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Dromedar und Kamel

Full text: Lebende Bilder aus dem Reiche der Tiere / Heck, Ludwig (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

DROMEDAR UND KAMEL. Wie unser genial angehauchter Retoucheur die ganze Um- 
zebung bis zum verschwimmenden Horizont hergerichtet hat, müssen die beiden mäch- 
äigen Tiere ganz stimmungsvoll als „Schiffe der Wüste“ erscheinen; es versteht sich 
ıber von selbst, dass sie ebensogut im Zoologischen Garten nach dem Leben aufgenommen 
sind wie unsere anderen Tierbilder. Darauf deutet auch die Vereinigung der einhöckerigen 
Art, des Dromedars, mit der zweihöckerigen, dem eigentlichen Kamel. Beide Arten treffen 
sich sonst nur in Vorderasien, wo das Dromedar, von Afrika und Arabien kommend, mehr 
im Süden bis nach dem westlichen Vorderindien sich vorschiebt, während das Kamel, die 
nördlichen Länderstriche bevorzugend, sich durch ganz Innerasien und China verbreitet. 
Das Wort „Kamel“ ist ein böses Schimpfwort, und doch ist das Kamel da, wo es 
vor- und fortkommt, unbedingt das wichtigste Haustier, das vielfach dem Menschen 
iberhaupt erst die Daseinsmöglichkeit giebt. Man bedenke nur, auf welch ungeheuren 
‚änderstrecken es geradezu den Verkehr und damit die Kultur auf seinem Rücken trägt! 
"rotzdem ist und bleibt es für jeden, der näher mit ihm zu thun gehabt hat, ein „Kamel“, 
ih. ein dummes, störrisches, unangenehmes Geschöpf, dessen ganze Tugend nur in 
‘örperlichen Eigenschaften beruht. . 
Diese machen es allerdings zu einem wahrhaft klassischen Last- und Wüsten- 
ransporttier. An die Stelle der beiden Hufe, auf denen sonst der Wiederkäuerfuss 
uht, ist eine breite, schwielige Sohle getreten (daher die Gruppe der Schwielensohler, 
ler neben den Kamelen die südamerikanischen Lamas angehören), die den schweren; 
} m und darüber hohen Körper mitsamt einer Last von 5—8 Centnern, sanft im Fuss- 
‚elenk federnd, gleich leicht durch den Sand der Sahara und den Schnee der inner- 
‚siatischen Gobi trägt; die eigentlichen Hufe sind klein und sitzen vorn an diesem Fuss- 
:issen., Und dann die fast unglaubliche Genügsamkeit, die dem mächtigen Tiere erlaubt, 
venn es sein muss, eine ganze Woche und länger ohne Wasser zu marschieren, nur mit 
jiner Hand voll Körnerfutter täglich und der mehr wie kargen Steppenweide am Rastplatz.
	        
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