Path:
Seehunde

Full text: Lebende Bilder aus dem Reiche der Tiere / Heck, Ludwig (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

SEEHUNDE (Phoca: vitulina CL). Ein prächtiges, vorzüglich in der Gefangenschaft ein- 
gewöhntes Paar. Es ist seit 1891 hier und inzwischen natürlich mächtig herangewachsen. 
Sehr oft erlebt‘ man nicht solche Freude, und ich lese schon mit gemischten Gefühlen 
die bekannte, fast jedes Jahr sich wiederholende Depesche irgend eines wohlmeinenden 
Amrumer oder Sylter Badegastes, dass er einen‘ „Jungen, soeben gefangenen Seehund“ 
als Geschenk schickt. Diese armen, kleinen Findlinge nehmen in der Regel keine 
Nahrung an, und. man muss sie so langsam verhungern sehen, selbst wenn man lebende 
Aale spendiert. Für dieses teure Anfangsfutter muss‘ man oft mehr Geld ausgeben. 
als der ganze Seehund kostet, der aus Holland schon für 25 Mark geliefert wird; aber 
man thut es ja gern, wenn der neue Ankömmling nur schliesslich herangeht. Das dauert 
mitunter 4—6 Wochen: so erstaunlich lange kann das Tier ohne jede Nahrung aushalten! 
„Braucht der kein Seewasser?‘“ fragen mich vor dem Robbenbecken immer wieder ganz 
gebildete Leute, und ich pflege dann etwas dentlich zu antworten: „Ebensowenig, wie Sie. 
wenn Sie im Schwimmbassin oder im Halensee baden!“ Der Seehund ist ein Säugetier, 
vie der Mensch, oder, um bei den „Wassertieren“ zu bleiben, wie der Fischotter, und 
ındererseits auch wie der Delphin und der Walfisch, d. h. mit anderen Worten: für alle 
liese Tiere ist das Wasser nur Bewegungselement, nicht Lebenselement, „Atmosphäre“, 
vie für den Fisch, der es durch seine Kiemen atmet. Die genannten Tiere atmen Luft 
wie der Mensch, nur sind sie ihrem Wasserleben insofern mehr angepasst, als sie sehr 
ange unter Wasser aushalten, den Atem anhalten können und dafür besondere Einrichtungen 
ım Herzen und Blutgefässsystem haben. Ausserdem ist das grosse,‘ dunkle Auge sehr 
lach gewölbt‘ zur Ausgleichung des Brechungswinkels der Lichtstrahlen unter Wasser, 
ınd Nasen- und Ohrenöffnungen können durch feine Ringmuskeln wasserdicht verschlossen 
erden. Walrosse und Seehunde haben überhaupt gar keine äusseren Ohrmuscheln mehr, 
ınd die Seehunde zeichnen sich weiter dadurch aus, dass bei ihnen die flossenartige Ume 
»ldung der Hintergliedmaassen am weitesten gediehen ist.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.