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Meteogleiches Aufleuchten

Full text: Aus Marie Seebach's Leben / Gensichen, Otto Franz (Public Domain)

Clärchen“, keine Cuise' mehr für mich gegeben. Sie 
war eine schlanke, biegsame Gestalt, mit nicht schönem, 
aber ausdrucksvollem, beweglichem Gesicht, mit lebhaften 
und klugen, sinnigen und schmachtenden Augen, an— 
muthig in Gang, Haltung und Geberde, die ganze Er—⸗ 
scheinung wie von Veilchenduft und Frühlings— 
sonnenschein umschwebt . . . . Niemand konnte sich 
dem Zauber ihrer ebenso natürlichen wie ergreifenden 
Darstellung entziehen. Wie neugeboren standen 
Cuise“ und ‚Desdemona', „Clärchen“ und „Gretchen“ vor 
uns da, wie erlöst aus einem langen und lähmenden 
Schlaf. Was von Frische und Wahrheit, von Poesie 
und Liebe in diesen Gestalten athmet und lebt, fand in 
Marie Seebach seine lieblichste und rührendste Ver— 
körperung. Sie befreite die Dichtung aus der Oede und 
Steife eines KRunstschemas, das sich längst überlebt 
hatte, und statt des pathetischen, hochtrabenden, jeder 
Natürlichkeit baaren Vortrags vernahmen wir wieder 
den süßen, den liebenden Ton der echten Poesie . ... 
Ihr Talent wurzelte in seiner Wesenheit, Kraft und 
Originalität im Naiven und Sentimentalen. Hierzu 
war ihre Erscheinung, der Ton ihrer Stimme, der 
blonde Schimmer, der sie gleichsant umflog, wie ge— 
schaffen. Der Ausdruck des Sanften, Weichen und 
Schmachtenden, des Munteren, Herzlichen und Neckischen 
war ihr von Natur gegeben, künstlerische Uebung 
brauchte ihn nur auszubilden. Thränenschluchzen und 
silberhelles Lachen wohnten wie Naturlaute in ihrer 
Stimme. Ihre glücklichsten und reinsten Erfolge lagen 
auf diesem Gebiete . . . . Ein genialer Hauch beseelte
	        
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