Path:
Das St. Monika-Stift

Full text: Die katholische Charitas in Berlin / Fournelle, Heinrich (Public Domain)

25 
einer an sich anständigen festen Stellung sich befunden haben. 
Hierdurch sind dem Laster ergebene Personen ausgeschlossen. Die 
aufzunehmenden Mädchen müssen den Vater des Kindes angeben 
können. Alle Mittheilungen hierüber werden natürlich diseret be— 
handelt. Die Anstalt hilft, soweit möglich, den Vater heranziehen 
zur Zahlung für das Kind, je nach Umständen auch für die Un— 
kosten der Entbindung und der dem Stifte zu zahlenden Pension. 
Ein Jurist steht hierin der Anstalt zur Seite. Wenn die Ver— 
hältnisse es rathsam erscheinen lassen, wird auf die Heirath mit 
dem betreffenden Manne hingewirkt. Meistens haben die letzteren 
sich dem mit ihnen correspondirenden Stifte gegenüber gut be— 
nommen. Die Versöhnung mit den Eltern und Verwandten wird 
durch das Stift versucht und wurde bis auf einen Fall bisheran 
ewrreicht. 
Die Mädchen sollen im Allgemeinen drei Monate vor der 
Entbindung eintreten und müssen sich verpflichten drei Monate 
nach derselben im Stifte bei ihren Kindern zu bleiben und die— 
selben in Ausübung ihrer Mutterpflicht selbst zu ernähren. Früher 
entlassen werden sie nur, wenn die Eltern selbst sie bei sich auf— 
nehmen. Die Mädchen müssen bei ihrer Aufnahme versprechen, 
nachher keine Stellung als Kellnerin oder Amme anzunehmen, 
wogegen das Stift sich bemüht, ihnen eine passende Stellung zu 
suchen, wie auch zur guten Unterbringung ihres Kindes zu helfen. 
Im Stift werden die Mädchen angehalten zum täglichen 
Gebete, zum Empfange der hl. Sacramente, sie hören öfters den 
Vortrag eines geistlichen Herrn. Correspondenz und Verkehr ist 
überwacht durch die Leiterin der Anstalt. Können die Mädchen 
nicht gleich zahlen, was zu zahlen ist, so verpflichten sie sich, die 
Schuld allmählich abzutragen. 
Wenn man diese Gesichtspunkte bei der Aufnahme und in 
der Leitung der Anstalt festhält und befolgt, wird diese letztere 
die Mädchen sittlich und religiös nur heben, von einer Unter— 
stützung des Lasters aber kann nicht die Rede sein. 
Das Bestehen dieser Anstalt an sich wird nicht eine Er— 
leichterung des Vergehens herbeiführen. Denn erstens denkt 
häufig das unglückliche Mädchen, das in diese Anstalt aufge— 
nommen werden kann, garnicht an die Folgen der Sünde; 
zweitens weiß es doch, wenn es daran denkt, daß genug andere 
25
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.