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Erster Abschnitt

Full text: Unter fünf preußischen Königen / Dohme, Robert (Public Domain)

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hörigkeit zum großen Ganzen, und war ein Beweis, daß ihr 
König sich in freundlicher Fürsorge ihrer Familien annehme. 
Glücklich hatte ich also eine Stellung erlangt, die mir eine 
gesicherte sorgenfreie Existenz gewährte, denn bei einer festen Ein— 
nahme von 1200 Mark und etwa halb so viel Nebeneinnahmen 
fühlte ich mich reich und war es auch für damalige Zeiten als 
iunger Mann von 17 Jahren, zumal ich meine Jugendjahre in 
recht beschränkten Verhältnissen verlebt hatte — mußte doch meine 
Mutter als Witwe mit vier Kindern von einer Pension von 
1200 Mark und geringen Nebeneinnahmen uns erziehen, wenn⸗ 
gleich ihr freie Wohnung in dem späteren Prinz Albrecht'schen 
Palais nach dem Tode meines Vaters, der Rendant beim Königl. 
Hofmarschall-Amte gewesen, gelassen worden war. Ihrer mütter— 
lichen Liebe konnten wir Kinder nicht genug danken, was wir 
zeworden, es war, da mein Vater schon im Alter von 27 Jahren 
zestorben, einzig das Werk dieser edlen Frau. Wie sie es bei 
ihren geringen Mitteln möglich gemacht, ist mir stets ein Rätsel 
geblieben, denn wir konnten uns einer guten Schulbildung er— 
freuen und erhielten auch sämtlich noch musikalischen Unterricht 
hei einem alten französischen Emigranten. 
Wir Bewohner des gedachten Palais bildeten gewissermaßen 
eine abgeschlossene Kolonie für uns; es waren meistenteils frühere 
Hofbeamte, sogar eine uralte Kammerfrau der Prinzessin Amalie, 
Schwester Friedrichs II., Namens Graue, die darin eine Dienst— 
wohnung erhalten hatten. Sodann hatte ein Stift, eine Er—⸗ 
ziehungs-Anstalt für Töchter adliger Familien und des höheren 
Bürgerstandes, einen Teil des Hauptgebäudes inne, wogegen die 
anderen Räume nicht nur zur Aufbewahrung der vom König 
Friedrich Wilhelm III. angekauften Sollyschen und Gustinianischen 
Gemäldesammlungen dienten, sondern es waren auch den Malern 
Professor Begas Vater und Hofrat Ternite ihre Maler-Ateliers 
darin angewiesen. Das Atelier des Ersteren wurde von einer 
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großen Ruf erlangten, besucht. Der umfangreiche, hinter dem
	        
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