Path:
1865-1876

Full text: Festgabe des Wagner-Vereins Berlin (Public Domain)

ie 
N 
A 
einer gewissen nötigen Summe aufzukommen. Es gelang mir, 
in Hamburg und Berlin unserem Unternehmen durch meine 
härtesten Anstrengungen förderlich zu werden, jedoch waren 
diese Anstrengungen so gross, dass ich der ganzen Zeit seitdem 
bis jetzt bedurfte, um mich davon zu erholen und einer neuen 
Anstrengung gewachsen zu erhalten, An eine strenge Arbeit 
war nicht zu denken. Jetzt gehe ich noch nach Köln, wo man 
mir eine Einnahme von 5 bis 6000 Thaler in Aussicht stellt; 
ich hoffe von dort in erträglichem Zustande zurückzukehren, 
um dann für etwa drei Monate meiner Arbeit mich unaus- 
gesetzt widmen zu können. Erreichen die Garantieen, welche 
ich für mehrere im August in Wien zu gebende Konzerte ver- 
ange, die von mir angesprochene schickliche Höhe, so unter- 
ziehe ich mich wohl noch dieser letzten äussersten Anstrengung, 
ım von dann an jedoch die Aera der Konzerte meinerseits 
gänzlich zu schliessen. — — — — — 
Ihnen, ‚geehrtester Freund, eröffne ich nun zunächst als 
meinem Herrn Verleger, dass Sie vom 1. Juni an regelmässige 
Zusendungen von der Partitur der Götterdämmerung erhalten 
werden; Sie mögen dann die Güte haben, den Stich sofort 
beginnen und energisch fortführen zu lassen; die einzelnen 
Scenen schicken Sie dann immer sofort (vielleicht noch im 
Revisionsabzuge) nach Moskau an Klindworth. Wenn wir so 
unausgesetzt (wie ich mir dies auf das Bestimmteste vornehme) 
gemeinschaftlich fortarbeiten, dürfen wir wohl darauf rechnen, 
bis Ostern 1874 alles fertig zu haben. — — — — 
Bayreuth, 16. April 1873. 
Mit. den hochachtungsvollsten Grüssen verbleibe ich 
Ihr ergebener 
Richard Wagner. 
In diesen Bedrängnissen musste Wagner versuchen, die 
deutschen Fürsten und Regierungen zu werkthätiger Unter- 
stützung zu veranlassen. Im Januar 1872 hatte er in Berlin 
eine Audienz bei Fürst Bismarck: aber der grosse Staatsmann 
4atte kein Verständnis für den grossen Künstler; fruchtlos 
verlief die einzige Zusammenkunft der beiden bedeutendsten und 
— bestgehassten deutschen Männer ihrer Zeit. Vollends vom 
deutschen Reichstag hatte der Künstler nichts zu erwarten, der 
„im Vertrauen auf den deutschen Geist“ sein Nibelungenwerk 
entworfen hatte. Ein Brief an Hofrat Hemsen in Stuttgart, 
den literarischen Berater des Königs von Württemberg, enthält 
auch hierüber eine bezeichnende Stelle. 
m 
ayf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.