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Full text : Reden gehalten im Festsaale des Berliner Rathauses (Public Domain)

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Aber es wäre allerdings zu früh, meine verehrten Herren,
wenn wir schon uns anschickten, der lex Heinze gleichsam über
das Grab zu schießen. Someit sind wir noch lange nicht,
und die Geschichte dieser lex Heinze zeigt uns, wie wir von
allzu großer Vertrauensseligkeit uns haben in die Lage bringen
lassen, in der wir jetzt, heute noch ziemlich geklemmt stehen, —
denn wir erinnern uns ja noch Alle, wie diese Jex Heinze
ihr gequältes Dasein begonnen hat. Es sind das jetzt
10 Jahre her.
Vor 10 Jahren, als der Prozeß Heinze Berlin in Auf—
regung versetzte, da war unser Kaiser derjenige, der in diesem
Chor seine Stimme erhob. Er, in der Autorität, die ihm
zukommt, gab demjenigen, was ja die Mehrzahl fühlte, einen
treffenden Ausdruck, indem er sagte, daß Berlin erschrocken
stehe vor dem Abgrunde, den das Zuhälterthum, die Pro—
stitution vor uns eröffnet habe, und er fügte hinzu, daß er
überzeugt sei, die ganze Berliner Bevölkerung theile diese An—
sicht. Ja, m. H., wir theilen diese Ansicht auch, und wir
constatiren mit Befriedigung, daß von dem, was uns heute
zusammenführt, in dem kaiserlichen Briefe auch nicht ein Wort
gestanden hat. Das ist Alles hinten angeklext worden.
So erschien diese lex Heinze zuerst. Sie enthielt eigentlich
nur ein Echo der kaiserlichen Worte. Man ließ sie versumpfen.
Aber es fanden sich bald Bestrebungen, die es für nützlich
erachteten, die gegebene Anregung aufzunehmen und in ihrem
Sinne auszubauen, und es kam die lex Heinze in ihrer
zweiten Auflage zu uns, damals eingebracht vom Centrum.
Da standen denn schon alle die Fußangeln drin, da waren
schon alle die gefährlichen Paragraphen, die wir heute
bekämpfen, in denen wir eine große Gefahr für unsere künst—
lerische und bürgerliche Freiheit sehen.
Allein auch dieser Vorschlag versumpfte. Aber nun kam
            
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