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Full text: Aufsuchende politische Bildung / Wöss, Sebastian (Rights reserved)

AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 A1 Impressum Autor:innen: Sebastian Wöss und Annette Wallentin Lektorat: Lena Steenbuck Herausgeberin: Berliner Landeszentrale für politische Bildung Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin www.berlin.de/politische-bildung Öffnungszeiten des Besuchszentrums: Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag 10–18 Uhr Oktober 2021 Gefördert im Rahmen des Modellprojektes „Gleiche politische Teilhabe – Erprobung von Ansätzen einer aufsuchenden politischen Bildung“ mit Mitteln der Bundeszentrale für politische Bildung. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 INHALT Seite Was ist aufsuchende politische Bildung? 3 Wie kommt die Auswahl in dieser Broschüre zustande? 6 Welche Maßnahmen der aufsuchenden politischen Bildung gibt es in Deutschland aktuell? 7 • • • • • • • • • • • • • • • • • • • Demokratie auf Achse – ein mobiles Projekt- und Beratungsangebot DemokratieDialog: 70 Jahre Grundgesetz Demokratieprojekt SprengelHaus Demokratiewerkstätten im Quartier Gleiche politische Teilhabe Kiezgeschichten Läuft bei Dir ! Mein Herz für Grundrechte metro_polis - Ein Gesprächsprojekt in Dresden Miteinander Reden Mitreden in Neukölln New Ways for Newcomers PartQ Aufsuchende politische Bildung im Quartier Raum für Gedanken Säulen des Grundgesetzes Sozialräumliche politische Bildung Theater in der politischen Bildung. Mitmachen erlaubt ! Wahl-O-Mat zum Aufkleben Wahlscouts 8 10 11 12 14 17 18 19 20 21 23 24 25 26 27 28 30 31 32 Wie lassen sich die Maßnahmen der aufsuchenden politischen Bildung kategorisieren? 33 1. Räumliche Kategorien 1.1. An vertrauten Orten 1.2. Im öffentlichen Raum 34 34 34 2. Themen-Kategorien 2.1. Grundgesetz und Menschenrechte 2.2. Wahlen und andere Beteiligungswege 2.3. Themen mit Alltagsrelevanz 35 35 35 35 3. Methodische Kategorien 3.1. Gespräche ermöglichen 3.2. Begegnung ermöglichen 3.3. Künstlerische Zugänge 3.4. Storytelling 36 36 36 37 37 Was sind die Gelingensbedingungen für aufsuchende politische Bildung? 38 Die Berliner Landeszentrale für politische Bildung 44 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 WAS IST AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG ? 3 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WAS IST AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG ? Wie kommt es dazu, dass Menschen von sich sagen, dass sie sich nicht für Politik interessieren? Ansätze einer aufsuchenden politischen Bildung sind seit circa fünf Jahren vermehrt im fachlichen Diskurs angekommen. An die Alltagsbeobachtung, dass politische Bildung in ihrer klassischen Form nur bestimmte Zielgruppen erreicht, schloss sich eine vertiefte Analyse zu den Gründen für diese exkludierende Wirkung an. Schnell wird klar: Die Nicht-Teilnahme an Angeboten der klassischen politischen Bildung hängt eng zusammen mit einer Nicht-Teilnahme auch an den verschiedenen Möglichkeiten der politischen Teilhabe. Mit seiner Untersuchung der Ursachen für politische Distanz prägte besonders Prof. Dr. Helmut Bremer (Universität Duisburg-Essen) die Fachdebatte: Was hält Menschen davon ab zur Wahl zu gehen? Was hält sie davon ab, sich politisch zu äußern? Wie kommt es dazu, dass Menschen von sich sagen, dass sie sich nicht für Politik interessieren? Bremer benennt verschiedene Ausschlussmechanismen des politischen Feldes, unter dem er Verantwortliche in Parteien ebenso versteht wie Akteur:innen der politischen Bildungsarbeit. Dieses politische Feld agiert nach Bremers Analyse als eigener „Mikrokosmos“ mit eigenen Regeln, einer eigenen Sprache und eigener Kultur. Diese Eigenheiten sind anschlussfähig an verschiedene soziale Milieus – auf andere soziale Milieus wirken sie dagegen fremd und wenig einladend. Fremd- und Selbstausschlüsse von der politischen Sphäre sind die Folge. Bremer unterscheidet zwischen habitueller, kultureller und räumlicher Distanz zum politischen Feld. An der letztbenannten geografischen Ferne setzt eine sozialräumlich aufsuchende politische Bildung an: sie überwindet räumliche Entfernungen zu Angeboten der politischen Bildung, indem sie politische Bildung dezentral anbietet, nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern auch in ländlichen Gemeinden – nicht nur am zentralen Ort in der Stadt, sondern auch in ihren Stadtteilen und Vierteln – und schließlich nicht nur im Seminarraum oder Tagungshotel, sondern ebenso auch in der Gaststätte, im Vereinsheim, im Nachbarschaftshaus oder vor dem Supermarkt. Es geht darum, Menschen in ihrer bekannten Umgebung zu erreichen. Das mögen für die klassische politische Bildung dann häufig ungewöhnliche Bildungsorte sein, auf die es sich erst einmal einzulassen gilt – für die Menschen im Stadtteil sind es aber vertraute Orte, die ihnen einen Heimvorteil sichern. Aber auch die habituelle und kulturelle Distanz zur politischen Sphäre will mit dem Ansatz der aufsuchenden politischen Bildung bearbeitet und möglichst überwunden werden. Bei der Themenauswahl setzt aufsuchende politische Bildung deshalb programmatisch an der alltäglichen Lebenswelt der Menschen vor Ort an und entwickelt aus Alltagserfahrungen die überindividuellen, gesamtgesellschaftlichen und somit sehr wohl politischen Themen, die dahinterstehen. Die Teilnehmenden von Angeboten der aufsuchenden politischen Bildung werden eingeladen, die Relevanz politischer Fragestellungen für ihren eigenen Alltag wahrzunehmen und gleichzeitig darüber informiert, welche Einfluss- und Beteiligungswege ihnen offenstehen. 4 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG Um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, ist auch die Kooperation mit Einrichtungen und Initiativen vor Ort günstig. Dort finden sich Brückenpersonen wie Gemeinwesenarbeiter:innen, Vereinsvorstände oder Integrationslots:innen etc., die einerseits für eine Zusammenarbeit bei einer politischen Bildungsaktion zu gewinnen sind und die andererseits den engen Kontakt zu den Menschen vor Ort haben. Wenn der schon lange bekannte Stadtteilarbeiter:in des Mehrgenerationenhauses, mit dem die Kinder mittwochs immer Fußball spielen, zu einer Veranstaltung der politischen Bildung einlädt, dann ist das etwas Anderes, als wenn eine unbekannte Landeszentrale für politische Bildung einlädt. Zudem können die Brückenpersonen den politischen Bildner:innen wichtige Informationen über die Menschen vor Ort und deren Lebensumstände geben – eine zentrale Voraussetzung für die Lebensweltorientierung der Angebote. Ein zentraler didaktischer Ansatz der aufsuchenden politischen Bildung ist es, Gesprächsanlässe zu inszenieren, um so von der eigenen Lebenswirklichkeit ausgehend das Sprechen über gesellschaftliche und politische Themen einzuüben. Methodisch stehen entsprechend kommunikative Methoden im Vordergrund. Um auch Menschen mit eingeschränkten kognitiven Voraussetzungen und/oder noch geringen deutschen Sprachkenntnissen zu erreichen, finden häufig Elemente einer inklusiven Pädagogik Eingang in die politische Bildung (Leichte Sprache, Kommunikation über Bilder, bedachter Einsatz von Methoden, die viel Schrift erfordern). Die aufsuchende politische Bildung ist ein noch relativ neues Arbeitsfeld der politischen Bildung in Deutschland. Ersten Fachtagen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Arbeitsfeld folgten in den letzten fünf Jahren Modellprojekte der aufsuchenden politischen Bildung, durchgeführt von verschiedenen Landeszentralen und der Bundeszentrale für politische Bildung sowie von zivilgesellschaftlichen Akteur:innen. Ein Teil davon wurde 2019 von der Bundeszentrale für politische Bildung in der Veröffentlichung „Demokratie ganz nah – 16 Ideen für ein gelebtes Grundgesetz“ unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Steinmeier zusammengestellt. Ende 2020 gründete sich die Bundesarbeitsgemeinschaft „Aufsuchende politische Bildung“ als internes fachliches Netzwerk aller Landeszentralen und der Bundeszentrale für politische Bildung. 5 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG ? 6 WIE KOMMT DIE AUSWAHL IN DIESER BROSCHÜRE ZUSTANDE ? Für diese Broschüre haben wir bei den Landeszentralen für politische Bildung sowie in freier Internetrecherche nach Projekten und Maßnahmen gesucht, die die folgenden Charakteristika aufweisen: • Angebote einer aufsuchenden politischen Bildung, die gegenwärtig (Stand Juni 2021) stattfinden bzw. in den letzten zwei Jahren stattfanden • Angebote einer aufsuchenden politischen Bildung, die sich an Erwachsene richten • Angebote, die überwiegend analog durchgeführt wurden, d.  h. keine reinen Social-Media-Projekte • Angebote, die im Internet im ersten Halbjahr 2021 zu finden waren, von denen wir aus unserem fachlichen Austausch heraus wissen oder die uns auf Nachfrage in der Bundesarbeitsgemeinschaft „Aufsuchende politische Bildung“ benannt wurden. Wer sich hier mit einem eigenen Projekt oder einer Maßnahme der aufsuchenden politischen Bildung nicht wiederfindet, möge sich bitte bei uns melden: Wir freuen uns auf das Kennenlernen aller Kolleg:innen, die gerade ähnliches auf den Weg bringen! AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 WELCHE MASSNAHMEN DER AUFSUCHENDEN POLITISCHEN BILDUNG GIBT ES IN DEUTSCHLAND AKTUELL ? A 7 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WELCHE MASSNAHMEN DER AUFSUCHENDEN POLITISCHEN BILDUNG GIBT ES IN DEUTSCHLAND AKTUELL ? DEMOKRATIE AUF ACHSE – EIN MOBILES PROJEKT- UND BERATUNGSANGEBOT ANGEBOT Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur Eine mobile Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern fährt – ausgestattet mit Publikationen der Landeszentrale, dem analogen „Wahl-O-Mat zum Aufkleben“ der Bundeszentrale und einigen interaktiven Spielen – in einem Bus ländliche Gemeinden und Städte an. Das Bus-Team begibt sich in aktivierende Gespräche mit den Passant:innen, gibt Informationsmaterialien der Landeszentrale aus und unterstützt beim Antrag auf Stasiakteneinsicht. Zusätzlich finden begleitende Workshops an Schulen statt. BESCHREIBUNG Kategorien Im öffentlichen Raum Gespräche ermöglichen Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen Begegnung ermöglichen Markttag in einer mittelgroßen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist noch früher Vormittag und die Marktstände werden aufgebaut. Dazwischen ein 25 Meter langer Reisebus im Design der 70er Jahre. Es ist der Demokratiebus „Demokratie auf Achse“ der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Seit über zehn Jahren im Einsatz und mit mehr als 170.000 zurückgelegten Kilometern im Auftrag der politischen Bildung unterwegs. Den Bürger:innen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich vor Ort über Politik und Geschichte zu informieren und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Vor allem im ländlichen Raum finden aus strukturellen Gründen nur wenige Maßnahmen der politischen Bildung statt. „Demokratie auf Achse“ ist eine Möglichkeit für jene, die sonst häufig von Angeboten der politischen Bildung ausgeschlossen sind. Dem Bus-Team gelingt es vor allem in kleineren Städten und Dörfern, durch seine Präsenz vor Ort sehr unterschiedliche Bevölkerungsschichten zu erreichen. Der Bus ist ausgestattet mit einem Auszug aus dem umfangreichen und kostenfreien Informationsmaterial der Landeszentrale für politische Bildung sowie der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Ansprache der Passant:innen findet über niedrigschwellige, spielerische Angebote statt. Ein Städtequartett zu Städten in Mecklenburg-Vorpommern, Quizspiele zu regionalen und politischen Fragen und ein großes Bodenpuzzle ermöglichen einen spielerischen Einstieg in Gespräche. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 kam zusätzliche der analoge Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung zum Einsatz (siehe eigenes Kapitel). 8 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG In Kooperation mit der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur berät das Bus-Team zudem bei der Antragstellung auf Einsichtnahme in die Akten des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR. Die damit verbundenen Gespräche zur DDR-Geschichte eröffnen ebenfalls Zugänge, um auch gegenwärtige Problemlagen zu diskutieren und über demokratische Werte in einen Austausch zu treten. Für Schulen und andere Bildungseinrichtungen bietet das Bus-Team zusätzlich Projekttage an, an denen vor allem Planspiele zu verschiedenen Themen umgesetzt werden. METHODEN Spielerische Eisbrecher: Städtequartett, Bodenpuzzle, Quizspiele. Gespräche: Die Durchführenden betonen, dass die persönlichen Gespräche zwischen den Bürger:innen und den Mitarbeiter:innen der Bus-Teams ein ganz zentrales Moment sind. Hier sind Menschen eingeladen, Fragen zu stellen, aber auch ihre Meinung kundzutun. „Das Zuhören ist genauso wichtig wie das Erklären“, so die Initiator:innen der Landeszentrale. Unterstützung bei der Antragstellung: Als zusätzliches Angebot können die Bürger:innen Unterstützung bei der Antragstellung auf Einsichtnahmen in die Akten des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR in Anspruch nehmen. Kontakt Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern Carsten Socke E-Mail: c.socke@lpb.mv-regierung.de 9 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG DEMOKRATIEDIALOG: 70 JAHRE GRUNDGESETZ ANGEBOT Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Evangelische Akademie Thüringen und der Förderverein Demokratisch Handeln e.V. Kategorien Gespräche ermöglichen an vertrauten Orten Kontakt Förderverein Demokratisch Handeln e.V. Dr. Wolfgang Beutel E-Mail: beutel@demokratisch-handeln.de 10 Dialogräume an vertrauten Orten verbinden demokratiepolitische Fragestellungen mit einer neuen Debatte um ostdeutsche Identitäten. BESCHREIBUNG Die Gespräche des DemokratieDialog finden an Orten statt, die für die klassische politische Bildung ungewöhnlich sind: in Kneipen oder Cafés, in früheren Fabrik- oder leerstehenden Bahnhofsgebäuden und Geschäften. Für die Menschen vor Ort sind diese Räume dafür umso vertrauter. Bei den Veranstaltungen werden Fragen in den Mittelpunkt gestellt, die zum offenen Gespräch einladen. Ausgangspunkt können dabei die Lebensgeschichten von Menschen sein, die in der DDR geboren sind und bis heute in Thüringen leben, aber auch von Menschen, die neu zugewandert sind – ob mit westdeutscher Lebensgeschichte oder aus der ganzen Welt. „Eingeladen sind alle: Menschen jeden Alters, aller Bildungs- oder sozialen Milieus, Engagierte, Enttäuschte, Besorgte, Entscheidungsverantwortliche aus Politik und Verwaltung“ (Dr. Wolfgang Beutel, Demokratisch Handeln e.V.). Das Format richtet sich an die breite Vielfalt der Gesellschaft und bietet so einen wertvollen Rahmen für Begegnung und die Pflege des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Gespräche werden von Moderator:innen begleitet und auf Basis der Meinungsfreiheit sowie des Schutzes der Menschenwürde durchgeführt: über alles darf gesprochen werden, aber so, dass andere Menschen in ihrer Würde nicht verletzt werden. So entsteht ein Gesprächsort, an dem das gegenseitige Zuhören und ein Aufeinandereinlassen möglich und Demokratie als Lebensform erfahrbar wird. METHODEN Dialog an vertrauten Orten: Das Projekt bringt die Dialoge an Orte, an denen Menschen sich ohnehin aufhalten. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG DEMOKRATIEPROJEKT SPRENGELHAUS ANGEBOT Mit Stadtspaziergängen, Dialogforen u.a. werden Gespräche über Demokratie und deren Voraussetzungen ermöglicht. BESCHREIBUNG Das Demokratieprojekt (Laufzeit: 08/2020 - 12/2021) war angesiedelt im Weddinger „Sprengelkiez“, einem Stadtteil des Berliner Bezirkes Mitte. Das Projekt nutzt die Verankerung des interkulturellen Gemeinwesenzentrums „SprengelHaus“ in der diversen Weddinger Gesellschaft, um in unterschiedlichen Formaten Menschen zusammenzubringen. Inhaltlicher Bogen über alle Maßnahmen ist die Demokratieförderung. In möglichst heterogenen Gruppen („Alt-Eingesessene“ ebenso wie „Neu-Berliner:innen“) geschieht Wissensvermittlung, Austausch und Debatte, aber auch gemeinsames Planen politischen Handelns, um dem Wesen der Demokratie theoretisch wie praktisch auf den Grund zu kommen. Das Projekt wurde möglich durch eine Zuwendung aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Akteur:innen Nachbarschaftshaus SprengelHaus, Gemeinsam im Stadtteil e.V. Kategorien Gespräche ermöglichen Themen mit Alltagsrelevanz Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen Gesetzliche Grundlagen Gespräche im öffentlichen Raum METHODEN Dialogveranstaltungen: In Demokratiesalons können sich Nachbar:innen im informellen Rahmen über ihre Vorstellungen und Wünsche zu Demokratie im Stadtteil austauschen. Demokratieworkshops: (in Kooperation mit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung) geben Hintergrundinformationen zu Elementen und Grundprinzipien der Demokratie. Exkursionen: führen an Orte der Demokratie und dienen dem persönlichen Austausch mit Politiker:innen oder dem Kennenlernen von zivilgesellschaftlichen Initiativen. Öffentliche Foren: zu tagesaktuellen Themen im Quartier, die den Nachbar:innen unter den Nägeln brennen und zu denen sie aktiv werden wollen. Inhaltliche Schwerpunkte 2021 sind „Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez“ und „Demokratie und Wahlen bzw. Nicht-Wahlberechtigung“ sowie „Das Klima und der Kiez“. Kontakt Hans-Georg Rennert E-Mail: rennert-demokratie@sprengelhaus-wedding.de Olanike Famson E-Mail: famson-demokratie@sprengelhaus-wedding.de Projektwebsite: https://demokratie. sprengelhaus-wedding.de 11 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG DEMOKRATIEWERKSTÄTTEN IM QUARTIER Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen baut seit 2017 zusammen mit acht kooperierenden Trägern Demokratiewerkstätten in benachteiligten Quartieren auf. Kontakt Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen Gesamtprogrammleitung: Karina Hauke-Hohl E-Mail: karina.hauke-hohl@politische-bildung.nrw.de 12 In diesen Demokratiewerkstätten wird Raum gegeben für Engagement und gemeinsames Gestalten des eigenen Umfeldes. So soll – weg vom oft negativen Image der benachteiligenden Quartiere – eine konstruktive Energie gefördert werden, die den involvierten Menschen einen neuen Zugang zum eigenen Lebensumfeld ermöglicht. Und diese Unterstützung bei der Artikulation der eigenen Interessen strahlt nach außen aus: Durch kleinere und größere Engagementprojekte im Quartier ist für alle in den Gebieten sichtbar, dass sich hier Menschen zusammengetan haben, um etwas zum (noch) Besseren zu wenden. Die Demokratiewerkstätten bieten Raum und Gelegenheit für Begegnung zwischen Menschen, die sonst nicht aufeinanderträfen. Gemeinsam entdecken sie ihr Wohnquartier als „Handlungsfeld“. So sollen Teilhabe und Mitsprache allen ermöglicht werden, die Beteiligungsprozesse vor Ort die Vielfalt der Nachbarschaften wiederspiegeln. Exemplarisch stellen wir an dieser Stelle Maßnahmen von zweien der aktuell insgesamt acht Demokratiewerkstätten näher vor. Die übrigen sechs Demokratiewerkstätten finden Sie auf der Website https://www.politische-bildung.nrw.de/wir-partner/projekte/demokratiewerkstaetten-im-quartier/ AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG VIERTELSRAT KREFELDER SÜDEN ANGEBOT: Viertelsrat, Projektstammtisch und analog-digitale Beteiligungsformate laden dazu ein, eigene Projektideen für eine Entwicklung des Quartieres einzubringen, zu diskutieren und deren Umsetzung gemeinsam zu gestalten. Akteur:innen: Demokratiewerkstatt Krefelder Süden (Träger: Emmaus Gemeinschaft/DIE.WERKSTATT), Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Nachbarschaftsstiftung Samtweberei/UNS Kategorien: Themen mit Alltagsrelevanz | Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen BESCHREIBUNG: Schon seit 2015 soll Allen Raum und Heimat gegeben werden, mit eigenen Ideen für eine positive Entwicklung im Quartier zu sorgen. Beteiligt sind sowohl Nachbar:innen aus dem Stadtteil als auch Gäste des Wohnungslosentagestreffs „Die Brücke“. Es ist eine niedrigschwellige prozesshafte Unterstützung für ein Engagement von unten. Politische Bildung an der Schnittstelle von Zivilgesellschaft, Gemeinwesenarbeit, Politik und Verwaltung. METHODEN: Beteiligungsgremien und -formate: Durch die Beratung und Unterstützung der Gremien wird sichergestellt, dass Vorschläge und Projektideen von Menschen aus dem Quartier auch realisierbar und somit erfolgreich auf den Weg gebracht werden können. So können auch beteiligungsunerfahrene Menschen die Erfahrung machen, dass sie Einfluss auf ihr Lebensumfeld nehmen und Teil (partei-)politischer Prozesse sein können. Aufsuchende politische Bildung wirkt hier als inklusive Prozessbegleitung und konstruktivistische Werkstatt. Kontakt: Emmaus Krefeld e.V. / DIE.WERKSTATT E-Mail: info@emmaus-krefeld.de / DIEWERKSTATT-Meyer@t-online.de STADTTEILGUIDE DÜSSELDORF-OBERBILK ANGEBOT: Ausbildung von interessierten Bürger:innen zu Stadtteilguides Akteur:innen: Demokratiewerkstatt in Oberbilk (Träger: Arbeit und Leben DGB/VHS Nordrhein-Westfalen e.V.), Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz | Storytelling BESCHREIBUNG: „Zeig uns Deine Lieblingsplätze in Oberbilk, und wir bilden Dich als Stadtteilguide aus!“, so das Versprechen der Demokratiewerkstatt Oberbilk. Gefördert durch den Europäischen Sozialfonds können interessierte Oberbilker:innen an einer Fortbildung teilnehmen, bei der sie erfahren, wie sie Rundgangkonzepte erarbeiten und sprachlich sicher als Leiter:in eine Gruppe durch die eigene Stadt führen. Ziel der Führungen ist, persönliche Geschichte und persönliche Geschichten der Stadtteilguides mit historischen und aktuellen Fakten rund um den Stadtteil zu verknüpfen. So wird die individuelle Erfahrung mit dem kollektiv Erlebbaren verbunden. Während der Stadtführungen entspinnt sich ein lebendiges Gespräch aller Beteiligten über die alltäglichen Herausforderungen im Alltag, über das eigene Verhältnis zum Wohnort – und natürlich über die liebsten Ecken dort. Im Anschluss an die Fortbildung wird der individuelle Rundgang der Teilnehmer:innen über die Kanäle der Demokratiewerkstatt beworben. Bald schon führen die neuausgebildeten Stadteilguides interessierte Gruppen durch ihren eigenen Stadtteil. METHODEN: Storytelling im Stadtteil: Lokale und persönliche Stadtteil-Geschichten werden sichtbar gemacht und aufgewertet. Kontakt: E-Mail: info@d-oberbilk.de 13 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG GLEICHE POLITISCHE TEILHABE Im Modellprojekt „Gleiche politische Teilhabe“ erprobt die Berliner Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) neue Ansätze einer aufsuchenden politischen Bildungsarbeit in vier ausgewählten Quartiersmanagementgebieten Berlins. Ziel ist eine demokratische politische Kultur, die allen Bewohner:innen gleiche Chancen auf eine politische Teilhabe ermöglicht. Kontakt Gesamtprogramm Berliner Landeszentrale für politische Bildung Annette Wallentin annette.wallentin@senbjf.berlin.de Lena Steenbuck lena.steenbuck@senbjf.berlin.de Im Internet: https://www.berlin.de/ politische-bildung/teilhabe/aufsuchend/gleiche-politische-teilhabe/ Im Projekt arbeitet die Landeszentrale auf drei Ebenen: • Vier sozialräumlich gut vernetzte Träger machen auf der lokalen Ebene Angebote einer aufsuchenden politischen Bildung. • Die Landeszentrale begleitet und sichert die Projektergebnisse und bereitet sie auf für einen • Wissenstransfer hin zu anderen Trägern der politischen Bildung im Bundesgebiet. Hier können Sie einen Einblick in die praktische Arbeit an den vier ausgewählten Standorten nehmen: STADTIMPULSE ANGEBOT: Im öffentlichen Raum werden Möglichkeiten für Begegnung und Austausch geschaffen, außerdem wird mehr Teilhabe an demokratischen Prozessen ermöglicht. Akteur:innen: ImPULS e.V., Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz | Storytelling BESCHREIBUNG: Inmitten der Großsiedlung Gropiusstadt, einem Stadtteil des Berliner Bezirkes Neukölln, setzt der Integrationsverein ImPULS e.V. sein Projekt „Stadtimpulse“ um. Obwohl hier viele Menschen auf relativ kleinem Raum wohnen, findet Begegnung untereinander nicht automatisch statt. Die Alteingesessenen haben mit den Neuzugezogenen wenig zu tun, stattdessen gibt es Vorbehalte gegen Letztere. Hier setzen Jelena Vukmanović und ihre Kolleginnen an: in gemeinsamen Kiezspaziergängen präsentieren Menschen aus dem Kiez ihre besonderen Orte – und ihre Themen und Lebensgeschichte gleich dazu. Auch Kultur und Geschichte anderer Stadtteile werden bei thematischen Spaziergängen erschlossen. So entsteht Begegnung, aber auch eine neue Sicht auf das eigene Wohnumfeld: Wie gestalten Menschen ihr Leben, wer im Stadtteil setzt sich ein für positive Entwicklungen? Gestaltungsspielräume und Einflusswege werden offenbar. METHODEN: Politische Kiezspaziergänge, „Kosmotreff“: Offene Gesprächsgruppe, Begegnungsevents Kontakt: Jelena Vukmanović E-Mail: jelena.vukmanovic@integrationsverein-impuls.de – Website: https://www.integrationsverein-impuls.de/ 14 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG DIALOG IM KOSMOS ANGEBOT: Im öffentlichen Raum werden Gesprächsanlässe geschaffen und gemeinsam mit etablierten Strukturen Zugänge zu Teilhabe und Mitbestimmung eröffnet. Akteur:innen: Offensiv ´91 e.V., Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz BESCHREIBUNG: Das Berliner Kosmosviertel, ein Stadtteil des Berliner Bezirkes Treptow-Köpenick, ist eine der jüngeren und mit rund 5.500 Einwohner:innen ganz bestimmt eine der kleineren Großsiedlungen Berlins. Die Erweiterung des nahe gelegenen Flughafens Schönefeld wird einiges in Bewegung bringen in den kommenden Jahren. Das Viertel ist durch die im Vergleich günstigen Mieten für viele Berliner:innen mit geringem Einkommen Zuzugsgebiet geworden. Themen wie Mieten-und Wohnungspolitik und Gentrifizierung, aber auch die Auseinandersetzung mit Ausgrenzung und Diskriminierung spielen eine Rolle im Stadtteil. Duygu Bräuer lädt die Einwohnerinnen und Einwohner ein zu einem „Dialog im Kosmos“. Das Projekt will niedrigschwellige Angebote zum Austausch zwischen verschiedenen Akteur:innen im Viertel, zur Begegnung, zur Auseinandersetzung mit politischen Themen und zur Beteiligung an politischen Prozessen anbieten. Die Menschen im Kosmosviertel werden eingeladen, sich dort zu beteiligen, wo sie am meisten betroffen sind: in ihrem eigenen Wohnumfeld. METHODEN: Gespräche im öffentlichen Raum, Dialogräume schaffen Kontakt: Duygu Bräuer E-Mail: duygu.braeuer@offensiv91.de – Website: https://offensiv91.de/zfd/ „MAL LAUT GEDACHT!“ – POLITISCHE BILDUNG IM KIEZ ANGEBOT: Das Stadteilzentrum ist im öffentlichen Raum des Stadtteils präsent und bietet den Bewohner:innen „Polit-Snacks“ und vieles mehr zur politischen Bildung und Teilhabe. Akteur:innen: Fabrik Osloer Straße e.V., Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz BESCHREIBUNG: Im Wedding, einem Stadtteil des Berliner Bezirkes Mitte, setzt der Verein Fabrik Osloer Straße e.V. sein Projekt „Mal laut gedacht! Politische Bildung im Kiez“ um. Im gut besuchten Stadtteilzentrum des Vereins, aber auch in Treffpunkten anderer Einrichtungen im Stadtteil und auf den Straßen setzt Jenny-Antonia Schulz immer wieder kleine Impulse – „Polit-Snacks“, wie sie es nennt, leicht verdaulich, aber mit Gehalt. Nachbar:innen und Nachbarn werden eingeladen, nach ihren Einflusswegen zu suchen und diese mutig zu beschreiten. METHODEN: Kiezspaziergänge zu Kiezthemen, „Polit-Snacks“ - kleine Bildungsmodule zu Demokratie, Symbolwahlen „Hier lebe ich – hier wähle ich!“, Biografie-Café, Besuch politischer Orte Kontakt: Jenny-Antonia Schulz E-Mail: jenny-antonia.schulz@fabrik-osloer-strasse.de – Website: https://www.fabrik-osloer-strasse.de/ 15 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG POLITISCHE BILDUNG IM FALKENHAGENER FELD ANGEBOT: Vor dem Supermarkt oder auf dem Balkon finden Gespräche statt, die dann im Klubhaus Spandau in einem Angebot zur politischen Bildung münden können. Akteur:innen: outreach gGmbH, Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz BESCHREIBUNG: Im Falkenhagener Feld (ein Stadtteil Spandaus) setzt die outreach gGmbH ihr Projekt der aufsuchenden politischen Bildung um. Hasan Kuzu, der Mitarbeiter vor Ort, trifft die Menschen dort an, wo sie gerade sind. So ist er bereits ein vertrautes Gesicht für die Nachbar:innen, wenn er sie vor dem Supermarkt anspricht und zu Aktivitäten im Stadtteilzentrum „Klubhaus“ einlädt. Dort gelingt es etwa in den offenen Gesprächsgruppen, in einen Austausch rund um die Herausforderungen des Alltags zu treten und dabei herauszufinden, was nicht nur eine individuelle Sorge, sondern eine gesellschaftliche Frage ist. METHODEN: Offene Gesprächsgruppen, Balkongespräche, Ausstellungen im öffentlichen Raum, Gespräche vor dem Supermarkt, Beteiligungsaktion, Veranstaltungen mit Politik und Verwaltung zu den Kiezthemen, Wahlworkshops, Gremienarbeit, Kooperation mit verschiedene Trägern und Institutionen, Besuch an politischen Orten, Kiezrundgänge. Kontakt: Hasan Kuzu E-Mail: h.kuzu@outreach.berlin Website: https://klubhaus-spandau.de/politische-bildungsarbeit-im-falkenhagener-feld/ 16 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG KIEZGESCHICHTEN ANGEBOT In Workshops lernen die Teilnehmenden eigene kleine Geschichten zu entwickeln, die sich thematisch mit dem Leben im eigenen Kiez beschäftigen. Akteur:innen Interkular gGmbH BESCHREIBUNG Im Projekt werden die Geschichten der Bewohner:innen des Stadtteils Schillerkiez, einem Quartier im Berliner Bezirk Neukölln, sichtbar gemacht. Die Nachbar:innen unterschiedlicher Altersgruppen können an Workshops mit erfahrenen Workshopleiter:innen und Erzähler:innen teilnehmen und das Handwerkszeug des Erzählens von ihnen lernen. Sie können aber auch einfach ohne weitere professionelle Anleitung ihre persönlichen Kiezgeschichten über den sich stark verändernden Schillerkiez einsenden. Wer möchte, kann diese Geschichten dann in wöchentlichen Erzählevents im öffentlichen Raum vortragen oder auf der Internetseite (www.kiezbegegnung.de) veröffentlichen und damit einen Beitrag zu einer gemeinsamen „Geschichts-Schreibung“ und damit Identitätsbildung des Stadtteils leisten. Neben den so entstehenden „Kiezgeschichten“ ist auf der Internetseite auch eine Online-Karte mit ausgewählten Orten und Interviews mit besonderen Akteur:innen im Stadtteil zu finden. Eine der ersten Erzählworkshops nahm die biblische Geschichte um David und Goliath als Ausgangspunkt. Die Teilnehmenden gingen der Frage nach, wann und wo sie sich in ihrem Leben einmal wirkmächtig gegen vermeintlich Stärkere gefühlt hatten. Kategorien Kooperationen mit Künstler:innen Storytelling Themen mit Alltagsrelevanz Sozialraumbezug 2021 findet ein Erzählfestival mit Erzählgruppen in deutscher, englischer und arabischer Sprache statt. Seit Frühjahr 2021 tingelt die Wanderbühne jeden Mittwoch durch das Quartier, auf der die Kiezgeschichten auch live präsentiert werden. METHODEN Storytelling: Die Teilnehmer:innen werden in das Handwerk des Geschichten­ erzählens eingeführt und erleben sich selbst als aktive Gestalter:innen der eigenen Kiezkultur. Kontakt Dr. Dominik Haubrich und Nina Warneke E-Mail: hallo@interkular.de 17 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG LÄUFT BEI DIR! ANGEBOT Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stiftung Weltethos, Baden-Württemberg-Stiftung Vorbereitet durch drei intensive Seminartage eines Demokratietrainings werden die Teilnehmenden selbst zu aktiven Anbieter:innen von aufsuchender politischer Bildung: Auf einem Quadratmeter Fläche im Stadtraum nehmen sie Position zu einem eigenen Anliegen ein und kommen darüber mit Passant:innen in ein Gespräch. BESCHREIBUNG Workshops für junge Erwachsene im Übergang zwischen Schule und Beruf besuchen Workshops, die sie dabei unterstützen, sich mit ihrer neuen Rolle als Erwachsene in der Gesellschaft und der Demokratie auseinanderzusetzen und darin ihren Platz zu finden. Kategorien Im öffentlichen Raum Themen mit Alltagsrelevanz Gespräche ermöglichen Die eigenen Wertvorstellungen zu den Themenbereichen Arbeit, Wohnen sowie Individuum und Gesellschaft werden in drei Seminarblöcken reflektiert. Die Teilnehmenden üben sich darin, ihre Meinung in der Gruppe zu besprechen und zu vertreten. Die Workshops münden in die 1 m²-Methode, bei der die Teilnehmer:innen die Rolle wechseln und nun selbst zu Anbieter:innen aufsuchender politischer Bildung werden. In gemeinsamer Vorbereitung mit den Trainer:innen führen die Teilnehmer:innen eine Intervention im öffentlichen Raum durch. METHODEN 1 m² - Methode Die Teilnehmenden betreten einen belebten öffentlichen Platz und kleben für jede Person einen Quadratmeter mit Klebeband ab. In diesem Quadratmeter präsentieren sich die Teilnehmenden mit einem selbstgewählten Thema der Öffentlichkeit. Die Seminarleitung unterstützt die jungen Erwachsenen vorab bei der Erarbeitung ihres Anliegens. Zwei Fragen dienen dabei als Ausgangspunkt: • „Das möchte ich in die Gesellschaft geben“ (z. B. eine Frage, ein offenes Ohr, ein gutes Gespräch, eine Diskussion, etc.). • „Das braucht die Gesellschaft meiner Meinung nach“ (z. B. Visionen, Respekt, Austausch, etc.). Kontakt Matthias Kathan Landeszentrale für politische Bildung BW / Projektleitung Läuft bei Dir! E-Mail: matthias.kathan@lpb.bwl.de Website: www.läuft-bei-dir.de 18 Die Teilnehmenden erleben bei dieser Methode, wie es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen und eigene Standpunkte und Meinungen in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Leitender Gedanke ist dabei, dass nur, wer sich in die Auseinandersetzung begibt und eigene Themen einbringt, Einfluss nehmen kann. Bei „1 m²“ üben die Teilnehmenden öffentlich für ihre Meinung einzustehen und setzen gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass allen Menschen ein Platz in der Gesellschaft zusteht. Zusätzlich bilden alle Quadratmeter in der Zusammenschau eine gemeinsame Ausstellung, die in den öffentlichen Raum hineinwirkt und Passant:innen zum Verweilen, zum Austausch und zum Mitmachen einlädt. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG MEIN HERZ FÜR GRUNDRECHTE ANGEBOT Passant:innen werden eingeladen, im Stadtraum auf Tafeln die fünf Grundrechte zu markieren, die ihnen besonders am Herzen liegen. Anschließend können sich die Teilnehmer:innen über ihren alltäglichen und persönlichen Bezug zu den Grundrechten in Einzel- und Gruppengesprächen austauschen. BESCHREIBUNG Auf zwei 185 x 185 cm großen Planen werden die Artikel 1-19 der Grundrechte in knappen Worten beschrieben. Neben den jeweiligen Beschreibungen bieten weiße Felder Platz, um sie mit Aufklebern in Herzform zu versehen. An belebten öffentlichen Plätzen und auf Stadteilfesten aufgestellt, werden Passant:innen von den Projektmitarbeiter:innen unter dem Motto „Mein Herz für Grundrechte“ dazu eingeladen, jeweils fünf Herzen zu den Grundgesetzartikeln zu kleben, die ihnen persönlich besonders wichtig sind. Die teilnehmenden Passant:innen werden so niedrigschwellig motiviert, sich mit dem Grundgesetz zu beschäftigen und im Gespräch mit den Projektmitarbeiter:innen und anderen Teilnehmer:innen dazu angeregt, sich zu überlegen, welche Relevanz diese Werte für ihren Alltag haben. Abschließend werden Ausgaben des Grundgesetzes in unterschiedlichen Sprachen, sowie zusätzliche Informationsmaterialen der Landeszentrale für politische Bildung Bremen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Anzahl der zu vergebenden Herzen – fünf an der Zahl – referierten gleichzeitig auf die Anzahl der Wahlstimmen, die jede:r Bremer:in bei den Landeswahlen zu verteilen hat. Wie bei den Bremer Wahlen konnten auch bei „Mein Herz für Grundrechte“ Stimmen kumuliert (mehrere Herzen auf ein Grundrecht) oder panaschiert (die fünf Herzen verteilt auf mehrere Grundrechte) werden. Auf diese Weise wird parallel die Stimmabgabe bei den anstehenden Bürgerschaftswahlen eingeübt. Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Initiative „Demokratie beginnt ...“, Tu was! Zeig Zivilcourage! e.V., Bürgerstiftung Bremen Kategorien Gespräche im öffentlichen Raum Aktive Begegnung Themen mit Alltagsrelevanz Grundgesetz und Menschenrechte Durch das Projekt soll das Vertrauen in die Demokratie und die positive Einstellung zu ihren Institutionen und Errungenschaften gestärkt werden. Auf eine niedrigschwellige Art wurde die Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz gefördert und positive Assoziationen zu den Grundrechten aus Artikel 1–19 ermöglicht. METHODEN Aufkleben: Die Möglichkeit niedrigschwellig eine eigene Position/Meinung zu äußern kann Gespräche eröffnen, die eine Verknüpfung von lebensweltlichen Themen mit Themen der Grundrechte ermöglichen. Kontakt Lisa Peyer E-Mail: lisa.peyer@lzpb.bremen.de 19 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG METRO_POLIS – EIN GESPRÄCHSPROJEKT IN DRESDEN ANGEBOT Akteur:innen Projektinitiative metro_polis, metro_polis n.e.V. Kategorien An vertrauten Orten Begegnung und Gespräche ermöglichen Themen mit Alltagsrelevanz Neue Dialogräume in den öffentlichen Verkehrsmitteln Dresdens BESCHREIBUNG Jeden Tag fahren tausende Dresdner:innen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Projekt metro_polis hat sich genau diese ausgesucht, um unterschiedlichste Menschen miteinander in ein Gespräch zu bringen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe unterstützen das Projekt, indem sie drei Sitzgruppen im hinteren Abschnitt der Straßenbahn zur Verfügung stellen. Wer als Fahrgast in die Bahn einsteigt, wird im Einstiegsbereich freundlich begrüßt und dazu eingeladen, in diesen besonders kommunikativen Sitzgruppen Platz zu nehmen, um miteinander in ein Gespräch zu treten. Jeder Sitzplatzgruppe ist eine moderierende Person zugeordnet, die die Gespräche begleitet. Die Projektinitiative sucht Antworten auf die Fragen: „Wie kann gesellschaftlicher Diskurs in einer Zeit der zunehmenden Verständigungslosigkeit konstruktiv gestaltet werden? Und wie können möglichst viele Menschen daran teilnehmen?“ (metro-polis.online) METHODEN Kontakt Kristina Krömer E-Mail: kontakt@metro-polis.online 20 Gespräche am vertrauten Ort: Die Einsteigenden werden im Einstiegsbereich der Straßenbahn von metro_polis-Aktiven angesprochen und eingeladen, mitzumachen. Eine Moderatorin oder ein Moderator unterstützt das Gespräch, indem er oder sie das Gespräch beginnt, in Gang hält und darauf achtet, dass die Beteiligten in einen gleichberechtigten Dialog zueinander treten. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG MITEINANDER REDEN Mit dem Förder- und Qualifizierungsprogramm „Miteinander Reden“ fördert die Bundeszentrale für politische Bildung unterschiedlichste Formate der aufsuchenden politischen Bildung im ländlichen Raum. Ziel ist die Etablierung einer streitbaren und gleichwohl wertschätzenden und demokratischen Gesprächskultur – gerne auch mit kreativen Mitteln. Exemplarisch werden an dieser Stelle zwei der aktuell insgesamt einhundert geförderten Projekte näher vorgestellt. Ein Blick auf die Projektlandkarte des Förderprogramms mit der Vorstellung der übrigen 98 Projekten unter der Website https://miteinanderreden.net/projekte/ lohnt! Kontakt Gesamtprogramm Bundeszentrale für politische Bildung Leitung: Anja Ostermann E-Mail: ostermann@miteinanderreden.net Projektdatenbank von „Miteinander Reden“ im Internet: https://miteinanderreden.net/projekte/ MITEINANDER REDEN – MITEINANDER SINGEN – IN ZAPPENDORF ANGEBOT: In einem Bürger:innentreff in der Gemeinde Salzatal, Ortsteil Zappendorf (Sachsen-Anhalt) wird gemeinsam gesungen und darüber Gespräche über Themen aus Alltag, Politik und Gesellschaft initiiert. Akteur:innen: Ulrike und Georg Dietrich (Projektinitiative) Kategorien: Kooperationen mit Künstler:innen | Aktive Begegnung | Themen mit Alltagsrelevanz | Gespräche ermöglichen BESCHREIBUNG: Mit Unterstützung von Chorleiter:innen, Chorsänger:innen und Musiker:innen aus der Region stimmen in einem Bürger:innentreff Menschen gemeinsam (Volks-)Lieder an. Das gemeinsame Singen schafft zum einen Begegnung, es schafft zum anderen aber auch den Anlass und den Rahmen, um dabei auch über gemeinsame Themen aus Alltag, Politik und Gesellschaft zu sprechen. So wurde während dieser Sing-und Redetreffs schon ein breites Feld an Gesprächsgegenständen bearbeitet, etwa die nächsten Wahlen, Alltagsrassismus und Angst vor Fremden, Landflucht und Gasthaussterben und die örtliche Verkehrspolitik. METHODEN: Gespräche ermöglichen: Durch gemeinsames Singen entsteht ein Gefühl von Verbundenheit und eine Bereitschaft, sich entsprechend auch über verbindende gesellschaftliche Fragestellungen auszutauschen. Kontakt: Ulrike Dietrich E-Mail: dietrich.zappendorf@freenet.de 21 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG PIZZA UND POLITIK ANGEBOT: Bei regelmäßigen Treffen werden zu Pizza und alkoholfreien Getränken kurze Impulsreferate gehalten, die von Mitgliedern der sich selbst organisierenden Gruppe gehalten werden und zu denen sich dann in kleinen und großen Gruppen unterhalten wird. Akteur:innen: Volkshochschule Lengerich/Westfalen und Gemeinde Ladbergen Kategorien: Themen mit Alltagsrelevanz | Aktive Begegnung | Gespräche ermöglichen BESCHREIBUNG: Miteinander Reden – so banal diese Aussage klingt, so viel Training braucht es doch im täglichen Miteinander, um die Debattenkultur zu fördern und angemessen miteinander zu diskutieren. Das dachten sich die Initiator:innen des Projekts „Pizza und Politik“ und laden aus diesem Grund zu regelmäßigen Treffen in den Schultenhof Ladbergen, eine ehemalige Kneipe. Jedes Treffen hat dabei ein Schwerpunktthema, das von einem Interessierten oder einer Interessierten aus der Gruppe aufbereitet und vorgestellt wird. Anschließend wird darüber diskutiert. Bei Bedarf werden auch externe Impulsgeber:innen eingeladen. Die Themen sollten dabei einen tagespolitischen Bezug haben und die Verbindung zum eigenen Ort herstellen. Zentrales Anliegen ist, den Menschen einen Raum zu geben, in dem sie respektvoll miteinander umgehen können und miteinander ins Gespräch kommen. Zudem wird eingeübt, eine eigene Haltung einzunehmen und öffentlich zu vertreten. METHODEN: Kurze Input-Referate durch die Teilnehmenden. Bei der Vorbereitung eines Themas werden folgende Leitfragen vorgeschlagen: • Was ist mein Thema? • Wieso habe ich mich für dieses Thema entschieden und was hat das Thema mit mir zu tun? • Welchen tagespolitischen / tagesaktuellen Bezug hat das Thema? • Welchen lokal(politisch)en Bezug kann ich herstellen? • Abschließend Erstellung eine These, die zur Diskussion anregt. r Kontakt: Jendrik Peters E-Mail: jpeters@vhs-lengerich.de 22 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG MITREDEN IN NEUKÖLLN ANGEBOT Spielerische Angebote im öffentlichen Raum und niedrigschwellige Workshops zu Beteiligungsmöglichkeiten im Kiez BESCHREIBUNG Neuköllner:innen in wirtschaftlich und sozial benachteiligenden Lebenslagen, die eher „politikfern“ und noch nicht in einer zivilgesellschaftlichen Interessensgemeinschaft organisiert sind, werden über Möglichkeiten der gesellschaftlichen und politischen Beteiligung informiert. Die Projektmitarbeitenden sind aufsuchend auf Festen, Märkten und zu besonderen Anlässen (z. B. Bezirksstadtratswahlen, Tag der Nachbarschaft) unterwegs, um mit Passant:innen über spielerische Interaktionen (z. B. Glücksrad der Grundrechte, siehe unten) ins Gespräch zu kommen und sie zu informieren. Die Passant:innen bekommen ihrerseits Gelegenheit, Wünsche und Ideen für die Entwicklung des eigenen Umfelds zu formulieren. So wird die Brücke zwischen dem Alltag der Befragten und den Gestaltungspotentialen von Lokalpolitik bzw. lokalem Engagement geschlagen. Akteur:innen Nachbarschaftsheim Neukölln e.V. Kategorien Gespräche ermöglichen Themen mit Alltagsrelevanz Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen Gesetzliche Grundlagen Gespräche im öffentlichen Raum Neben dieser Arbeit im öffentlichen Raum werden niedrigschwellige Workshops in Elterncafés, Stadtteilzentren, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, Grundbildungskursen sowie Schulen und Kindertagesstätten durchgeführt, also an Orten, an denen sich die Zielgruppe in ihrem Alltag aufhält. In diesen Workshops klären die Teilnehmenden an praktischen Beispielen Begriffe wie Demokratie und Teilhabe. Die Teilnehmenden benennen Probleme und formulieren Bedarfe in ihrem Lebensumfeld (z. B. Verkehr, Umwelt, Schule). In einem nächsten Schritt lernen sie die verschiedenen Möglichkeiten der Einflussnahme kennen: von den Wahlen zum Kommunalparlament über die Einwohner:innenfragestunde bis hin zum Einwohner:innenantrag oder die Mitarbeit in der Elternvertretung. Abschließend erarbeiten die Teilnehmenden zu ihren Themen – im Abgleich zwischen individuellen Ressourcen und Beteiligungsformaten – konkrete Beteiligungsideen (z. B. einen Einwohner:innenantrag zu formulieren oder ein Thema in die Gesamtelternvertretung einzubringen). METHODEN Glücksrad der Grundrechte: Bei diesem spielerischen Ansatz können Passant:innen am „Glücksrad der Grundrechte“ drehen und kommen so über die abgebildeten Symbole, die die Grundrechte darstellen, über selbige in ein Gespräch. Elternvertretung an Schulen: Die Elternvertretung an Schulen steht als demokratische Beteiligungsmöglichkeit allen Eltern offen. In den Workshops werden die Eltern darin bestärkt, diese Möglichkeit der Mitgestaltung wahrzunehmen. Kontakt Sebastian Wöss E-Mail: s.woess@nbh-neukoelln.de 23 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG NEW WAYS FOR NEWCOMERS ANGEBOT Akteur:innen Landesbeauftragter für politische Bildung Schleswig-Holstein, Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e. V., zusätzlich am Projektstandort Neumünster: Quartiersmanagement im Vicelinviertel, Diakonie Altholstein Kategorien Grundgesetz und Menschenrechte Themen mit Alltagsrelevanz Gespräche ermöglichen Geflüchtete, die schon länger in Deutschland sind, helfen Neuankommenden dabei, in Deutschland Fuß zu fassen – durch alltagspraktische Unterstützung sowie durch Gespräche über Grundrechte. BESCHREIBUNG Im Projekt New Ways for Newcomers werden Geflüchtete für Geflüchtete aktiv. Das erfolgreiche Konzept besteht darin, dass Geflüchtete, die schon länger in Deutschland leben, Neuankommenden bei der Erstorientierung in Deutschland unterstützen. Hilfreiche alltagspraktische Tipps, wie etwa die Funktionsweise von Ticketautomaten für Bus und Bahn, von Geldautomaten oder des Müll­ trennungssystems, sind Ausgangspunkt für Gespräche über grundlegendere Dinge wie das Recht auf Gleichbehandlung von Frauen und Männern oder der Bedeutung von Rechtsstaat, Religions- und Meinungsfreiheit. Das Projekt zeichnet sich auch dadurch aus, dass alle Kursleiter:innen selbst einen Migrationshintergrund, manche auch eigene Fluchterfahrungen gemacht haben. Sie wissen also um die Sorgen ihrer Teilnehmer:innen und kennen deren Situation. Außerdem sprechen sie teilweise ihre Sprache(n), so dass die Gesprächsrunden in den verschiedenen Erstsprachen der Teilnehmer:innen stattfinden können. METHODEN Kontakt Idun Hübner E-Mail: huebner@zbbs-sh.de 24 Gespräche: In den Gesprächen werden alltagspraktische Themen mit Fragen der Grundrechte und demokratischen Werten in Zusammenhang gebracht. Von Geflüchteten für Geflüchtete: Das Projekt setzt auf die Produktivität geteilter Erfahrung. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG PARTQ AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG IM QUARTIER ANGEBOT Initiierung, Beratung, wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung von Modellprojekten der aufsuchenden politischen Bildung Akteur:innen Minor-Wissenschaft Gesellschaft mbH BESCHREIBUNG Das Projekt arbeitet – anders als die meisten der anderen hier vorgestellten Projekte – auf einer übergeordneten Ebene der Entwicklung aufsuchender politischer Bildungsarbeit. Die Mitarbeiter:innen von PartQ initiieren Formate der aufsuchenden politischen Bildung und der Partizipation in ausgewählten Modellquartieren im Bundesgebiet, die durch soziale Segregation besonders herausgefordert sind. Diese demokratiestärkende Bildungsarbeit – bedarfsorientiert entwickelt mit u.a. Quartiersmanagements sowie Wohnungsunternehmen und durchgeführt von Organisationen und Bewohner:innen vor Ort – stärken die Teilhabe, fördern interkulturelle Dialoge und communityübergreifende Verständigung und wirken so positiv auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. PartQ führt aber auch die wissenschaftliche Begleitung dieser Entwicklung neuer Formate einer aufsuchenden politischen Bildung durch. Die Mitarbeiter:innen von PartQ begleiten die so entstehenden Maßnahmen der aufsuchenden politischen Bildung fachlich, moderieren den Erfahrungsaustausch und begleiten die Vernetzung zwischen den Modellregionen. Nach einer ersten Projektrunde werden Zwischenergebnisse identifiziert, die dann in einer zweiten Projektrunde Berücksichtigung finden. Die Ergebnisse der Schlussevaluierung werden in einer Publikation sowie in Fachtagungen veröffentlicht. Kontakt Maëlle Dubois E-Mail: m.dubois@minor-wissenschaft.de 25 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG RAUM FÜR GEDANKEN Akteur:innen Fabrik Potsdam e.V, Kathrin Ollroge ANGEBOT In einem mobilem Wohnzimmer können Passant:innen Texte zu gesamtpolitischen wie alltagsrelevanten Fragen schreiben und so selbst Teil der Ausstellung werden. BESCHREIBUNG Kategorien Kooperationen mit Künstler:innen Im öffentlichen Raum Themen mit Alltagsrelevanz Ein Kubus mit einer Kantenlänge von 2,30 Metern beherbergt ein von der Künstler:in Kathrin Ollroge konzipiertes transportables Wohnzimmer. Dieses kann auf öffentlichen Plätzen, vor Einkaufszentren, auf Parkplätzen, Schulhöfen, Bahnhöfen, Marktplätzen oder inmitten von Wohnsiedlungen aufgestellt werden. Das Wohnzimmer ist ausgestattet mit Sitzmöbeln, einem Tisch, einer Lampe, Bild, Teppich und Zimmerpflanze. Eine Schreibmaschine steht auch dabei, mit vorbereitetem Papier lädt sie zum Verfassen eigener Texte ein. Das ist auch das interaktive Moment dieser Intervention: Vorübergehende sind dazu eingeladen, ohne Namensnennung Texte auf der Schreibmaschine zu verfassen, die ihr eigenes Leben und ihre Erfahrungen betreffen. Die Ergebnisse werden gesammelt und in Ausstellungen präsentiert. Dabei entstanden ganz unterschiedliche Texte über zum Beispiel Heimatverbundenheit, über das Gefühl von Entwurzelung und der Angst oder der Freude über Neues, Unbekanntes. Besonderes Augenmerk legt die Künstler:in dabei auf die individuelle Ansprache der Passant:innen. Sie werden freundlich zu Kaffee und Kuchen eingeladen, sind willkommen und ihre Meinung und Gedanken gefragt. Wer will, kann sich von der Künstler:in fotografieren lassen und so auch visuell Teil der Ausstellung werden. METHODEN Geschichte(n) aus dem eigenen Leben schreiben Wer gebeten wird, etwas aus seinem oder ihrem Leben zu schreiben, wird bestärkt darin, auf die eigene Weltsicht zu vertrauen und sich als Handelnde:r zu sehen. Kontakt Kathrin Ollroge E-Mail: info@raum-fuer-gedanken.com 26 Portrait Fotographie Von einer Künstlerin fotografiert zu werden, ist ebenfalls ein Zeichen dafür, als individueller Mensch sichtbar und aufmerksam wahrgenommen zu werden. Zudem kann mit den unterschiedlichen Fotoportraits die Vielfalt der Teilnehmenden und Bewohner:innen einer Wohngegend sichtbar gemacht und wertgeschätzt werden. Rahmung als Kunstaktion Die Einbindung der Aktion in eine Kunstinstallation weckt spielerisches Interesse und ermöglicht einen leichteren Zugang. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG SÄULEN DES GRUNDGESETZES ANGEBOT Im öffentlichen Raum wurden Säulen des Grundgesetzes errichtet. Mit begleitenden Angeboten wird die Frage nach der Alltagsrelevanz des Grundgesetzes gestellt. BESCHREIBUNG An markanten Punkten im Stadtraum wurden Säulen errichtet, auf denen die einzelnen Artikel des Grundgesetzes in Auszügen zu lesen sind. Gleichzeitig wurden Akteur:innen in den Stadtteilen wie Mitarbeiter:innen von Mehrgenerationenhäusern, Wohlfahrtsverbänden und Quartiersmanagementbüros dafür gewonnen, begleitende Veranstaltungsangebote zu organisieren. So wurde die bedeutsame Frage, was das Grundgesetz mit dem eigenen Leben und den Herausforderungen des Alltags zu tun hat, etwa in einem Stadtrundgang, in einem Lesekreis, in einem Elterncafé und einem Stadtteildialog, bearbeitet. Die Projektkoordinator:innen betonen, dass das Projekt für sie dann wirksam und erfolgreich war, wenn sich auf die Frage „Was hat das Grundgesetz eigentlich mit uns hier in Halle-Neustadt zu tun?“ gemeinsame Antworten finden ließen. Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH sowie lokale Akteur:innen und Initiativen Kategorien Im öffentlichen Raum Grundgesetz und Menschenrechte Gespräche ermöglichen METHODEN Säulen: Diese künstlerische stadtteilarchitektonische Intervention verschafft den bestehenden Angeboten und dem gesellschaftlichen Engagement in den Stadtteilen Aufmerksamkeit und stößt eine Auseinandersetzung über das Grundgesetz an. Stadtteildialog, Elterncafé, Lesekreis, alternativer Stadtrundgang, politischer Runder Tisch, Kinderfest: Viele Formate der Stadtteilarbeit lassen sich für die Bearbeitung der Frage „Was hat das Grundgesetz mit uns zu tun? “ anwenden. Kontakt Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt E-Mail: politische.bildung@sachsen-anhalt.de 27 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG SOZIALRÄUMLICHE POLITISCHE BILDUNG Kontakt Gesamtprogramm Berliner Landeszentrale für politische Bildung Annette Wallentin annette.wallentin@senbjf.berlin.de Lena Steenbuck lena.steenbuck@senbjf.berlin.de Website: https://www.berlin.de/politische-bildung/teilhabe/aufsuchend/ sozialraeumliche-arbeit/ In diesem Projekt der Berliner Landeszentrale für politische Bildung entwickeln drei freie Träger politische Bildung für ihren Stadtteil. Die Stadtteilarbeiter:innen kennen die Menschen vor Ort am besten. Sie wissen, welche Themen am drängendsten sind. Mit Ideenreichtum und kreativen Mitteln gelingt es ihnen, Stadtteilarbeit und politische Bildung miteinander zu verknüpfen. Und die Menschen im Stadtteil ? Sie erleben, dass ihre Alltagsthemen wichtig sind, dass sie ernst genommen werden, gefragt werden, dass ihre Meinung zählt. Hier können Sie einen Einblick in die praktische Arbeit an den drei ausgewählten Standorten nehmen: DEMOKRATIEPROJEKT IM SCHILLERKIEZ ANGEBOT: Kreative Angebote im öffentlichen Raum schaffen Zugänge zu politischer Bildung. Akteur:innen: Vielfalt e.V., Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz | Storytelling BESCHREIBUNG: Im Neuköllner Schillerkiez, einem Stadtteil im Berliner Bezirk Neukölln, setzt der Verein „Vielfalt e.V.“ sein Demokratieprojekt um. Der Stadtteil hat sich in den vergangenen Jahren durch die Schließung des ehemaligen Flughafens Tempelhof stark verändert. Gewachsene nachbarschaftliche Strukturen wurden durch Verdrängung aufgebrochen, viele neue Einwohner:innen prägen nun ihrerseits den Stadtteil mit – doch haben alle in den neuen Strukturen Platz? Im eigenen Nachbarschaftshaus, aber auch in dessen Garten, auf den Straßen des Schillerkiezes und in der anrainenden Hasenheide sind Helena Klaßen und Yili Rojas unterwegs. Mit kreativen Mitteln laden sie die Kiezbewohner:innen zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen ein, die den Stadtteil und seine Menschen bewegen. METHODEN: Forumtheater, Podcast, Druckworkshops und partizipative Ausstellungen im öffentlichen Raum, politische Stadtspaziergänge, Storytelling, Themenfrühstücke, politische Schnitzeljagd. Kontakt: Helena Klaßen E-Mail: demokratieprojekt@vielfaltev.de – Website: https://vielfaltev.de/angebote/das-demokratieprojekt 28 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG PLATTE MACHEN FÜR NEU-HOHENSCHÖNHAUSEN ANGEBOT: Das Lastenrad beherbergt Sitzmöglichkeiten und Kaffee, so können die Inhalte aus den Gesprächen in Angebote der politischen Bildung überführt werden. Akteur:innen: Pad gGmbH, Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz | Storytelling BESCHREIBUNG: In Neu-Hohenschönhausen, einem Stadtteil im Berliner Bezirk Lichtenberg, setzt die pad gGmbH ihr Projekt „PLATTE MACHEN für Hohenschönhausen“ um. Das Gebiet ist geprägt von Plattenbauweise; von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern oft als „Schlafstadt“ wahrgenommen. Dem setzt Thomas Stange Impulse zur positiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Viertel und seiner historischen Entwicklung entgegen – und vor allem auch die Geschichten der Menschen, die dort leben. Das Projekt soll Engagement unterstützen. Denn „Geschichte wird gemacht“ – von Menschen, die ihr Umfeld aktiv gestalten. METHODEN: Plakatkampagne „Antirassismus im Kiez“, Videoprojekt „Kiezportraits“, Kino für alle zum Beispiel über die Wendezeit und Breakdance in der DDR, Veranstaltungen zu Mietpolitik, Veranstaltungen zur Lebenslage Alleinerziehender, Gespräche im öffentlichen Raum mit Lastenfahrrad. Kontakt: Thomas Stange E-Mail: thomas_stange@licht-blicke.org – Website: https://www.pad-berlin.de/demokratie/platte-machen HELLERSDORF AKTIV ! ANGEBOT: Politische Bildung findet ungezwungen ihren Platz im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen, so werden Anreize geschaffen, sich gemeinsam mit den politischen Themen aus dem Kiez zu beschäftigen. Akteur:innen: Roter Baum Berlin UG, Berliner Landeszentrale für politische Bildung Kategorien: Vertraute Orte | Gespräche im öffentlichen Raum | Themen mit Alltagsrelevanz BESCHREIBUNG: Im Mehrgenerationenhaus „Buntes Haus“, in der Multifunktionseinrichtung „zentrale“, aber auch im öffentlichen Raum findet das Projekt „Hellersdorf Aktiv!“ in Hellersdorf, einem Stadtteil im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, statt, umgesetzt von der gemeinnützigen Unternehmensgesellschaft „Roter Baum Berlin“. Martin Kleinfelder und sein Team bieten den Nachbar:innen immer wieder Anlässe, über Themen des Kiezes oder ihres Alltags ins Gespräch zu kommen, miteinander und mit Funktionsträger:innen aus dem Stadtteil. METHODEN: Straßenstände, Gespräche im offenen Treff, Begegnung mit Bezirkspolitiker:innen bei „Politik isst Wurst“, Wahlparty, Unterstützung bei der Entwicklung von bürgerschaftlichen Initiativen, kreative Workshops zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen am Rande von Festivals, Online-Basiswissen-Workshops zu Klimawandel und Rassismus. Kontakt: Martin Kleinfelder E-Mail: info@roter-baum-berlin.de – Website: https://www.roter-baum-berlin.de/de/berlin-aktiv/hellersdorf-aktiv/ 29 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG THEATER IN DER POLITISCHEN BILDUNG. MITMACHEN ERLAUBT! ANGEBOT Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz Staatstheater Mainz freie Theatermacher:innen Kategorien Kooperationen mit Künstler:innen Grundgesetz und Menschenrechte In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz befassen sich junge Menschen mit dem Grundgesetz. BESCHREIBUNG Mit einem niedrigschwelligen Theaterangebot zum Mitmachen dezentral in den Stadtteilen brachten die Projektmacher:innen Menschen miteinander in Verbindung und weckten deren Begeisterung für Theater und gesellschaftliche Fragen. Das Projekt bestand aus zwei Teilen und begann im ersten Halbjahr 2019 mit einem Tagesworkshop. Der Workshop bot zum einen Orientierung über die Möglichkeiten der Theaterarbeit (Was sind aktuelle Theaterformen? Was kann Theater wie machen? Wie kann ich mich selbst mit den Mitteln des Theaters ausprobieren?), zum anderen setzte sich die Workshopgruppe mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) auseinander. Im zweiten, intensiven Teil des Projektes wurde eine Theaterinszenierung vorbereitet. Dafür arbeiteten die Teilnehmenden biografisch zu Fragen der Gleichheit entlang der Artikel 2 – 19 des Grundgesetzes. Das Material für die spätere Theateraufführung entstand aus den Erfahrungen der Teilnehmenden zu den Themen Gleichheit, Ungleichheit und Diskriminierung. Für die praktische Vorbereitung der Aufführung wählten die Teilnehmenden dann einen Beitrag zur Stückvorbereitung, der ihren Interessen und Fähigkeiten entsprach: vor und hinter der Bühne gestalteten sie angeleitet und unterstützt von Profis die Theateraufführung aktiv mit als Spieler:innen oder als Ausstatter:innen der Inszenierung. METHODEN Kontakt Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz Dr. Sarah Scholl-Schneider E-Mail: Sarah.Scholl-Schneider@ politische-bildung-rlp.de 30 Einführender Workshop: Workshops zu zeitgenössischen Theaterformen, Auftakt zur inhaltlichen Arbeit zum Grundgesetz anhand Artikel 1 Grundgesetz („Die Würde des Menschen ist unantastbar“). Nach einer kurzen Einführung darüber, was mit dem Grundgesetzartikel gemeint war und ist und wie er gedeutet werden kann, bestand die Möglichkeit, sich in praktischen Workshops mit Formen des Theaters mit diesem Grundgesetzartikel vertiefter auseinanderzusetzen und ihn näher zu verstehen. Theaterpädagogische Methoden: Auch zu den weiteren Grundgesetzartikeln 2 - 19 Grundgesetz wurde mit Formen der Theaterpädagogik gearbeitet – in Vorbereitung der Inszenierungen, aber auch später während der Aufführungen zur Aktivierung und Beteiligung des Theaterpublikums. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WAHL-O-MAT ZUM AUFKLEBEN ANGEBOT In dieser analogen Abwandlung des bekannten Online-Tools können Passant:innen auf öffentlichen Plätzen 38 Thesen, die zuvor auch den zur Wahl antretenden Parteien gestellt wurden, beantworten. Der Wahl-O-Mat errechnet dann die Übereinstimmungen mit den Antworten der Parteien. Akteur:innen Bundeszentrale für politische Bildung BESCHREIBUNG Zur Europawahl 2014 entwickelte die Bundeszentrale für politische Bildung den „Wahl-O-Mat zum Aufkleben“. Er funktioniert genauso wie die digitale Version im Internet, aber der analoge Wahl-O-Mat wird auch unabhängig von technischem Equipment im öffentlichen Raum eingesetzt. Auf diese Weise können Vorübergehende von Bildner:innen persönlich angesprochen und dazu eingeladen werden, sich über ihre eigenen Positionen und die Antworten der verschiedenen Parteien auf die Thesen auszutauschen. Ihre Zustimmung oder Ablehnung zu den einzelnen Thesen können die Menschen mit Hilfe von „Ja“und „Nein“-Aufklebern kundtun. Kategorien Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen Gespräche im öffentlichen Raum METHODEN Ja und Nein aufkleben: Es entsteht eine interaktive Thesenwand, die sich durch die Teilnehmenden ständig verändert und zu Gesprächen und Diskussionen einlädt. Kontakt E-Mail: wahl-o-mat@bpb.de 31 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WAHLSCOUTS ANGEBOT Akteur:innen Landeszentrale für politische Bildung Bremen Wahlscouts besuchen vor der Wahl Bürger:innen an der Haustür, um sie zur Wahl einzuladen. BESCHREIBUNG Kategorien Formate zu Wahlen und anderen Beteiligungswegen Am vertrauten Ort dezentral Gespräche ermöglichen Das Pilotprojekt „Wahlscouts“ wurde 2019 von der Landeszentrale für politische Bildung Bremen durchgeführt, um Nichtwähler:innen für den Wahlgang zur Bremer Bürgerschaftswahl zu motivieren. Die Teams des Projekts (die „Wahlscouts“) klopften in den Wochen vor der Wahl täglich an mehrere hundert Haustüren des Stadtteils Gröpelingen. Der Stadtteil war als Durchführungsort für das Pilotprojekt gewählt worden, weil hier die Wahlbeteiligung bei den vorangegangenen Wahlen mit 37,3% besonders gering ausgefallen war. Die Bewohner:innen wurden dabei direkt an ihrer eigenen Haustür angesprochen. Ausgestattet mit Musterstimmzetteln informierten die Wahlscouts in Zweierteams über das Wahlrecht, die Möglichkeiten der Stimmabgabe sowie die Kandidat:innen und Parteien, die zur Wahl standen. Vor allem suchten die Wahlscouts aber das Gespräch mit Nichtwähler:innen, um über die Gründe zu sprechen, die sie vom Wählen abhalten. Ziel des überparteilichen Projektes war es dabei nicht, Wahlempfehlungen auszusprechen, sondern unsichere Wahlberechtigte zu unterstützen, eine informierte Entscheidung zu treffen. Die Landeszentrale Bremen wollte mit den Wahlscouts auch ein Signal senden: „Menschen gehen nicht nur nicht wählen, weil sie nicht wollen oder können, sondern auch, weil niemand sie gebeten hat, wählen zu gehen. Wählen ist auch ein sozialer Akt“ so die Projektleiterin Lisa Peyer. METHODEN Kontakt Lisa Peyer E-Mail: lisa.peyer@lzpb.bremen.de 32 Wahlmobilisierung an der Haustür: Persönliche, aufsuchende Ansprache von Wähler:innen und die Vermittlung des Wahlgangs als gemeinsamer und sozialer Akt, um einen Anstieg der Wahlbeteiligung bewirken. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 WIE LASSEN SICH DIE MASSNAHMEN DER AUFSUCHENDEN POLITISCHEN BILDUNG KATEGORISIEREN ? 33 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WIE LASSEN SICH DIE MASSNAHMEN DER AUFSUCHENDEN POLITISCHEN BILDUNG KATEGORISIEREN? Gemeinsames Ziel aller Maßnahmen der aufsuchenden politischen Bildung ist es, Menschen anzusprechen, die von klassischen Formaten der politischen Bildung nicht erreicht werden. Dafür müssen neue Zugänge gesucht und Hemmschwellen abgebaut werden. Wie gehen aufsuchende politische Bildner:innen dabei vor? Auf welche unterschiedlichen Weisen begegnen sie diesen Herausforderungen? Wir haben die hier vorgestellten Projekte untersucht und nach verschiedenen Kategorien von Herangehensweisen einer aufsuchenden politischen Bildung geordnet. 1. RÄUMLICHE KATEGORIEN An welchen Orten findet aufsuchende politische Bildung statt? In den vorgestellten Projekten werden zwei Vorgehensweisen deutlich: 1.1. AN VERTRAUTEN ORTEN Zentrales Prinzip der aufsuchenden politischen Bildung ist die sogenannte „Geh-Struktur“. Sie wartet nicht darauf, dass Menschen in sozial benachteiligenden Lebenslagen endlich den Weg in die Seminar- und Tagungsräume der klassischen politischen Bildung finden. Stattdessen suchen die aufsuchenden politischen Bildner:innen diese Menschen dort auf, wo sie sich alltäglich aufhalten. Das können etwa Gaststätten im Ort sein, Stadtteilzentren, Shopping Malls, das Elterncafé in der Schule der Kinder, eine alte Fabrik im Viertel; die hier vorgestellten Beispiele zeigen: aufsuchende politische Bildung kann sogar in einer Straßenbahn des öffentlichen Verkehrs stattfinden. Ziel ist es dabei vor allem, Hemmschwellen zum Hinkommen und Dabeisein abzubauen. 1.2. IM ÖFFENTLICHEN RAUM Will die aufsuchende politische Bildung dorthin gehen, wo die Menschen sich alltäglich aufhalten, kommt sie um den öffentlichen Raum nicht herum. In einer Zeit, in der auch ohne Pandemie immer weniger Begegnung und Austausch zwischen unterschiedlichen Menschen auf den Straßen stattfinden, ist die Inszenierung von Gesprächen im öffentlichen Raum selbst schon ein demokratischer Akt. Mögliche Reaktionen der Passant:innen reichen von kommentarlosem Weitergehen oder vorsichtigem Zusehen aus der Distanz über kurze Dialoge hin zu langen Gesprächen. Gut zu wissen: Auch bei scheinbar nicht vorhandenen Reaktionen nehmen Menschen aus den Augenwinkeln die Aktionen der aufsuchenden politischen Bildung wahr. Wer als politische:r Bildner:in regelmäßig an einem bestimmten Punkt im Stadtraum steht, hat gute Chancen, dass die Menschen zwar nicht beim ersten Mal, aber doch bei der dritten oder vierten Begegnung stehenbleiben. 34 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 2. THEMEN-KATEGORIEN Zu welchen Themen findet aufsuchende politische Bildung statt? Nicht nur die ausgewählten Orte, sondern auch die Themenwahl kann darüber entscheiden, wie einladend ein Angebot auf die Zielgruppe wirkt. In den hier vorgestellten Projekten der aufsuchenden politischen Bildung wurden folgende Themengebiete bereits erprobt: 2.1. GRUNDGESETZ UND MENSCHENRECHTE Das Grundgesetz als Ausdruck der grundlegenden Rechte von allen Menschen in Deutschland bietet sich als Ausgangspunkt an. Vor allem der Zusammenhang zwischen den Themen der Alltagsbewältigung (lebensweltliche Themen) einerseits und dem Grundgesetz andererseits wurde von vielen der hier vorgestellten Projekte der aufsuchenden politischen Bildung erarbeitet. Ähnliches könnte auch auf Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durchgeführt werden. 2.2. WAHLEN UND ANDERE BETEILIGUNGSWEGE Wahlen sind in einer Demokratie eine der wichtigsten Beteiligungsmöglichkeiten. Sie bieten sich als Thema für die aufsuchende politische Bildung an, wie die hier vorgestellten Projekte zeigen. Sie bieten Informationen und explizite Einladungen zum Wählengehen. Damit können Hürden genommen werden, die zuvor die Teilnahme mancher Menschen an den Wahlen verhinderten. Außerdem sind in europäischen Städten mittlerweile rund 20% Prozent der Bevölkerung (also gut jede:r Dritte) nicht wahlberechtigt, weil sie keine inländische Staatsbürger:innenschaft besitzen. Für diese Menschen wurden Maßnahmen der aufsuchenden politischen Bildung entwickelt, die darüber informieren, welche Beteiligungswege stattdessen offenstehen. § 2.3. THEMEN MIT ALLTAGSRELEVANZ Aufsuchende politische Bildung greift besonders auch jene Fragestellungen und Themen auf, welche für die Menschen eine hohe Relevanz für ihren Alltag haben. Wenn politische Bildung Menschen in sozial benachteiligenden Lebenslagen erreichen will, dann muss sie ihnen einen Mehrwert für die Bewältigung der alltäglichen Herausforderungen bieten. So wird deutlich, dass Politik nicht nur im Großen, sondern auch die Lebensumstände der Einzelnen prägt und gestaltet. Die hier vorgestellten Projekte der aufsuchenden politischen Bildung arbeiten heraus, dass die Lebensumstände der Einzelnen viele gesamtgesellschaftliche Fragestellungen berühren – selbst wenn sich Menschen selber als „unpolitisch“ verstehen sollten. 35 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 3. METHODISCHE KATEGORIEN Wie findet aufsuchende politische Bildung statt? Welche didaktischen Ansätze lassen sich in den hier vorgestellten Projekten der aufsuchenden politischen Bildung unterscheiden? Wir haben die folgenden methodischen Kategorien gefunden: 3.1. GESPRÄCHE ERMÖGLICHEN In der aufsuchenden politischen Bildung besteht eine der Hauptaufgabe darin, Situationen zu ermöglichen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Aber reicht das bereits aus, um von politischer Bildung zu sprechen? Viele der von uns vorgestellten Projekte, stellen das miteinander Reden in den Mittelpunkt ihrer Zielvorgaben. Bei der Durchführung der Projekte wurde deutlich, dass der gemeinsame Austausch über lebensnahe sowie politische Themen gefördert werden muss. Dies ist besonders wichtig, weil die Orte des Austausches zunehmend fehlen und weil die Praxis des miteinander Redens geübt und gelernt werden kann. Die Teilnahme an solchen Gesprächen ermöglicht es, sich selbst bei einer Meinungsbildung, vielleicht sogar bei einer Meinungsäußerung zu erleben. Als respektvoller Austausch von Meinungen kann so Demokratie als Lebenspraxis erfahren werden. Die von uns ausgewählten Projekte zeigen dabei, wie die Begegnung von heterogenen Gruppen auf unterschiedlichste Art ermöglicht und unterstützt werden kann. 3.2. BEGEGNUNG ERMÖGLICHEN Was steht im Vordergrund? Das gemeinsame Kochen oder der angeregte Austausch über die Möglichkeiten und Erfordernisse der lokalen Nahversorgung, die währenddessen geführt wird? Bei Projekten der aufsuchenden politischen Bildung, die die aktive Begegnung als methodischen Ansatz in den Vordergrund stellen, tritt diese Frage in den Hintergrund. Das gemeinsame Spielen, Kochen oder Singen (wie in den hier vorgestellten Projekten) senkt die Hemmschwelle, um mit noch unbekannten Menschen in ein Gespräch zu kommen. So werden beiläufige Diskussionen ermöglicht, die gerade deshalb umso persönlicher sind und damit interessanter und bedeutsamer für die eigene Lebenswirklichkeit. 36 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 3.3. KÜNSTLERISCHE ZUGÄNGE Kooperationen mit Künstler:innen bietet für Institutionen der politischen Bildung eine große Chance. Sie erhoffen sich dadurch meistens Aufmerksamkeit für das Projekt, kreative neue Zugänge zu bekannten Themen, sowie weniger Hürden für Interessierte. Und trotzdem sind Institutionen bei solchen Kooperationen manchmal eher zurückhaltend. Kann ein so offener Prozess wie ein künstlerischer die Anforderungen einer politischen Bildung erfüllen? Wie die hier vorgestellten Beispiele zeigen, können Teilnehmende an solchen Projekten genau von dieser Offenheit profitieren. Wenn sie selbst in die Rolle der Künstler:innen schlüpfen, lernen sie ihre Vorstellungen und Meinungen künstlerisch zur Diskussion zu stellen. Hemmschwellen können abgebaut werden, etwa bei der Auseinandersetzung mit Themen wie dem Grundgesetz, weil zunächst so gut wie jede Idee aufgenommen werden kann. Künstlerische Zugänge können den Teilnehmenden ein Gefühl der Aufwertung ihrer Meinung und ihrer Beiträge ermöglichen, wenn diese zum Beispiel Teil einer Ausstellung oder Lesung werden. 3.4. STORYTELLING Auch mit dem Storytelling, dem Geschichtenerzählen (lassen), arbeiten einige der hier vorgestellten Projekte der aufsuchenden politischen Bildung. Menschen werden eingeladen, von sich und ihren Erfahrungen zu berichten. Das hat mehrere Effekte. Zum einen: den Erzählenden wird eine Stimme und ein Forum gegeben. Andere wollen hören, was sie zu sagen haben. Zum anderen: Die Erzählenden werden mit ihren jeweils eigenen Ressourcen und Sinndefinitionen gesehen und anerkannt. Erzählen mehrere Nachbar:innen eines Stadtteils, kommt so sogar eine gemeinsame Kiez-Erzählung zustande: Welche unterschiedlichen Erfahrungen prägen die Gegend? Welche Kompetenzen sind hier vorhanden? Auch die Wertschätzung von Vielfalt und Eigensinn wird gefördert. Viele stellen im Rahmen einer Storytellingaktion fest: viele Menschen haben mehr drauf, als vermutet. 37 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG EINE BESTANDSERHEBUNG IN DEUTSCHLAND 2021 GELINGENSBEDINGUNGEN FÜR AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 38 AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG WAS SIND DIE GELINGENSBEDINGUNGEN FÜR AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG? Was muss beachtet werden, damit Vorhaben der aufsuchenden politischen Bildung ihre Zielsetzungen erreichen? Welche Tipps haben erfahrene Akteur:innen der aufsuchenden politischen Bildung für das Gestalten erfolgreicher Projekte? Wir haben dazu mit den Expert:innen für aufsuchende politische Bildung Lars Meyer von der Demokratiewerkstatt Krefeld, mit Christina Herrmann von der Demokratiewerkstatt Stollberg und mit Maëlle Dubois von dem Projekt PartQ von Minor – Wissenschaft Gesellschaft mbH gesprochen. Zusätzlich wurden Gelingensbedingungen benannt von Koordinator:innen von Projekten der aufsuchenden politischen Bildung, die durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert werden. Dies sind Thomas Stange von pad gGmbH, Jelena Vukmanovi von ImPULS e.V., Helena Klaßen von Vielfalt e.V., Martin Kleinfelder von Roter Baum Berlin UG, Hasan Kuzu von outreach gGmbH, Duygu Bräuer von Offensiv ´91 e.V. sowie Jenny-Antonia Schulz von der Fabrik Osloer Straße e.V. . AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG GELINGT, ... 1 … wenn wir in unserer Bildungsarbeit konsequent von den Motiven der Menschen vor Ort ausgehen (Interessensorientierung). Die Angebote müssen den Bedarfen und Interessen der Menschen vor Ort entsprechen und ihnen nutzen. Statt die Menschen für abstrakte Zielstellungen („Erwerb demokratischer Kompetenzen“ etc.) zu instrumentalisieren, geht es darum, ihnen in den Bildungsangeboten einen konkreten Mehrwert und eine Handlungsoption für die Bewältigung ihres oft herausfordernden Alltags zu bieten. Unser Bildungsformat ergibt so einen unmittelbaren Sinn für diejenigen, die daran teilnehmen. Vor der Entwicklung jeglichen Angebotes einer aufsuchenden politischen Bildung sind die Frage zu stellen: Was haben die Menschen davon? Was könnte sie motivieren, mitzumachen? Gleichzeitig geht es in der aufsuchenden politischen Bildung aber nicht darum, sozialpädagogische Lebensbewältigung zu trainieren. Dies ist wichtig, aber geschieht in sozialpädagogischen Angeboten. Die aufsuchende politische Bildung ist dafür da, um den Menschen vor Ort Möglichkeiten der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse und der Verwirklichung individueller (Menschen-) Rechte aufzuzeigen. 39 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 2 ... wenn wir den Alltag der Menschen vor Ort in das Zentrum unserer Bildungsarbeit stellen (Erfahrungsorientierung). Eine gelingende aufsuchende politische Bildung setzt an den Alltagserfahrungen der Menschen in ihrer Lebenswelt an und geht von den Fragestellungen aus, die von ihnen selbst als relevant betrachtet werden. Unsere Bildungsangebote begleiten die Menschen vor Ort dabei, die Wirklichkeit, in der sie ihre Erfahrungen machen, zu verstehen und auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin zu analysieren („Das ist also nicht nur mein Problem!“). Wir betrachten die Menschen vor Ort als Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt. Aufsuchende politische Bildung arbeitet mit dem didaktischen Prinzip des exemplarischen Lernens. Dieses geht davon aus, dass auch komplexe, gesamtgesellschaftliche Inhalte anhand einzelner, konkreter Beispiele aus dem Alltag und dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Menschen (wie etwa Familie, Nachbarschaft, Schule der Kinder, Behördenkontakte) hergeleitet und bearbeitet werden können. 3 40 Viele Praktiker:innen einer aufsuchenden politischen Bildung weisen darauf hin, dass es sinnvoll sein kann, den Begriff „Politik“ in der direkten Arbeit mit den Menschen vor Ort ganz zu vermeiden. Dieser Begriff ist für viele Menschen eindeutig besetzt mit der „großen“ (Parteien-)Politik – einem Bereich, den sie häufig als fremd, entfernt und nicht zu ihrem Alltag gehörig empfinden. Stattdessen thematisiert eine gelingende aufsuchende politische Bildung das alltägliche Erleben der Menschen vor Ort – und zeigt auf, was zwischen dem Aufstehen morgens und dem Einschlafen abends nicht nur individuelle Erfahrung, sondern gleichzeitig gesellschaftliches Thema ist. ... wenn wir im Sozialraum gut vernetzt sind. Damit wir die Motivlagen und die Alltagserfahrungen der Menschen vor Ort kennen können, ist eine gute Vernetzung mit den unterschiedlichen Akteur:innen im Sozialraum nötig. Dies sind beispielsweise soziale Träger vor Ort, die mit Menschen in benachteiligenden Lebenslagen arbeiten. Wo vorhanden, ist auch ein enger Kontakt zu intermediären Instanzen wie Quartiersmanager:innen und Stadtteilkoordinator:innen, aber auch zur Kommunalpolitik von Vorteil. In vielen Stadtteilen oder Gemeinden gibt es Stadtteilverbünde, die bereits viele dieser Akteur:innen regelmäßig an einen Tisch holen. Die politischen Bildner:innen sollte sich unbedingt um einen Platz an diesem Tisch bemühen. Von besonderer Bedeutung ist die möglichst persönliche Kontaktpflege mit sogenannten „Brückenpersonen“, oft Sozialarbeiter:innen in Treffpunkten, an denen sich Menschen in benachteiligenden Lebenslagen aufhalten wie etwa Schulsozialarbeiter:innen (Elterncafé etc.), Mitarbeiter:innen in Beratungsstellen, Stadtteilzentren oder Mehrgenerationenhäusern. Über diese Kontakte können wir wertvolle Informationen über die aktuellen Themen und Interessen der Menschen vor Ort erhalten, mit diesem Wissen können gemeinsam passgenaue Angebote einer aufsuchenden politischen Bildung entwickelt werden. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 4 ... wenn wir Menschen vor Ort als Gastgeber:innen von aufsuchender politischer Bildung gewinnen können. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen in benachteiligenden Lebenslagen sich schwer damit tun, als Einzelperson einen ihnen fremden Ort (etwa einen Träger der politischen Bildungsarbeit) aufzusuchen. Erfolgversprechender ist es, die politische Bildung dahin zu tragen, wo sich die Menschen vor Ort bereits ohnehin versammeln. Das können Treffpunkte sein wie zum Beispiel Grundbildungskurse, Stadtteiltreffs, Begegnungs-Cafés, ein Verein oder eine Initiative, Kiezfrühstücke in Quartiersbüros oder in religiösen Gemeinden. Als aufsuchende politische Bildner:innen suchen wir aktiv die Zusammenarbeit mit diesen Treffpunkten. Ein Vorteil dieses aufsuchenden Vorgehens ist, dass die Teilnehmenden sich in ihren bereits bekannten Räumen treffen, was einer positiven und offenen Atmosphäre förderlich ist. Dazu kommt, dass den Teilnehmer:innen der festen Gruppe dadurch eine Art Gastgeber:innenrolle zukommt. Von Beginn an sind sie also nicht nur passive Teilnehmende, sondern haben eine aktive Funktion inne. Um diesen Effekt noch zu verstärken, empfiehlt es sich, bei solchen „Gastauftritten“ in bestehenden Gruppen und Kursen eine ausreichend lange, informelle Phase zu Beginn der Kurseinheiten einzuplanen, in der die gastgebende Gruppe sich und ihre Arbeit oder ihre Aktivitäten vorstellt. Dies ist eine gute Basis für eine gleichberechtigte Begegnung von Teilnehmer:innen und Bildner:innen und eine weitere Möglichkeit für die Bildungsbegleitung, die Lebenswelt der Teilnehmer:innen kennenzulernen. 5 ... wenn wir Wirksamkeitserfahrungen in konkreten Beteiligungsprozessen ermöglichen. Am Beispiel der Demokratiewerkstätten wird deutlich: Aufsuchende politische Bildner:innen können konkrete Beteiligungsprozesse vor Ort initiieren, moderieren und begleiten. Ihre besondere Aufgabe besteht dann darin, das Beteiligungsverfahren inklusiv zu gestalten – etwa, indem sie von Beginn an bei der Themensammlung und bei der Analyse möglicher Stakeholder im Sozialraum wirklich alle Betroffenen mitdenken - und nicht nur diejenigen, die in einer eingetragenen Rechtsform organisiert sind. Auch Menschen, die bislang noch wenig Erfahrung mit der Teilnahme an Beteiligungsverfahren gemacht haben, werden von ihnen direkt angesprochen und zum Mitmachen eingeladen. Die aufsuchenden politischen Bildner:innen sind die Anwält:innen des Diversitätsprinzips und sorgen dafür, unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Erfahrungshintergründen an den gemeinsamen Tisch zu bekommen. Inklusive Prozessbegleitung bedeutet auch, die weiteren Gespräche im Verfahren so zu moderieren, dass sich alle wohlfühlen können. Das kann bedeuten, den einen Teil der noch Beteiligungsunerfahrenen zu ermutigen – und den anderen Teil immer wieder darauf hinzuweisen, dass diverse Prozesse wertvoll sind und gegenseitige Rücksichtnahme erfordern. Die von uns interviewten Expert:innen weisen darauf hin, dass dabei Ehrlichkeit wichtig ist: Wir ermutigen zum Mitgestalten, aber geben dabei nicht das falsche Versprechen, dass alles einfach realisierbar und möglich sei: „Das sagt ja schon der Name Demokratiewerkstatt: Hier können Sie mitbestimmen, aber es ist nichts Fertiges und auf das Mitwirken möglichst vieler Menschen angewiesen.“ (Christina Herrmann, Demokratiewerkstatt in Stolberg). 41 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 6 ... wenn wir bereit sind, eher zuzuhören als zu „senden“. Aufsuchende politische Bilder:innen müssen viel kommunizieren. Sie tun dies, um sich mit Trägern und Kommunalpolitiker:innen zu vernetzen, um mit den wichtigen Brückenpersonen ins Gespräch zu kommen und nicht zuletzt, um die Menschen vor Ort und ihre Interessen, Belange und Bedürfnisse kennenzulernen. Menschen, die bislang in politischen Partizipationsformen wenig präsent sind, werden dazu ermutigt, sich Gehör zu verschaffen – dies ist ein zentrales Ziel der aufsuchenden politischen Bildung. Für die aufsuchenden politischen Bildner:innen folgt daraus ganz konkret, viel Zeit darauf zu verwenden, den Menschen vor Ort tatsächlich zuzuhören: „Es ist wichtig, lange im Zuhören zu bleiben – nicht primär zu senden, sondern zu empfangen, was im Stadtteil Thema ist.“ (Christina Herrmann, Demokratiewerkstatt in Stolberg). Auch hier spielt wieder die konsequente Ausrichtung der eigenen Angebote an den Motivlagen der Menschen vor Ort hinein: statt ein festes Curriculum bringen die aufsuchenden politischen Bildner:innen die Bereitschaft mit, sich ganz auf die Themen der Menschen im Stadtteil einzulassen und Lernprozesse gemeinsam zu gestalten. 7 42 ... wenn wir einen konsequent ressourcenorientierten Blick auf die Menschen vor Ort richten. Statt von „politikfernen Zielgruppen“ auszugehen, die „sich eben nicht für Politik interessieren“, sehen die aufsuchenden politischen Bildern:innen in den Menschen vor Ort vor allem Expert:innen ihres eigenen Alltags. Dieser Alltag ist durchdrungen von überindividuellen Themen und Interessen (z. B. Familienpolitik, Bildungspolitik, Sozialpolitik, Wohnungspolitik, Verbraucherschutzpolitik, Gesundheitspolitik). „Die interessieren sich eben doch für Politik“ – und unsere Aufgabe als aufsuchende politische Bildner:innen ist es, die Vermittlung zwischen Lebenswelt und Politikfeldern zu begleiten. AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG 8 ... wenn wir genügend Geduld mitbringen. Eine weitere Erfahrung aus der Praxis der aufsuchenden politischen Bildung: es lohnt, auch mit zu Beginn noch kleinen Gruppen in Beteiligungs- und Bildungsprozesse zu starten. Das Gehört- und Gesehen werden in diesen Angeboten spricht sich herum. Die Gruppen werden nach und nach größer. Auch bei Formaten der aufsuchenden politischen Bildung, die direkt im Straßenraum stattfinden (wie zum Beispiel eine Open-Air-Ausstellung mit Gesprächsangebot, eine aktivierende Befragung vor dem Supermarkt) zeigt sich oft: Ein langer Atem wird belohnt. Wer am ersten Tag der Aktion noch weit entfernt stehen blieb und nur vorsichtig herüberlinste, kommt am zweiten Tag schon etwas näher – um am dritten Tag sich ein Herz zu fassen und mitzumachen. Menschen brauchen Zeit, um Hemmungen Fremden gegenüber zu überwinden. Wer ein Angebot nicht nur einmalig, sondern immer wieder macht, erhöht die Chancen, dass sich Vertrauen bildet und sich diese Hemmungen auflösen. Auch den fördernden Stellen raten die befragten Expert:innen einen langen Atem an: Gelingende aufsuchende politische Bildung braucht Zeit – und eine längerfristige Förderung. 43 A AUFSUCHENDE POLITISCHE BILDUNG BERLINER LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG WER WIR SIND Die Berliner Landeszentrale für politische Bildung ist eine staatliche überparteiliche Bildungseinrichtung. Ihre Angebote zu Demokratieförderung, politischer Teilhabe und politischer Bildung richten sich an alle Berlinerinnen und Berliner. Wir ermuntern dazu, die eigenen Interessen aktiv in demokratische Entscheidungsprozesse einzubringen. WAS WIR ERREICHEN MÖCHTEN Unser Motto „verstehen | beteiligen | verändern“ veranschaulicht unser Ziel. Wir wollen Orientierung in einer unübersichtlichen Welt bieten. Dabei stellen wir unterschiedliche Standpunkte zur Diskussion und regen die eigene Urteilsbildung an. Wir wollen die Berlinerinnen und Berliner darin unterstützen, Verantwortung für die Demokratie wahrzunehmen. Wir fördern bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage und motivieren zu politischer Teilhabe. WEN WIR ERREICHEN WOLLEN Wir sprechen alle Einwohnerinnen und Einwohner Berlins an – in all ihrer Verschiedenheit. Wir wollen sowohl Menschen erreichen, die sich für Politik interessieren, als auch Menschen, denen politische Fragen bisher eher fern liegen. Mit anderen Akteuren der politischen Bildung diskutieren wir aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Handlungsperspektiven. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung, Kultur, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft wollen wir als Partnerinnen und Partner der politischen Bildung gewinnen. WAS WIR MACHEN Wir veranstalten Foren zu aktuellen Themen, Tagungen zu Fragen der politischen Bildung, Fortbildungen, Lesungen, Stadtrundgänge, Filmvorführungen usw. . Wir stellen Bücher zu politischen, gesellschaftlichen und historischen Themen bereit. Jede Berlinerin und jeder Berliner kann pro Quartal maximal vier Bücher erhalten. Daneben produzieren wir eigene Publikationen, die aktuelle Berliner Themen auch in einfacher Sprache vermitteln. Mit Online-Angeboten, Ausstellungen, Kampagnen, Projekten und Events und der finanziellen Förderung von Bildungsprojekten runden wir unser Angebot ab. Zusätzlich unterstützen wir unsere Partnerinnen und Partner aus Vereinen und Initiativen und fördern ihre Vernetzung. Aktuelle Informationen finden Sie unter: www.berlin.de/politische-bildung Abonnieren Sie unseren Newsletter: www.berlin.de/politische-bildung/politikportal/newsletter Verbinden Sie sich mit uns über Facebook: www.facebook.com/BeLapoBi UNSERE THEMEN Im Mittelpunkt stehen für uns die Themen Demokratie, Beteiligung und gesellschaftliche Vielfalt in Berlin. Wir laden dazu ein, auf Grundlage der Menschenrechte gemeinsame Ideen für das demokratische Zusammenleben in Berlin zu entwickeln. Dabei nehmen wir Geschichte, Gegenwart und Zukunft in den Blick. WAS UNS AUSMACHT Als staatlicher Akteur unterliegen wir öffentlicher parlamentarischer Kontrolle. Ein Kuratorium aus zehn Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses begleitet unsere Arbeit und achtet dabei auf die Überparteilichkeit. 44 Bildnachweise Titelbild: Pixabay, Gerd Altmann, (bearbeitet) Innenseiten: S. 21: Pixabay, note-1417670_960_720 S. 22: Flaticon Freepik, Pizza S. 23: PIXABAY, Ohr Ohrmuschel Hören S. 27: CLEAN PNG, Computer Icons, Säulen S. 30: Flaticon Freepik, Theatermasken S. 31 unten: Flaticon Freepik, Abstimmung Alle weiteren Icons: Corporate Design Berlin S. 34 oben: iStock, Bild-ID 863750450 S. 34 unten: Pixabay, skyline-297219 S. 35 unten: iconscout.com, checklist, SuperNdre S. 36 oben: Pixabay group-1962587 S. 36 unten: Pixabay cooking-5412012 S. 37 oben: cleanpng, Palette und Pinsel S. 37 unten: Alamy, RAEWE6 S. 43: Alamy,TWNFP7 Silhouettenband ‚Stadtszenen‘: Gestaltung unter Verwendung von Bildelementen folgender Agenturen: 123rf, Alamy, Canstock, cleanpng, Deposit, FreeIconsLibrary, freepik, iStock, Pinterest, Pixabay, pngwing, veczeezy, Vektorstock. 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