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1876-1883

Full text: Festgabe des Wagner-Vereins Berlin (Public Domain)

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So wusste der Meister, dass ‚„Parsifal“ sein letztes Drama 
sein: würde. Trotzdem blieb er, nachdem im Sommer 1882 
dieses Wunderwerk wundervoll aufgeführt worden war, noch 
voll rüstiger Hoffnungen. Am 13. Januar 1883, genau einen 
Monat vor seinem Tode, schrieb er von Venedig aus an Angelo 
Neumann, er wünsche noch so lange dem Leben erhalten zu 
bleiben, bis es ihm vergönnt sei, seinem einzigen, noch un- 
mündigen Sohne Siegfried eine sichere Zukunft begründet 
zu haben. 
In einem Briefe an Friedrich Schön in Worms (1880) 
hatte er den Bayreüther Festspielen ein weitausschauendes 
Programm vorgezeichnet: „Unter solchen gesicherten 
Umständen gedenke ich nach dem „Parsifal“ alljähr- 
lich eines meiner älteren Werke — somit alle der 
Reihe nach — in musterhaften Aufführungen als 
mein künstlerisches Instrument meinen Freunden 
‚orzuführen.“ 
Ihm war das nicht vergönnt. Aber die Welt weiss, wie 
ınd mit weichem Gelingen Richard Wagners heiliges Erbe in 
achtzehn Jahren nie rastender und hingebender künstlerischer 
Arbeit bis zu diesem Jahre 1901, das uns in Bayreuth nun 
auch den „Fliegenden Holländer“ verspricht, von treuen 
Verwaltern gehegt und gemehrt worden ist. 
Ein Prolog als Epilog. 
Es war am 27, Februar 1880, als der Berliner Wagner- 
Verein zum 1. Male eine grosse Orchesteraufführung ver- 
anstaltete und in Berlin zuerst ein ganzer Akt der Tetralogie, 
freilich nur in Konzertform, zu Gehör kam. Im Kroll’schen 
Saale wurde der 1. Akt der Walküre aufgeführt; Albert Nie- 
mann sang den Siegmund, Rosa Sucher aus Hamburg die 
Brünnhilde, Ress den Hunding; Franz Mannstädt dirigierte. 
Kaiser Wilhelm I. beehrte dies glanzvolle Konzert mit seiner 
Gegenwart, wie er denn 1876 in Bayreuth, .1881 im Victoria- 
Theater nicht gefehlt hat, und noch am 15. Februar 1888, 
drei Wochen vor seinem Tode, das Konzert der Wagner-Ver- 
eine im Opernhause durch seine Anwesenheit auszeichnete. — 
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