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Vierter Abschnitt

Full text: Unter fünf preußischen Königen / Dohme, Robert (Public Domain)

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des Prinzen von Preußen, mit der Prinzessin Viktoria von Groß⸗ 
britannien und Irland war am 25. Januar 1858 gefeiert worden. 
Das junge Paar betrat am 5. Februar die preußische Grenze bei 
Herbesthal, wo ich mich bei dem Prinzen, unserem späteren 
Kaiser Friedrich, meldete, da ich als Commissar des Ober-Hof⸗ 
marschall⸗Amtes abgeordert war, um für die Reise bis Potsdam 
das Erforderliche zu veranlassen. 
Während ich im Regierungsgebäude zu Aachen, wo das 
Diner stattfand, im Speisesaal nachsah, ob alles in Ordnung sei, 
klopfte jemand auf meine Schulter; als ich mich umdrehte, er— 
blickte ich den Prinzen, dem ich nun auf das Genaueste berichten 
mußte, in welchem Zustand ich den König in Sanssouei ver⸗ 
lassen, und dem ich die tiefe Bewegung ansah, die er empfand, 
als ich ihm nach bestem Gewissen keine günstigen Nachrichten 
bringen konnte. 
In Köln war Nachtquartier genommen, und die Abreise am 
nächsten Morgen fand mit einigen Schwierigkeiten statt, da der 
Regierungspräsident mir die Gestellung eines Reserve-Dampfers 
verweigert hatte, indem er behauptete, seinen Nachrichten zufolge 
würde der Rhein in der Nacht Eis treiben; meine Nachrichten 
lauteten entgegengesetzt, und das Treiben war wirklich zu unserem 
Nachteil eingetreten. Die dadurch herbeigeführten Störungen 
wurden zwar beseitigt, aber ich persönlich hatte den Nachteil, daß 
ich, da ich bis zu dem Augenblick, wo der Zug sich in Be— 
wegung setzte, durch den Kronprinzen an seinem Coupé-Fenster 
im Gespräch festgehalten wurde, die Thür des nächsten leeren 
Coupés nur noch aufreißen und hineinspringen konnte und nun 
in meinem Uniformsfrack bei der Winterkälte die Reise bis Düssel— 
dorf fortsetzen mußte, ehe ich zu meinem Pelz gelangte. 
In Magdeburg hatte das Nachtlager im General-Kommando— 
Gebäude stattgefunden, und der Empfang der hohen Neuver— 
mählten durch die weißgekleideten Jungfrauen bot wirklich eine 
ergreifende Scene dar; es war rührend zu sehen, wie die jung— 
vermählte Prinzessin sich schüchter an den Gemahl anschmiegte
	        
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