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II.

Full text: Der Apoll von Bellevue! / Truth (Public Domain)

ZU 
dunkelsten Posen geboren, die Qualifikation zum Proussi- 
schen Offizier hatte oder nicht — und nun gar das zarte 
Bild des vielgepriesenen Familienlebens auf der Bühne 
— — und — „Sitz’ nich so schief da — zieh’ nich 
so ’ne Labbe — olles, jrünes Biest — Du kriegst jewiss 
keinen Mann — aber länger wie Dreiundzwanzig be- 
halte ich Dich nich‘ auf dem Halse — —“ — tönte 
es dem lauschenden Dichter ins Ohr —, Aber nicht 
auf der Bühne — nicht die „Niemann‘ — nicht „Kepp- 
ler‘ sprachen es — die Kommerzienrätin Paula Mell- 
nau ermahnte liebend ihre Tochter — —. Herrgott, 
wo hatte er nur die Augen gehabt — wo die Hände 
— eine Peitsche hätte ihnen gebührt — und er wand 
Ihnen einen Kranz — —. 
Klatsch, klatsch — „Bravo, bravo — Mellnau, 
Mellnau!“ riss es den taumelnd Bereuenden aus seinem 
Sinnen — die Logenthür öffnete sich — „Doktor — 
kommen Sie schnell, ruff uff die Bühne — jrosser Er- 
folg‘“ — eine fettige Stimme rief ihn! Willenlos folgte 
Mellnau dem Direktor — —. Der erste Akt war zu 
Ende, Bleich, zitternd verbeugte sich Ernst vor der 
rasenden, jubelnden Menge — — mit glänzenden, fie- 
bernden Augen blickte er in das Publikum, das ihn, 
der ihnen allen so aus der Scele gesprochen, immer 
wieder auf’s neue hervorjubelte — immer behender 
dankend sprang, hüpfte, neigte sich Ernst. — Dann 
war auch dieser Moment vorüber —! Aber sein be- 
täubender Rausch hielt an. Fast jauchzend warf er sich 
wieder in die dunkle Logenecke — nein, nun aber wollte 
er, konnte er sich nicht mehr verbergen, er trat an 
die Brüstung und auf’s neue brachte die Menge dem 
Dichter in seiner Loge neue Ovotionen!! 
Was aber hatte er nur gewollt — von diesem 
schönen strahlenden Theater, diesem bis zum letzten 
Platz mit höchstem High-life besetzten Haus —! Die 
allererste Gesellschaft Berlins war gekommen, ihn 
jubelnd® zu begrüssen! Da oben der alte . geniale 
Baron Grossenhain, der Wohlthäter der Armen, des 
alten Rudhart Intimus; Neid, Lüge und Erpresssung 
konnten von jenem Finanzgenie, das mit blöden Augen
	        
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