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Gretchen

Full text: Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

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offener Scene gerufen worden,“ so machte sie als Gretchen 
geradezu Furore. „Ich war“, schreibt sie im Tagebuch, 
„den Abend sehr gut bei Stimme, vermuthlich durch 
die Aufregung, ich wurde bei meinem Erscheinen 
empfangen, dreimal gerufen, einmal bei offener Scene, 
und den ganzen Abend hindurch überaus freundlich 
ausgezeichnet.“ 
Schon am anderen Morgen stellte sich Theateragent 
Sachse bei ihr ein und drängte auf Abschluß eines 
festen Kontraktes für Hamburg. Die UKasseler Intendanz 
hatte seither bereits in eine Lösung des Engagements 
zum 1. Oktober gewilligt, und so kam nach mehr— 
tägigen Verhandlungen der Kontrakt mit Hhamburg 
durch Sachses Vermittelung zu Stande: eintausend 
Thaler Jahresgage, zwei Thaler Spielhonorar und ein 
Benesiz — das war mindestens das Doppelte gegen die 
kahlen siebenhundert CThaler in Kassel! Und Hamburg 
war eine Großstadt mit zahlreichem, internationalem 
Fremdenpublikum, während das kleine, stille Kassel trotz 
des Hofes einer bescheidenen Provinzialstadt glich. 
Diesen in Anbetracht ihrer bisherigen Engagements 
wahrhaft glänzenden Kontrakt in der Tasche, von dem 
Ruhme der zum ersten Mal gespielten Rollen der 
Adrienne Lecoupreur und des Gretchens umstrahlt, be— 
nützt Marie Seebach die achttägige Frist bis zu ihrem 
nächsten Auftreten, um nach Lübeck hinüberzueilen, wo 
Vater und Schwester damals engagirt waren. Mit 
beiden, sowie mit zahlreichen Bekannten aus früherer 
Zeit feierte sie ein kurzes, frohes Wiedersehen und kehrte 
dann allein nach Hamburg zurück, um am 29. Juli
	        
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