hamburg, sondern volle zwei Jahre später, im Sommer
1853, als Marie Seebach schon fast alle ihre be—
rühmtesten Rollen gespielt und neuerdings sich besonders
durch „Die Waise von CLowood“ populär gemacht hatte.
In der Darstellung der ersten Karlsbader Begegnung
hat CLaube überdies Alles auf den Theatereffekt be—
rechnet. Zuerst eine vortheilhafte Schilderung von
Marie Seebachs äußeren Mitteln, dann seine Frage
nach ihrem Repertoir, darauf ihrerseits eine Antwort,
die Jeden im Jahre 18608, als „Das Burgtheater“
erschien, aus dem Munde der großen Tragödin ver—
blüffen mußte: „Lustspielfiguren, Soubretten.“ Nun
läßt er sich ihr bisheriges Leben erzählen, um „das
Wesen der neuen Bekanntschaft zu beobachten“; wiederum
ein CLob ihrer Vortragskunst, dann — echt dramatisch!
— „die Pause der Entscheidung“ und seine „langsame“
Antwort: „Ihr Vortrag hat mich auf andere Gedanken
gebracht“ u. s. w. In schneller Gipfelung eilt der
Aktschluß zu Ende: ja, sie möchte ins tragische Fach
übergehen; er weist sie sofort an die höchste Aufgabe
unter den tragischen Rollen: Gretchen; sie hat den (damals
noch gar nicht erhaltenen!) Engagenientsantrag nach
hamburg bereits empfangen und wird dort Gretchen
spielen; er wird „üubers Jahr nach Hamburg kommien,
und wenn sich seine Vormeinung bestätigt, sie für das
Burgtheater engagiren.“ All das in knappen, knorrigen
Sätzen dargelegt — man sieht förmlich, bis hinunter
auf die Regiebemerkungen „Pause der Entscheidung“
und „langsam“, den Aktschluß echt Laubescher Mache!
Nur entbehrt die Schilderung der Wahrheit. Wie