Path:
Verstimmungen

Full text: Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

130 
Leben lang dankbar dafür sein könnte“? Warum bin 
ich trotz Ruhm, Ehre und Auszeichnung doch so ent— 
setzlich arm und so reich an bitteren, schmerzlichen 
Thränen und Seufzern? Ist's wirklich wahr, daß der 
Künstler immer einsam mit sich und seinem Ruhme 
steht? Oh, wie grausam bist Du in Deiner Eifer- und 
Selbstsucht, Du sonst so erhabene Göttin! — Nur das 
Eine, Gott, das Eine erhalte mir: die Reinheit meiner 
Empfindungen und Gedanken! .... Lieber sterben 
vor hunger als betteln! Lieber einsam dahin leben 
als aus Mitleid vielleicht einmal geliebt werden, oder 
aus Verirrung lieben!“ 
Dieses Sehnen nach CLiebe, das in den meisten ihrer 
leider nur allzu wenigen „Gedenkbuch“Notizen sich äußert, 
findet seinen poetischen Ausdruck in dem Gedicht, das 
Marie Seebach am „28. Februar 18569 in ihr Gedenk⸗ 
buch schrieb: 
„Ein Herz gieb mir, o Gott, gieb mir ein Herz! 
Nimm Alles sonst, was Du mir hast gegeben! 
Nur laß' mich einsam nicht in Lust und Schmerz 
Mir selbst nur lebend, vergehn in diesem Leben! 
Ein Herz gieb mir, für meine Lieb' ein Herz, 
Eh sie verblüht, eh' sich der Winter stellt, 
Damit vertrauend wieder himmelwärts 
Mein Herz sich hebt, das man vergällt! 
Ein Herz gieb mir, für meinen Schmerz ein Herz! 
Daß weinend ich ihn aus der Brust entlasse 
Und ach! wie sonst in kindlich frohem Scherz 
Die Welt, die Menschen, all mein Thun erfasse! 
Ein Herz gieb mir, für meine Lust ein Herz!
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.