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Das Werk Alfred Messels. Mit Randbemerkungen M. Rapsilber

Full text: Das Werk Alfred Messels / Messel, Alfred (Public Domain)

DAS WERK ALFRED MESSELS. 
Mit Randbemerkungen von M. RAPSILBER. 
Das Bild ist heutzutage aller Publizistik 
bessere Hälfte in Dingen der bauenden, bil- 
denden und malenden Kunst. Ebensowenig 
wie man eine Symphonie Beethovens in Worten 
wiedergeben oder selbst nur annähernd ver- 
deutlichen kann, entzieht sich auch das Grund- 
wesen und der letzte Ausdruck eines Bau- 
denkmals den gegebenen Sprachmitteln. Da 
nun im vorliegenden Heft die spätere und 
somit bessere Hälfte von Prof. Messels 
Lebenswerk in Bildern aufmarschiert ist, be- 
scheidet sich der Prediger und läßt die Steine 
reden. Und wie reden sie hier! 
Die Architektur ist eine strenggebundene 
Kunst mit einem Januskopf. Das eine Ge- 
sicht schaut in die Prosa des nüchternen 
Lebens und das andere in die Gefilde hoher 
Kunstideale. In dem einen Janushirn stoßen 
die Forderungen der beiden schier unverein- 
baren Welten hart widereinander, und da gilt 
es, aus einem chaotischen Kampf von Feuer 
und Wasser dem Weltenschöpfer jenen Kos- 
mos nachzuempfinden, in dessen Kern die 
Gewalten der Tiefe zyklopisch gefesselt sind 
und auf dessen Angesicht sich die Herrlich- 
keit des Himmels widerspiegelt. Gerade dies 
Bedingte und Erkämpfte, das in einem Atem 
Durchdachte und Empfundene gestaltet die 
Betrachtung von Architekturschöpfungen so 
überaus anregend und fruchtbar, und am Ende 
schauen wir die Universalität des Lebens mit 
all den Höhen und Tiefen, den Licht- und 
Schattenseiten in keiner Kunst so wahrhaftig 
symbolisiert wie in der Baukunst, die in erster 
und letzter Linie immer noch den Geist eines 
Zeitalters am handgreiflichsten verkörpert. 
Es soll hier indessen nicht der geheimnis- 
volle Schacht des Kunstschaffens befahren 
werden, sondern ohne Umschweif die Muster- 
gültigkeit der Messelschen Bauten am Licht 
der Jahrhundertswende beleuchtet und vor 
allem eine eigenartig folgerichtige Entwick- 
ung von zwei Jahrzehnten veranschaulicht 
werden. 
Genau zwanzig Jahre trennen Messels 
selbständige Anfänge, die sich im soge- 
nannten Werderhaus darstellen, von seiner 
gegenwärtigen Kulmination, welche u. a. am 
Palais Cohn- Oppenheim, am Wohnhaus 
Eduard Simon, am Wertheimbau und am 
Großherzoglichen Museum zu Darmstadt 
aach verschiedenen Richtungen hin zu ’er- 
weisen wäre. Jener konventionelle Geschäfts- 
palast am Werderschen Markt zeigt den hoch- 
begabten, aber noch befangenen Anfänger, 
wie er an seine Vorgänger und Lehrer an- 
knüpft, wie er, von Tradition und Schule ge- 
iragen, normal in seine Zeit einsetzt, von 
dem allgemeinen Berlinertum der achtziger 
Jahre überschattet. Die Autoritäten der Ber- 
liner Bauakademie wie Strack, Lucae, Böt- 
ticher, Ende waren die Paten von Messels 
Erstlingstat, an welcher das gut Berlinische 
zu betonen wäre. Erwähnenswert ist ferner, 
daß er als Bauführer am Neubau des Haupt- 
postamtes tätig war, daß er als Regierungs- 
yaumeister zum Assistenten an der Tech- 
aischen Hochschule und darauf zum Lehrer 
am Kunstgewerbemuseum berufen wurde und 
daß dabei von vornherein ein abgeklärter
	        
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