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Volume Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg der Culmbacher, bis zu seinem Auftritt als Gegner des Kaisers

Full text: Berliner Kalender (Public Domain) Ausgabe 1854 (Public Domain)

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das Interesse der Fürsten wirken müsse und wie solcher Argwohn alle 
Wohlfahrt der fürstlichen Haͤuser untergraben werde; er erinnerte ihn 
an seine Verpflichtung, auch seinerseits aller zwischen den Sächsischen, 
Hefsischen und Markgraͤflichen Haͤusern bestehenden Erb- und Einigungs— 
verträge eingedenk zu sein und zu erwägen, daß wenn er in dem dem 
Kaiser zugesagten Kriegsdienst Pflicht und Gehorsam im Auge habe, 
dadurch doch die beschworenen Erbvertraäͤge nicht verletzt und gebrochen 
werden dürften. Habe er Klagen gegen Sachsen und Hessen zu führen, 
so wisse er ja, wie er sich nach den Erbverträgen darin zu verhalten 
habe. Eid und Gewissen also würden ihm einen Kriegsdienst gegen 
Sachsen und Hessen und gegen die Bekenner des Wortes Gottes durch⸗ 
aus verbieten. 
Diese Vorstellungen machten indeß auf Albrecht wenig Eindruck. 
Der eifrig protestantisch gesinnte Markgraf Johann von Brandenburg 
theilte mit ihm ja die gleiche Ueberzeugung, daß des Kaisers Absichten 
keineswegs auf die Unterdrückung der Glaubensfreiheit hinzielten; auch 
dieser rüstete ja für den Kaiser und, was noch wichtiger war, trat doch 
selbst auch der Protestant Herzog Moritz von Sachsen auf des Kaisers 
Seite. Der Kaiser schrieb ja selbst den Gesandten der freien Städte: 
„er wolle nur einige ungehorsame, ungetreue und widerspänstige Be— 
rauber und Zerstörer gemeinen Friedens und Rechts zur Ordnung und 
Deutschland zu seiner hergebrachten Libertät und Freiheit zurückbringen.“ 
Freilich sprach man auf dem Reichstage zu Regensburg, wohin sich 
der Markgraf um Pfingsten begab, schon ganz öffentlich davon, daß der 
Kaiser nur zum Schein vorgebe, seine Rüstungen seien nicht gegen die 
evangelischen Religionsverwandte, überhaupt nicht gegen die Religion, 
sondern nur gegen den Ungehorsam einiger widerspänstigen Reichsstände 
gerichtet. Man kannte dort schon seinen ganzen Kriegsplan und nannte 
bereits alle Fürsten, Stände und Städte, die überwältigt werden soll⸗ 
ten. Man wußte ebenfalls aus der kaiserlichen Kanzlei, daß Markgraf 
Albrecht vom Kaiser zum Obersten über 4000 Reiter ernannt worden sei.
	        
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