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Band 11 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 11 Band 11 (Public Domain)

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fällte, doch am Ende geprüft hat, was vorliegt. Einige Jahre 
später nahm sein Arzt und dessen Gattin, die Nichte des 
Grafen Moltke, mein Interesse für die damalige Gattin des 
Nebenklägere :— Anspruch. Der Eindruck, den die Dame 
machte, war wirklich ein absolut zuverlässiger. Sie zeigie 
keinerlei Exzentrizität im Wesen. Sie sprach durchaus 
nicht gehässig von ihrem früheren Gatten, wenn sie auch 
manches sagte, was mich in einzelnen Punkten mißtrauisch 
machte, Zwei ©° ”" "lich gesunde Leute wie Cie Schwenin- 
gerschen Ekel} >cher richt den gering = Grund zu 
einem Mißtrauer ‘= Ics Frau, und aucl. “re Rechts- 
vertreter hielten © . "yrchaus glaubwür’ig. Ich habe 
dann eingehend dii Zlıc7-" idungsakten geprült und mir 
mein Urteil gebildet. "U .hre lang habe ich diese Sa- 
chen wie andere Erlebriss: .2i mir gehabt, es war gar kein 
Grund vorhanden, mich irgendwie mit der Angelegenheit zu 
beschäftigen. Ich habe ja auch von der Ehe gar nichts ge- 
schrieben. Harden erörterte hierauf eingehend die einzelnen 
Artikel, um zu zeigen, daß die darin gesuchten Beleidigun- 
gem nicht ausgesprochen seien. Er wendete sich u. a. da- 
gegen, daß nur er es gewesen sei, der von einer Kamarilla 
gesprochen habe. Ich habe im Gegent-i', so ztwa fuhr Har- 
den fort, nie etwas von einer Kam." _— He Welt gebracht. 
Dutzende von anderer. ., its ger ‚con ‚ange Zeit vorher 
schon etwas von einer Kulenk- > Zarmarilla veröffentlicht. 
Ob eine Kamarilla bestanc. cder nie!" "ird schwer nachzu- 
weisen sein, denn solange es HMöfr gg! wird sich niemand 
bereit finden, zu beeiden, daß es eine Kamarilla gibt. Das 
Wesen einer solchen besteht ja gerade darin, daß sie un- 
sichtbar ist. Eine Kamarilla wird natürlich nicht im Tele- 
phonbuch zu finden sein. Ebenso wie meine politischen 
Gegner mitunter Tatsachen verölfentlicher, deren Richtig- 
keit sie vor Gericht nicht beweisen könr-r. zo ist es auch 
in diesem Felle sehr schwer, in dercrlix” “ıgen einen 
vollgültigen Beweis zu erbrinzen. Wenr z. B. jemand 
schreibt, ein Minister ist aus diesem oder jenem Grunde 
gegangen, und er soll dies vor Gericht beweisen, so wird es 
heißer, er ist aus Gesundheitsrücksichten gegangen. — Der 
von mir in dem bekannten „Nachtgespräch“ gebrauchte
	        
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