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Bräutliches Glück

Full text: Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

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fahre, nach dessen Beendigung sie mit ihrer hannoverschen 
Freundin Dora und Albert Niemann eine Gebirssreise 
machen werde. „Gegen Ende Juli“, schreibt sie weiter, 
„will Niemann Richard Wagner in Fuͤrich besuchen, 
der ihn oft eingeladen, und Anfangs August müssen 
wir auf höheren Wunsch nach Norderney und — jetzt 
kommt die Hhauptsache, da sollst Du mit!“ 
Glücklicherweise liegt über diese Gebirgsreise und 
den Besuch bei Richard Wagner ein dünnes, meist mit 
Bleistift geschriebenes Notizbüchlein mit dem Golddruck⸗ 
titel Memoranda“ vor, in das Marie Seebach Adressen, 
Citate aus gelesenen Büchern, Reisebeschreibungen u. s. w. 
flüchtig eintrug. Nach Ausweis dieser „Memoranda“ 
reisten sie am 2. Juli von Gratz nach Triest, Venedig, 
Verona, Mailand, Como, Bellagio, Camerlata, CLugano, 
Ticino, Wasen, Flüelen, Cuzern, Fürich. Ueberall 
wurde eine nur kurze Rast gemacht und doch füllte 
Marie Seebach ihre „Memoranda“ mit beschreibenden 
Notizen. Sonntag 11. Juli, Nachmittags halb drei Uhr, 
kamen sie in Sürich an und machten gleich darauf 
ihren ersten Besuch bei Richard Wagner, wo sie auch 
einen Polen, Schüler von Franz Liszt, antrafen. Marie 
Seebachs ersichtlich unmittelbar nachher mit Bleistift 
niedergeschriebener Bericht in den „Memoranda“ lautet 
wörtlich: 
„Wagner wehmüthigen Eindruck gemacht, krank, 
nervös, geistig hochbegabte Natur, die sich leider nur 
zu oft verirrt in ihrem Drang, zu schaffen und originell 
zu schaffen. Text von ‚Tristan und Isolde vorgelesen 
mit einer seltenen Gluth und Begeisterung — vom
	        
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