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Die Hohenzollern in unserer Stilgeschichte

Full text: Gesammelte Reden und Aufsätze / Meyer, Alfred Gotthold (Public Domain)

Befruchtendes Leben strahlt von ihnen aus und 1äßt allmählich 
jene Gegensätze weichen! — 
Und nun denke man, wie damals an der Spree, neben den 
Holzhäusern, Hütten, Gademen die trotzige, düstere Burg sich 
in ein Sch1oß verwandelt, mit Altan und fröhlichen Giebeln, 
mit bunten Malereien, mit großem Hof und Wendelstein! War 
das nicht doch ein denkwürdiges Ereignis in der Entwicklung des 
heimischen Kunstsinnes ? 
Ein anderes Beispiel aus gleicher Zeit! 1560 soll in diesem 
neuen Schloß die Hochzeit der jungen Markgräfin gefeiert werden, 
natürlich mit Tournier und Ringelstechen! Aber nach neuer, 
feinerer, „wälscher“ Mode mit einem Gestech „alla pallia“ — über 
eine Schranke. Dazu braucht der Kurfürst eine neue, leichtere 
Rüstung! Doch sie soll nicht ganz einfach sein — vielmehr 
ein Prachtstück — so, wie der Kurfürst August v. Sachsen es 
besaß. Dazu reichte die Fertigkeit der märkischen Plattner nicht 
aus! Daher wendet sich Joachim an einen der gefeiertsten 
Plattner seiner Zeit: Meister Peter v. Speyer in Annaberg. 
Dieser kommt nach Cölln a. d. Spree, und arbeitet dort in 
zwei Jahren 1560—1562 jene reiche Rüstung, die noch heut 
ein Hauptstück unserer Zeughaussammlung bildet — und auch 
am Standbild Joachims II. auf der Siegesallee wiedergegeben ist. 
Aber jene Rüstung des berühmten sächsischen Plattners 
wird dem Kurfürsten später zu eng und unbequem. Sie muß 
erweitert, verändert werden. Das geschieht natürlich n ich t mehr 
durch die fremden Meister, sondern durch heimische Plattner, aus 
Cölln a. d. Spree — und bei dieser Umarbeitung lernen sie 
nun auch dort genau allen jenen Renaissancezierrat kennen, mit 
denen jene sächsische Rüstung geschmückt ist: die eingeätzten 
feinen Rankenornamente, die Putten und Masken; die Gestalten 
antiker Mythologie und Sage: Luna und Lucrezia neben den 
biblischen Figuren! 
So geht von dieser Renaissance-Rüstung, von der Arbeit, 
mit der der brandenburgische Kurfürst einen fremden 
Meister, einen Sachsen, beauftragte, doch auch für sein eigenes 
Land befruchtendes Kunstleben aus, und diese Rüstung Joachims 
in unserem Zeughaus hat für unsere Mark hohen kunst- 
historischen Wert — mag man sie auch mit der Prachtrüstung 
eines Franz I. von Frankreich nicht vergleichen können! — — 
Das ist die Art, in der die Markgrafen und Kurfürsten in 
Berlin Kunst förderten, Kunst konzentrierten. Heut vor 
200 Jahren wurden sie Könige! 
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