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Fünfter Abschnitt

Full text: Unter fünf preußischen Königen / Dohme, Robert (Public Domain)

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Für mich hatte dieser Wechsel den Vorteil, daß ich von jener 
Zeit an die Verrichtungen eines Direktors im Ober-Hofmarschall— 
Amt ausübte, nur der Titel wurde mir auf Einspruch des Herrn 
von Obstfelder vorenthalten, da jener angab, daß bei der Hof— 
—DDD 
Hausministerium bekleide, was übrigens nicht ganz richtig war, 
da es einen Garten-Direktor, einen Bau-Direktor ꝛc. gab. Für 
mich aber war es genügend, daß ich einen Wirkungskreis erhielt, 
in welchem ich meine volle Brauchbarkeit, auf langjährige Er— 
fahrungen gestützt, entwickeln konnte. Graf Perponcher ließ mir 
große Freiheit in der Verwaltung, gab mir aber folgende Ver— 
haltungsregel: er sei in seiner früheren Stellung bei der prinz⸗ 
lichen Hofverwaltung jeder Zeit mit den ihm bewilligten Etats— 
mitteln ausgekommen. Jetzt habe er aber eine so ungleich größere 
Verwaltung übernommen, daß ihm die Zeit fehle, sich von der 
Bilanz der Einnahmen und Ausgaben jeder Zeit genau zu unter⸗ 
richten, es sei aber sein fester Wille, mit den ihm bewilligten 
Etatsmitteln auszukommen. Da übertrage er mir denn diese 
Verantwortung und ließe mir freie Hand; wenn er aber jemals 
gezwungen sein sollte, am Jahresschluß eine Nachforderung zu 
erbitten, dann wäre sein Vertrauen verscherzt und er würde sich 
gezwungen sehen, andere Einrichtungen zu treffen. Nun, der 
Fall ist bis zu meinem Ausscheiden aus dem Amte im Jahre 
1888 niemals vorgekommen. 
Da Graf Pückler mit eiserner Beharrlichkeit daran festhielt, 
die Leitung des Ganzen in seiner Hand zu behalten, statt, wie 
ich hoffte, einen Teil davon dem Grafen Perponcher zur selb⸗— 
ständigen Verwaltung abzutreten, so ergaben sich mancherlei 
schwierige Situationen, die aber stets durch die ritterliche Liebens⸗ 
würdigkeit und das denkbarste Engegenkommen des Grafen Ver— 
voncher ihre friedliche Lösung fanden. 
In den nächsten Jahren begleitete ich den König auf seinen 
Reisen, bis sich meine häufigere Abwesenheit von Berlin doch 
nicht recht mit den täglich wachsenden Arbeiten vereinte und ich
	        
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