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Roßschlächterei.
Die Roßschlächterei.
Die erste Roßschlächterei wurde in Berlin im Jahre 1847 mit besonderer
Rücksicht auf die in jenem Jahre herrschende allgemeine Theuerung aus Veraulasstiug
des Vereins gegen Thierquälerei errichtet.
Im Jahre 1872 betrug, die Zahl der Roßschlächter in Berlin 17, im Jahre
1881 36. Die Zahl der geschlachteten Pferde wuchs seit 1872 in folgender Weise:
1872 3 141 Pferde, 1884 5 675 Pferde,
1875 3 776
1877 4 739
1880 5 728
1881 6 604
1882 6 272
1883 6 154
1885 5 894
1886 5 723
1887 5 999
1888 7 051
1889 7 969
1890 8 398
In den letzten Jahren mußten erheblich mehr Pferde als früher vom Schlachten
zurückgewiesen werden; seit 1881 bis 1885 sind 830 Pferde weniger vorgeführt,
34 Pferde mehr als früher abgewiesen, also 864 weniger in den Verkehr
gebracht worden.
Unter Roßschlächtern werden seit Erlaß der Polizei-Verordnung vom 24. März
1854 nur die Verarbeiter und Verkäufer von Roßfleisch verstanden, da das Todten
und Zerlegeil der Pferde nlir in der Central-Roßschlächterci stattfinden darf.
Die Verkaufsstätten für Roßfleisch und dessen Zubereitung müssen mit der
dcutlichcil Bezeichilung „Roßfleisch-Verkauf" versehen fein und bei der Revier-Polizei
angemeldet lverdcu.
In der Central-Roßschlächterei, in welcher kein Fleischverkauf stattfinden darf,
befinden sich drei Schlachtkaimnern von je 56 qm Bodenfläche, ein Asservationsraum
für die bei der zweiten, innerlichen Untersuchung ungeeignet befundenen ganzen
Pferde uild einzelnen Theile, ein Aufbewahrungsraum für Felle und einer für Hufe,
ein Stall zur Aufnahme der zu untersuchenden Pferde, ein Stall zur Absperrluig
seuchenverdächtiger Pferde, citt Raum zur Aufstellung des Blutes, behufs Gewinnung
des Blutserums zum Zwecke der Albuminbereitung, ein Raum zur Aufbewahrung
von Fleisch, welches von Privatleuten behufs thierärztlicher Untersuchung eingeliefert
wird, ein Raum zuin Untersuchen der Eingeweide nach dem Schlachten, welcher mit
den Schlachtkammern in direkter Verbindung steht, ein Haus zur Untersuchung
lebender Pferde und ein Büreau für die Veterinair-Polizei-Beamten.
Die Untersuchung der Pferde geschieht werktäglich und ivird von einem Kreisthierarzt
lind einem Polizei-Thierarzt unter Assistenz eines hierzu besonders koinmandirten
Polizei-Wachtmeisters ausgeführt.
Der größte Theil der geschlachteten Pferde stammt nicht aus Berlin, sondern
wird von Roßschlächtern oder deren Händlern auf den Pferdemürkten in den
Provinzen gekauft und oft über 40 Meilen weit nach Berlin hergeschafft.
Der Preis des Fleisches ist verschieden uild beträgt für das halbe Kilo voll
Zunge 50 Pfennig
Filet . 25—30 -
anderem Fleisch 20—25 -
Gehirn 25—30 -
Leber 25 -
Fleisch zu Hundefuttcr . . 10 -
Verschiedene Gründe, insbesondere der schwunghafte Handel, welcher in ileuerer
Zeit mit Wurst aus Pferdefleisch ohne Deklaration des Inhaltes betrieben
wurde, veranlaßte das Polizei-Präsidium, die Polizei-Verordnung vom 24. März
1854 im Jahre 1885 einer Revision zu unterziehen, welche zu mehrfachen Änderungen
bezw. Vervollstäildigungcn der alten Bestiinmungeil führte.