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Herkunft und Erziehung

Full text: Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

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hältnissen ihrer Kindheit heraus ist Vieles in Marie 
Seebachs späterem Ceben zu erklären und zu verstehen. 
Mit dreizehn Jahren war sie, wie ihr Tagebuch verzeichnet, 
konfirmirt, mit fünfzehn Jahren aus der Schule entlassen 
und seit dem J. Januar 18485, noch nicht sechzehn— 
jährig, mit der selbstständigen Führung des Haushaltes 
beauftragt worden. 
Von ihrer früh verstorbenen Mutter Theona hatte 
Marie Seebach nicht nur „die ehrlichen, falschlosen 
Augen“, sondern auch „den weichen Seelenlaut“ der 
Stimme geerbt, und diese Stimme für die Oper aus— 
zubilden, war der sehnlichste Wunsch des Kindes. Am 
3. Juli 1845 ging der Vater, der damals in Köln 
engagirt war, mit ihr zu dem städtischen Kapellmeister 
Heinrich Dorn, welcher vom J. September 1845 an 
gegen ein vierteljährliches Honorar von 25 Thalern 
wöchentlich drei Gesangstunden an Marie Seebach ertheilte. 
„Ich war außer mir vor Freude“, schreibt sie im 
Tagebuch, „denn ich sah den höchsten Wunsch erfüllt, 
den ich bis jetzt gehabt. Tag' und Nächte konnte ich 
nicht schlafen, denn ich dachte an den Gesang, ach, er 
war von jeher mir das Liebste auf der Welt.“ 
Durch die Stunden bei Heinrich Dorn, wo ein 
Fräulein Jasper ihre Mitschülerin war, fand Marie 
Seebach auch Aufnahme in den Gesangverein und 
wirkte in den Kasinokonzerten mit. Als aber am J. März 
1846 das erste Halbjahr des Gesangunterrichts zu Ende 
war, erklärte Dorn dem Vater, daß Marie keinen hohen 
Sopran habe und sich daher mehr für die ernsten 
dramatischen Partien eignen würde. „Mit bangem 
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