber- 
liner Kunstausstellungen gefiel sich ein junger Architekt, Arthur 
Biberfeld, in der Rolle des Hechtes im Karpfenteich. 1901 
stellte er ein Musezimmer, 1902 ein Familienzimmer aus. Seine 
Möbel darin waren nicht nur urwüchsig, sondern derb, als 
seien sie nach altspartanischem Gesetz nur für Säge und Axt 
entworfen. Primitive Gebilde zu raffinierten Zwecken! Sie 
wurden mehr bespöttelt, als gelobt, aber — man sprach davon, 
und sie fanden Käufer. Bei Biberfelds neuem Jungfrauen- 
zimmer wird der Erfolg zweifellos noch günstiger werden, 
denn für viele mag dieses kleine Gemach mit seinem breiten, 
niedrigen Fenster der reizendste Teil der ganzen Ausstellung 
sein. Als Gesamtinterieur bietet es neben dem besser gezeich- 
neten als gezimmerten Privatkontor der Steglitzer Werk- 
statt (F. W. Kleukens) in der Tat einen geschlossenen 
Stimmungswert, in dessen halb schüchternen, halb gewagten 
Klängen das Thema „Jungfrauzimmer“ geistvoll und leicht humo- 
ristisch variiert ist. Der Grundton ist rosa und weiß, „les deux 
couleurs consacrees ä la felicite&, um mit Xavier de Maistre zu 
sprechen. Wie eine Wolke schiebt sich das Rosa der Wände in 
unregelmäßiger Rundung noch in das Weiß der Decke hinein. 
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