Path:
II.

Full text: Der Apoll von Bellevue! / Truth (Public Domain)

61 
Mung noch gehoben, brachte er die Haydnsche Sonate 
Sogar äusserst gefühlvoll zur Geltung. Ihm gefiel diese 
Situation! Sie erschien ihm romantisch; auch hatte 
er sie oft genug ersehnt. Nur war bisher bei seinen 
häufigen Besuchen ihm stets Ernst Mellnau äusserst 
teserviert begegnet — dies hatte die Schranke bedeu- 
tend noch erhöht, die Annas Zurückhaltung bisher des 
Prinzen Huldigung entgegengesetzt. Heute aber war 
Mellnau ihm sichtlich, vielleicht unbewusst, entgegen- 
gekommen — — hatte gewissermassen seine Werbun- 
SeN unterstützt — — hatte sicher nicht aus purer Höf- 
lichkeit ihm den Platz neben seiner Frau angewiesen 
— ihn als lieben Gast für Berlin geladen — — sein 
Haus ihm geöffnet — ihm sozusagen „carte blanche“ 
gegeben!! Mochte denn das Weib an seiner Seite, 
dessen schlanke, zitternde Hände da auf dem Klavier 
ihm unsicher die Akkorde angaben, wollen oder nicht 
er würde sie schon erobern — der Gatte war ja 
nicht abgeneigt, dachte sich höhnisch lächelnd der Prinz 
— und das übrige würde sich schon machen. Hier 
freilich hatte er den stillen F rieden der Kleinen nicht 
Stören können. Aber der Nymbus der Keuschheit, der 
Anna in Potsdam umschwebte, würde in der Bellevue- 
Strasse bald entschwunden sein. War ja heute schon 
Sanz anders hier, „Grossstadtluft geht von meinem 
Smoking aus“ :— hatte ihm Mellnau vorhin lachend 
vertraut. 
Der Prinz liess seine Blicke durch den langen Saal 
Schweifen. Eigentlich hörte niemand ihrem Spiele zu: 
In der Ecke sassen die Damen und legten Patience — 
ünd sagten sich „wahr“! Allen voran die Rheinfelden, 
die aus den Karten las, an Karten glaubte, seitdem 
Sie endlich jene Erbschaft „gemacht‘, welche die alte 
Verlassene Lehrerin in eine vielumworbene Erbin ge- 
wandelt, wie es ihr die „caputer“ Spargelfrau so lange 
aus Kaffeesatz und schmutzigen Karten geweissagt 
hatte! Im Mittelraum bereitete Lina die Punschbowle 
und türmte die Pfannkuchen auf, Fräulein goss den 
Champagner in schmale Sektgläser. Im Nebenzimmer 
Würde weiter Whist gespielt, während Russel und Sa.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.