Path:
Erster Abschnitt

Full text: Unter fünf preußischen Königen / Dohme, Robert (Public Domain)

28 
Wilhelm III.“) aufgezeichnet. Nach einer in Sanssouci ein— 
genommenen größeren Mittagstafel hatten sich die Teilnehmer 
etwas zerstreut, um sich erst später, kurz vor dem Schauspiel, 
wieder zusammenzufinden; der König traf in einem der Neben— 
gemächer den Bischof und sagte gesprächsweise zu ihm: „Heute 
wird ein schönes Stück gegeben, eine Satyre auf den Egoismus, 
und es thut not, daß man ihn lächerlich macht. Aber Sie gehen 
nur selten hin, lassen sich gewöhnlich entschuldigen, wenn ich Sie 
habe einladen lassen: halten den Besuch des Theaters wohl gar 
für eine Sünde?“ — „Wenn es eine Sünde wäre, würden 
Ew. Majestät gewiß nicht hingehen. Dem Reinen ist alles rein; 
für Solche halte ich das Schauspiel für einen Zeitvertreib.“ — 
„Ich schlage es höher an. Ich halte es für ein angenehmes 
Mittel zur sittlichen Veredlung und zähle es solchen Anstalten 
bei.“ — „Das ist mir noch sehr problematisch; die Sinne werden 
allzusehr afficiert, als daß es sittlich wirken könnte; der Eindruck, 
der zurückbleibt, ist sinnlich und regt vorzüglich die Phantasie 
auf.“ — „Nicht immer; dann gewiß nicht, wenn das Stück gut 
gegeben wird und moralisch gut ist.“— „Auch selbst dann 
können die guten Eindrücke nicht aufkommen und haften, weil 
überall die Sinnlichkeit vorherrschend ist; sie dringt von allen 
Seiten ein.“ — „Kurios! Thut das nicht auch die Natur? die 
Berge und Thäler, die Bäume, die Flüsse und ihre tanzenden 
Wellen; die Singpvögel, unter ihnen vorzüglich die Nachtigall; 
die schönen Blumen: alles dies, ist es nicht auch in dem Tempel 
der Natur eine Dekoration? Diese reiche Abwechslung ist auch 
ein wahres Schauspiel“ und nachdem der König noch andere Be⸗ 
denken des Bischofs widerlegt, bemerkte er: „Sind manche 
Schriften mir zugegangen, die gegen das Theater erschienen sind; 
ja, es hat ein Mann aus dem Bergischen, wenn ich nicht irre 
aus Elberfeld, an mich geschrieben und mich, da ich ein Christ 
wäre, um Himmelswillen gebeten, doch nicht mehr in die Komödie 
zu gehen, um nicht Schaden zu nehmen an meiner Seele. Der 
ehrliche Mann meint es gut. Habe das Schreiben Witzleben
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.