Gretchen.
Die erste Ferienreise, welche Marie Seebach im
Sommer 1851 unternahm, bereicherte sie geistig in vieler
Beziehung. Sie hatte ein Stück Welt gesehen, hatte
zum ersten Mal in der damals größten Stadt Deutsch—
lands, in der alten Kaiserstadt Wien, drei Wochen ver—
weilt, hatte die dortigen Theater fleißig besucht und
Schauspieler von berühmten Namen spielen sehen, hatte
der persönlichen Belehrung ihrer genialen Cante Minona
Frieb-Blumauer genossen, mit Heinrich CLaube ein an—
regendes Gespräch geführt und von ihm die Bestärkung
in ihrer Absicht, fortan sich dem tragischen Fache zu—
zuwenden, erfahren; hatte sich in Berlin dem General—
intendanten von hülsen persönlich empfohlen und im
Uöniglichen Schauspielhause „Don Carlos“ mit Cudwig
Dessoir (der ihr „sehr gefiel“) als Posa und der Viereck
als Eboli gesehen, dazu die in Leipzig, Dresden, Prag,
Harlsbad, Magdeburg gewonnenen Eindrücke — es ist
begreiflich, daß dies Alles lange und anregend in ihr
nachwirkte.