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Band 12 Der Königliche Hof- und Domprediger Adolf Stöcker in dem Beleidigungsprozeß wider den Redakteur Heinrich Bäcker als Zeuge

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 12 Band 12 (Public Domain)

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verlaufen ist, nur erinnere ich mich nicht, daß irgend einmal 
jemand durch die Polizei herausgeführt ist. — Rechtsanwalt 
Munckel: Ich muß bei meinem Antrag bleiben, den Zeugen 
Ewald zu verhören. — Vors.: Ich möchte den Beschluß des 
Rollegiums einholen. — Das Kollegium zog sich zur Be- 
ratung zurück und lehnte den Antrag ab. — Staatsanwall: 
Ich bin soeben in Kenntnis gesetzt worden, daß ein Zeuge, 
Kriminalkommissar Schöne, in der Lage ist, zu bekunden, 
daß es noch einen zweiten in der sozialdemokratischen Be- 
wegung tätigen Ewald gibt. Ich bitte, den Zeugen zu ver- 
nehmen. — Vors.: Hat die Verteidigung etwas dagegen ein- 
zuwenden? — Rechtsanwalt Sachs: Nein, — Zeuge Schöne: 
Ich habe 1881 und vielleicht auch später zwei unter dem 
Namen Ewald kennengelernt. Ich weiß genau, daß sich 
zwei hervorragend mit der Bewegung beschältigt haben. Der 
eine war, glaub’ ich, Vergolder, was der andere war, weiß 
ich nicht. — Vors.: Welches ist der Vergolder? Ist es der 
Stadtverordnete? -« Zeuge Schöne: Ich glaube, es ist der 
Stadtverordnete. — Vors.: War der eine lebendiger tätig oder 
der andere? — Zeuge Schöne: Beide waren tätig und beide 
standen dringend im Verdacht. — Vors.: Kennen Sie den 
ausgewiesenen Ewald? — Zeuge Schöne: Ich kenne ihn. — 
Vors.: Hat er ein signifikantes Gesicht? — Zeuge Schöne: 
Nein, er hat ein gänz gleichgültiges Gesicht. — Rechtsanwalt 
Sachs: Ich weilte fragen, ab dieser zweite Ewald öffentlich 
aufgetreien ist. — Zeuge Schöne: Das weiß ich nicht. Ich 
weiß nur, daß er tätig war. — Rechtsanwalt Munckel:; Ic ı 
glaube, dadurch wird die Möglichkeit, daß Herr Stöcker 
Ewald gekannt hat, bestärkt, so daß die Vorladung Ewalds 
um so notwendiger ist. — Vors.: Soweit ich weiß, steht nicht 
im Protokoll, „ich kenne ihn nicht“, sondern „ich sehe ihn 
zum ersten Male‘. 
Nach nochmaliger Beratung des Gerichtshofes verkün- 
dete der Vorsitzende: Der Gerichtshof sieht durch die Be- 
kundungen der Zeugen Görcki und Tutzauer und durch das 
Zugeständnis des Holpredigers Stöcker selbst den Beweis 
[ür die von der Verteidigung aufgestellten Behauptungen für 
erbracht und hat daher beschlossen, den Antrag der Vertei- 
digung abzulehnen.
	        
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