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Gretchen

Full text : Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

immer aus Kassel zu scheiden. In dieser fröhlichen
Stimmung besucht Marie Seebach zum ersten Male
in ihrem Leben einen Ball, und zwar den Sylvesterball,
auf dem sie sehr vergnügt bis halb vier Uhr Morgens
in das für sie so entscheidungsreiche Jahr 1852 hinüber—
tanzt. „Nun wenigstens weiß ich doch“, schreibt sie in
ihr Tagebuch, „wie es jetzt auf einem Balle aussieht,
und der erste Ball ist mir auch ganz gut bekommen.“
Diesem ersten Balle folgten bald mehrere andere
und ebenso Einladungen in die besseren Gesellschafts—
kreise. Manche harmlose Eroberung verzeichnet das
Tagebuch, zuweilen mit dem Zusatz, daß der Betreffende
ungefährlich sei, „denn er ist blond!“ Aber über die
unschuldigen Herstreuungen, denen sie sich jetzt häufiger
überläßt, vergißt sie nicht ihre hohe, ernste Aufgabe.
Am 23. November 1851 hat sie zum ersten Mal das
„Käthchen von heilbronn“ gespielt — leider verzeichnet ihr
Tagebuch nur die einfache Thatsache ohne jede weitere
Bemerkung.
Roderich Benedir sandte ihr im nächsten März
seine „Lehre vom mündlichen Vortrag“, worin sie zu
ihrer Freude viele von den Regeln vorfand, die Benedix ihr
schon vor zwei Jahren mündlich in Kölnertheilt hatte. Noch
einmal trat eine lockende Versuchung an sie heran, dem
nunmehr erkorenen tragischen Fache untreu zu werden.
Am J. April 1852 besucht sie der Theateragent Sachse
aus hamburg, der sie am Abend vorher als Florette
—
vortheilhaftes Engagement als „Vaudevillesoubrette“ nach
Hhamburg. Rundweg lehnte sie diesen Antrag ab, da
            
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