Path:
Porzellandamhirsch

Full text: Lebende Tiere / Heck, Ludwig (Public Domain)

z Eine eigenartige Farbenabänderung des 
Porzellandamhirsch. Danwildes die in der Mitte steht zwi. 
schen der regelrechten roten Farbe und dem vollständigen Weißling. Bei uns 
sieht man wenig Damwild von dieser Farbe; im Westen ist anscheinend mehr 
Liebhaberei dafür: im Antwerpener Garten wurde wenigstens lange Jahre ein 
ganzes Rudel Porzellandamhirsche gehalten, deren Nachzucht auf den jährlichen 
Tierversteigerungen zu sehr guten Preisen abging. Das Kalb ist übrigens dunkler 
gefärbt, so daß ich zweifelte, als ich das abgebildete aus dem Frankfurter Garten 
erhielt, ob es ein richtiger Porzellanhirsch werden würde; es verblaßte aber dann 
ganz regelrecht zu einem Porzellanhirsch. Der Damhirsch ist, wie der Fasan, 
eines derjenigen Tiere, die ursprünglich bei uns nicht zu Hause, aber längst 
überall eingebürgert sind. Mit dieser künstlichen Verbreitung und vielfach halb- 
zahmen Haltung hängt aber doch wohl die auffallende Neigung zu abweichenden 
Farbenspielarten zusammen, die in der freien Natur bekanntlich viel mehr aus- 
semerzt werden. Man sieht ja in manchem Wildpark fast keinen Trupp Dam 
ıirsche mehr ohne ein weißes oder schwarzes Stück und in England, z. B. im 
Epping-Forst, ist auch ein einfarbig dunkelbraunes Damwild herausgezüchtet 
worden, das Lydekker in seinem großen Hirschwerk sogar als die Urform 
jes Damhirsches hinstellen möchte wegen der Ähnlichkeit, die sie in der 
zeringen Schaufelbildung des Geweihes mit dem kleinasiatischen Exemplar des 
Britischen Museums hat. Er fügt aber gleich hinzu, daß in England gefundene 
’ossile Damhirschgeweihe aus der Steinzeit schon ebenso breitschauflig sind, wie 
lie heutigen. Darin liegt zugleich das Hauptsächlichste über die frühere und 
jetzige Verbreitung des Damhbhirsches ausgesprochen und über seine Geweih- 
»ildung, die unser Porzellanhirsch noch nicht in der Vollkommenheit vor- 
zeigen kann, weil er noch zu jung ist. Den Damhirsch kennzeichnet der 
;schaufelförmig verbreiterte Oberteil der Geweihstange, und er hat sich mit 
Hilfe des Menschen heute seine alten Verbreitungsbezirke wiedererobert, 
ıus denen er durch die Eiszeit nach den Mittelmeerländern zurückgedrängt 
vorden war.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.