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Volume Galilei und Rom

Full text: Berliner Kalender (Public Domain) Ausgabe 1854 (Public Domain)

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dünken wegzulassen, hinzuzufügen und zu ändern, Irrthümer hätten 
unbemerkt stehn bleiben können, von solcher Wichtigkeit, daß ihre Ver— 
besserung vder Bestrafung die Befugnisse der Obern in dieser Stadt 
übersteigen dürfte. Diese, Eminenz, sind meine Vorschläge um mein 
Leben zu retten und zugleich dem erlauchten geistlichen Gerichtshof Ge— 
nugthuung zu verschaffen: Ew. Eminenz bitte ich nun, dieselben vorzu— 
legen und mich zu entschuldigen, wenn ich aus Unwissenheit irgend 
einen Irrthum begangen habe. Endlich aber, wenn weder mein hohes 
Alter, noch meine vielen körperlichen Gebrechen, noch Betrübniß und 
Kummer, noch die Beschwerden einer unter den gegenwaͤrtigen Umstän— 
den langen und ermüdenden Reise, von diesem hohen und heiligen Ge— 
richtshof hinreichend erachtet werden irgend einen Erlaß oder mindestens 
Aufschub zu erlangen, so werde ich die Reise antreten, den Gehorsam 
höher achtend denn das Leben. 
Und hiemit, Eminenz, in aller Demuth mich verbeugend küsse ich 
Euch das Gewand und erflehe Euch die Fülle der Glückseligkeit.“ 
Galileo's Gemuͤthsstimmung spiegelt sich klar in diesem Briefe. 
vielleicht dem interessantesten von seiner Hand über diese Angelegenheit. 
Drei Tage darauf schrieb er an Cesare Marsilis) zu Bologna, 
einen tüchtigen Mathematiker und Astronom, mit dem er in häufiger 
freundschaftlicher Correspondenz stand. 
„Es ist beinahe zwei Monate her, seit der hiesige Pater Inquisitor 
auf Befehl des hochwürdigen Padre Maestro del sacro Palazzo **) zu 
Rom meinem Buchhändler und mir verbot, bis auf ferneren Bescheid 
Exemplare meines Dialogs auszugeben. Dies war die erste Bestätigung 
einer heftigen Verfolgung, von der ich kurz vorher vernommen, daß sie 
gegen mein Buch und mich im Werke sei, welche Verfolgung so kühn 
*) Geboren 1502, gestorben 1632. Unter seinem Nachlasse befinden sich werth— 
volle Handschriften. 
*c) Padro Maestro del sacro Palazzo (oberster Bücher-Censor) war der Do— 
minikaner Fra Niccolo Riccardi von Genua. einst Galileo's Schüler
	        
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