Path:
Text

Full text: Reden gehalten im Festsaale des Berliner Rathauses (Public Domain)

28 
Glauben an die Kraft des Büttels, eingreifen zu wollen in 
tiefgründige Entwicklungen der deutschen Kultur, und über 
ihrem ganzen leeren Thun schwebt als Motto das Wort 
ihres Geistesverwandten, jenes ehemaligen Berliner Polizei⸗ 
präsidenten: „die janze Richtung paßt uns nich.“ (êeiterkeit.) 
Aber mit Smrammheit und mit Schneidigkeit, mit befehls— 
haberischem Uebermuth und den Paragraphirungen gesetz- 
geberischen Größenwahns haben sich geistige Bewegungen noch 
niemals überwinden lassen; und was immer die regierenden 
Herren im Reichstag wollen oder nicht wollen in Sachen der 
Kunst, was ihre traurige Kunstfremdheit über Wege und 
Abwege der Litteratur, über gute und schlechte Poesie befindet oder 
nicht befindet, — das kann für jeden ehrlich Schaffenden nur in 
den Wind gesprochen sein. Das Gesetz aber, das diese Gerichts— 
räthe zur Welt bringen wollten mit ihrer inferioren juristischen 
Logik, es wird fallen an dem einmüthigen Widerstande von uns 
allen: denn mächtiger als jede juristische Logik wird die innere 
Logik der deutschen Cultur sich erweisen, und nur das Eine 
werden die Feinde der Kunst zuletzt gewirkt haben: daß sie uns 
Gleichstrebende enger aneinander geschlossen und unseren 
Willen fest gemacht haben zum Widerstande gegen geistigen 
Zwang. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) 
Vorsitzender: Das Wort hat Herr Professor Dr. Kohler. 
Professor Dr. Kohler: Hochverehrte Anwesende! Ob— 
gleich ich mit gerechtem Stolze vielleicht sagen könnte: anch' 
io sono — nicht pittore, aber autore, so will ich doch heute 
lediglich als Jurist sprechen und den Künstler völlig beiseite 
lassen. 
Es ist eine Feierstunde für den Juristen, wenn es gilt, 
der Kunst zu dienen, und niemals habe ich meine Wissenschaft 
mehr verehrt, als in diesem Augenblick. Ich will meiner 
Aufgabe um so lieber gehorchen, als es sich nicht handelt um
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.