Path:
II.

Full text: Der Apoll von Bellevue! / Truth (Public Domain)

1.1 
konnte — — war doch für Bob Rudhart nicht auch 
unmöglich!! Er hätte nie geglaubt, dass die leicht- 
sinnige Hoheit so glühend, hartnäckig von einer Frau 
schwärmen konnte — die sie nicht besessen! 
Zu dumm — die Frau war eine Gans, aber keusch! 
Er aber auch zu dämlich gewesen — was schon so 
anständig aussieht, da ist nicht viel zu wollen! Die 
einzige hier, die nicht gefärbt, geschminkt, gepudert, 
die ihr wahres Gesicht unter den gemalten, übertünch- 
ten Masken und Fratzen trägt! Scheint überdies noch 
in ihren Mann verliebt und eifersüchtig auf ihn zu 
sein! Wie ein krankes Kind sitzt sie da und lauscht 
herüber — na, denn nich — —. Wird sich wohl 
drinnen im Saal noch irgend eine Frau „So und 
So‘ finden — — welche „die Ehre“ zu würdigen 
versteht — — dachte Bob voller Weisheit. — — „Na, 
meine Gnädige, wollen wohl tanzen — — darf ich 
Sie zum Saal zurückführen?“ — 
Wie gern Anna auch aus diesem Zimmer geflohen 
wäre, sie mochte um keinen Preis an jenem Boudoir 
vorbei, wo sie noch immer Ernst mit der Geheimrätin 
wusste. Schon wollte sie mit einem: „Danke, ich habe 
Kopfweh — die Stille des ruhigen Zimmers thut mir 
wohl!“ seine Begleitung zum Ballsaal ablehnen, als 
ihre Schwägerin Paulau Mellnau in das Damenzimmer 
und dann zu ihr kreischend hereinstürzte: „Zu Tisch, 
zu Tisch, meine Herrschaften — — die Dieners warten 
schon“ — — 
Mit scheuem, umflortem ‚Blick sah Anna Mellnau 
drüben nun, wie Luise Lorbeck, in dem fahlen Licht 
der verschleierten Lampe einer indischen Magierin 
gleichsehend, mit ringgeschmückter, handschuhloser 
Hand lachend den etwas ramponierten Spitzenbesatz 
ihres Ausschnittes ordnete — — und dann zärt- 
lich an Ernst geschmiegt, mit lang wallender Schleppe 
in den Ballsaal rauschte — 
Nun legte Anna zitternd, ein brennendes Weh im 
Herzen, ihren Arm in den des Grafen — und so erschien 
denn, vom unzweideutigen Gemurmel der lieben Gäste 
begrüsst. Anna Mellnau — mit Bob Rudhart nach
	        
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