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II.

Full text: Der Apoll von Bellevue! / Truth (Public Domain)

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den Bäumen promenieren — das sollten wir auch“ 
— in dem Beispiel ihres Gatten eine Entschuldigung 
findend, um sich der Gesellschaft zu entziehen, end- 
lich ein Alleinsein mit Ernst herbeiführen zu können, 
hatte am andern Ende der Tafel die Geheimrätin sich 
erhoben — —. 
Willenlos folgte Ernst. Er war glücklich, der all- 
gemeinen Unterhaltung zu entfliehen, die darin be- 
standen, dass seine nächsten Tischgenossen ihn um 
Logen — aber „Vorderplätze‘“ für seine Premiere des 
„Paria‘ bestürmten — —I1 
„Doktorchen, aber nich Parkett, nur eine Loge, 
denn ohne Hut gehe ich nicht — — zweite Reihe 
auch nich, sonst sieht man meine Toilette nicht,“ 
hatte Elli Palmenberg gebeten, Frau Markuss aber 
sogar um drei Orchesterlogensitze ersucht, mög- 
lichst nach dem Theater „rein‘, „zu’s Publikum‘, da 
kommt man am besten zur Geltung! „Ich werde 
ein lila mauve Moirgekleid tragen — die Prings- 
heim‘ — Frau Markuss, die mit Seelenruhe 
ihren Schwager ins Zuchthaus wandern sah, nannte 
mit Erregung den Namen einer aus Wiener Finanz- 
kreisen nach Berlin verpflanzten blendend schönen 
Dame, deren vornehmer Geschmack von wahrhaft kul- 
tureller Bedeutung für all’ die Berliner Parvenue-Damen 
der „Gesellschaft“ war — „die Pringsheim,‘“ wieder- 
holte sie gewichtig, „trug gerade so eins im Grünfeld- 
Konzert — —" 
„Madame Pringsheim ist hier?“ fragte ängstlich 
und freudig Elli Palmenberg. Eine fiebernde Röte 
malte sich auf den Wangen der kleinen Frau, die 
heimlich ein Heer von Gemüsehändlerinnen, Wäsche- 
rinnen, Friseurinnen bestach, um Genaueres über den 
Haushalt der, sich klüglich wohl vor jeder Intimität 
mit gewissen Berliner Kreisen hütenden Dame zu er- 
fahren — — — 
„Beruhigt die nee Mandelstamm,‘“ sagte Käthe 
Heymann. „Nein, Frau Pringsheim ist nicht hier.‘ 
„Aber Doktorchen, ich bekomme doch meine 
Plätze“ — rief Frau Elli Palmenberg. — „Und für
	        
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