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Erster Abschnitt

Full text: Unter fünf preußischen Königen / Dohme, Robert (Public Domain)

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heiten ein Kabinettsrat — zu meiner Zeit der Geheime Kabinetts-⸗ 
rat Albrecht — Vortrag. 
Die Tagesarbeit des Königs war, wenn nicht besondere Er⸗ 
eignisse sie unterbrachen, genau geregelt. Der König erhob sich 
früh, meist um 6 Uhr, und nahm den Kaffee ein, während er 
seine Toilette beendete, fast immer trug der König einen dunklen 
Militärrock ohne Epauletten. Nach der Erledigung der Privat⸗ 
Korrespondenz, wobei der König die eingelaufenen Briefe selbst 
öffnete und, wo es erforderlich, mit seinen Bemerkungen versah, 
dabei die wichtigeren Sachen behufs eigener Erledigung zurück— 
legend, folgten in einem besonderen Gemach die Vorträge, denen 
der König sehr aufmerksam folgte, sich auch über recht entfernt 
liegende Dinge schnell orientirend und bei seinen Entschlüssen den 
Vortragenden gern Einwendungen gestattend. Häufig schloß sich 
an die Vorträge eine Spazierfahrt in Gesellschaft eines der dienst⸗ 
thuenden Adjutanten; der König hatte dabei die breitkrämpige 
Feldmütze auf dem Haupt und bei ungünstiger Witterung einen 
Militärmantel umgeschlagen. Um 2 Uhr wurde das Frühstück 
eingenommen und unterhielt sich nach demselben der König noch 
gern mit seinen Gästen. Im Laufe des Nachmittags wurden die 
Vorlagen der Ministerien durchgesehen, Kabinetts-Ordres unter— 
zeichnet und Audienzen erteilt. Sehr gern besuchte der König 
die um 6 Uhr beginnenden Theater-Vorstellungen, um nach den⸗ 
selben mit der Fürstin Liegnitz und einigen Eingeladenen das 
Souver einzunehmen. 
Die große Vorliebe des Königs für das Schauspiel und die 
Oper, sein leutseliges Benehmen zu den darstellenden Künstlern 
und Künstlerinnen, seine Besuche der Bühne während der Zwischen⸗ 
akte und die im Prinzessinnen-Palais stattfindenden Privatvor⸗ 
stellungen und sich daran anschließenden Bewirtungen der Mit— 
wirkenden wurden seiner Zeit vielfach besprochen und das in ganz 
falscher Weise. Eingehend plauderte der König einst mit dem 
Bischof Eylert über seine Vorliebe für das Theater, wie es der 
Bischof selbst (in seinen „Charakterzügen aus dem Leben Friedrich
	        
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