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Full text: Der letzte Schritt / Tovote, Heinz (Public Domain)

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früher lang getragen, hatte ich gekürzt, schon seit ich 
sie kannte, sodaß es ganz vernünftig aussah. 
Ich hatte mich bis dahin stets recht interessant ge— 
funden; auf Eroberungen hatte ich es dabei wahrlich 
nicht abgesehen. Die Frauen ließen mich ganz kalt. Jetzt 
war das anders geworden; ich betrachtete mich mit den 
Augen einer Frau, ob man sich für mein Aeußeres 
interessieren könne. 
Ich kam mir beinah grotesk vor, alle Linien zu 
scharf; aber ein Mann brauchte doch nicht schön zu 
sein. Wenn er nur was leistete, wenn er nur was 
war. Ich mußte immer an Franz Liszt denken, der mit 
seinen zahllosen Warzen in dem wahrlich nicht regel—⸗ 
mäßigen Gesichte von so vielen Frauen angeschwärmt. 
ja leidenschaftlich angebetet war. 
Das war mir auch geschehen, daß Frauen sich offen 
für mich interessiert hatten, aber es hatte mich kalt ge— 
lassen. Ich gehörte nicht zu den Menschen, die sich 
lieben ließen, ich wollte Widerstand überwinden, wollte 
erobern. Für leichte Siege hatte ich kein Verständnis. 
Gerade weil Maria so ruhig blieb, reizte sie mich. 
Das geheimnisvolle zog mich an. Ihre Kälte setzte 
mein Blut in Wallung. 
Nur wie sie mich jetzt gar so fremd ansah, da 
brach mir der Mut; und als ich mich im Spiegel sah, 
erschrak ich, eine solche Leidenschaft lag in meinen Augen,
	        
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