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während das Berliner Hoftheater erst am 5. November
damit nachfolgte.
Am 12. Mai 1853 schreibt Marie Seebach in ihr
Tagebuch: „Eine sehr schwere, aber sehr interessante
Rolle habe ich in dem neuesten Stück der Birch-⸗Pfeiffer
Die Waise von Cowood' zu studiren, die mich wieder
Einiges kosten wird, aber ich freue mich recht sehr dazu.
Gott gebe, daß sie mir so gelingt wie ich sie mir denke,
daß sie gelingen muß! Hendrichs wird die männliche
Hauptrolle darin geben.“
Hermann Hendrichs, der erste Held und Liebhaber
des Königlichen Schauspielhauses zu Berlin, besaß eine
so hohe männliche Schönheit, ein so kraftvolles, wohl⸗
lautreiches, modulationsfähiges Organ, wie sich selten
in einem Darsteller vereinigt finden. Er war kein
eigentlich genialer Künstler, seine Leidenschaft war viel—
leicht mehr gemacht als echt, aber seine blendenden
äußeren Mittel und seine sichere Theaterroutine machten
ihn zu einem der gefeiertsten Vertreter seines Faches.
Bei seinem Gastspiel in Danzig im April 1850 hatte
er bereits mit Marie Seebach zusammen gespielt und
ihr zur Erinnerung daran bald darauf sein Bild als
„Struensee“ mit eigenhändiger Widmung nach Wassel
überbracht.
Mit der ihm von Charlotte Birch-⸗Pfeiffer, seiner
schauspielerischen Kollegin am Berliner Hoftheater, „auf
den Leib geschriebenen“ Rolle des Rochester in der
„Waise von Cowood“ eröffnete Hendrichs am 8. Juni 1853
sein Gastspiel in Hamburg. Das Stück errang durch
Marie Seebach als Jane Eyre, welcher die gesannite