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Sein Modell

Full text: Gross-Berlin / Duncker, Dora (Public Domain)

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gleich so nervös sein! Du sollst aufhören lassen. 
Wir wollen zu Tisch gehen!“ 
„Schon, Papa? Es ist kaum acht Uhr!“ Etwas 
wie Enttäuschung stieg in dem feinen, blassen Ge- 
sichtchen auf. 
„Hat die Franke Dir zu sagen vergessen, dass 
um acht gegessen werden soll? Du weisst doch, 
Kindchen, ich liebe die späten Stunden nicht.“ 
„Ach ja!“ seufzte Hedda resigniert, 
Der Kommerzienrat lächelte. 
„Ja, ja, meine altmodischen Ansichten sind Dir 
ein Dorn im Auge, mein Kind, aber Du musst Deinen 
Vater nun einmal verbrauchen wie er ist.‘ 
Hedda wurde rot, 
„Ach, so meinte ich’s ja gar nicht, Papa.‘ 
„Na, lass gut sein und sorge, dass die jungen 
Leute“ — er warf einen Blick auf die alte Uhr — 
„in fünf Minuten im Gartensaal sind.“ 
Hedda nickte stumm und richtete dabei einen 
neuen langen, gespannten Blick auf die Strasse 
hinaus, Dann löste sie die Partie auf und bat die 
jungen Damen und Herren, ihr in den Gartensaal 
zu folgen, der einfach und ländlich ausgestattet, 
dafür aber mit einer Fülle seltener Blumen ge- 
schmückt war. 
Die vorher festgesetzte Tischordnung machte 
das Arrangement leicht. Binnen weniger Augen- 
blicke hatte die ziemlich zahlreiche Gesellschaft ihre 
Plätze eingenommen. Der Sitz zur Linken Heddas 
war leer geblieben. 
„Eine verspätete Absage,“ meinte sie verlegen. 
Allein die Thatsachen straften ihre Worte Lügen. 
Die mit einer kräftigen Bouillon gefüllten Empire-
	        
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