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§ 3. Das Lehrverfahren

Full text: Grundlehrplan der Berliner Gemeindeschulen (Public Domain)

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8 3. Das Lehrverfahren. 
Für den Turnunterricht stehen auf der Unterstufe Spiele und Frei— 
übungen im Vordergrunde. Jene verfolgen den Zweck, aus der Ungebunden— 
heit des vorschulpflichtigen Alters in die Gesetzmäßigkeit des Schullebens 
hinüberzuleiten. Diese sollen die Kinder an scharfe Auffassung und sach— 
entsprechende Ausführung der an sie gestellten Anforderungen gewöhnen. 
Daneben sind die Gerätübungen auch in den beiden ersten Schuljahren 
nicht völlig auszuschließen. Im dritten Schuljahre ist die Erlernung der 
Grundformen anzubahnen. Die Ausführung gefährlicher Übungen ist auf 
dieser wie auf den übrigen Stufen verboten. 
Auf der Mittelstufe treten die Spiele verhältnismäßig zurück; der 
größere Teil der zur Verfügung stehenden Zeit ist auf die Turnübungen 
zu verwenden. Die einzelnen Übungen müssen zu scharfer Ausprägung ge— 
langen. Es ist daher nunmehr auf die Schönheit und Straffheit der Be— 
wegungen entschiedenes Gewicht zu legen. Insbesondere werden bei den 
Gerätübungen die Grundformen zur sicheren Aneignung gebracht werden 
müssen. Auch die Spiele werden auf dieser Stufe nach festen Regeln zu 
betreiben sein. 
Auf der Oberstufe sollen die Ordnungsübungen in Knabenschulen zu 
straffer Haltung erziehen. In den Mädchenschulen wird durch sie vor 
allem der Sinn für Gefälligkeit und Anmut der Formen zu wecken sein. 
Die Gerätübungen werden bei den Knaben Kraft, Mut und Ausdauer be— 
gründen müssen; bei den Mädchen sind vor allem Gewandtheit und Ge— 
schicklichkeit zu entwickeln. 
An Spielen ist eine zu große Mannigfaltigkeit nicht erwünscht. Bei 
der Auswahl der Spiele müssen solche bevorzugt werden, die eine gewisse 
Schwierigkeit in den Spielregeln enthalten und an die Gewandtheit etwas 
höhere Anforderungen stellen. 
In Bezug auf die einzelnen Übungen ist folgendes zu bemerken: 
Die Freiübungen werden stets als Gemeinübungen behandelt. Sie 
dürfen die Hälfte der zur Verfügung stehenden Turnzeit auch auf der 
Unterstufe nicht überschreiten. Für die Mittel- und Oberstufe ist die auf 
sie zu verwendende Zeit noch weiter einzuschränken. Die Übungen sind in 
der Regel nach Befehl auszuführen. 
An die Stelle der Freiübungen treten durchschnittlich in jeder vierten 
Turnstunde Ordnungsübungen. Bei ihnen ist vor allem gefällige Gestal— 
tung anzustreben. Nachdem ein bestimmter Übungskreis durchgearbeitet ist, 
kann er nach dem Takte eines frischen Marschliedes zu einheitlicher und 
für die Kinder anregender Darstellung gelangen. Hierauf wird sich die 
Einübung von Reigen in den Knabenschulen beschränken müssen. Für die 
Mädchenschulen ist es gestattet, auf die Einübung des Reigens etwas mehr 
Zeit zu verwenden. Doch werden auch sie sich hierbei in mäßigen Grenzen 
halten müssen. 
Bei den Gerätübungen sind gleichzeitig so viele Kinder zu beschäftigen, 
als es ohne Störung des geordneten Unterrichtsbetriebes möglich ist. Der 
Lehrer hat seine Stellung so zu nehmen, daß er die ganze Klasse zu über— 
wachen vermag. Das Hinzutreten zum und das Wegtreten vom Gerät
	        
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