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Wilhelm Recknagel

Full text: Neu-Berlin / Szczepanski, Paul von (Public Domain)

— 38 — 
„Ach ja, Wilhelm, laufen Sie, laufen Sie,“ jammerte 
Frau Bullermann. „Ich werde mit dem Ausziehen schon 
fertig werden.“ 
„Lassen Sie man, Frau Bullerman,“ sagte Wilhelm 
Recknagel ruhig. „Ihre Hand zittert viel zu sehr. Sehen 
Sie, da ist der zweite Stiebel auch runter, jetzt ist die 
Sache gleich gemacht.“ 
Frau Bullermann versuchte noch ein wenig behilflich 
zu sein, aber dann wurden ihr die Kniee schwach, und 
sie mußte sich setzen. Wilhelm Recknagel deckte seinen 
Herrn ordentlich zu. 
„Ich bin gleich wieder da, Frau Bullermann, grämen 
Sie sich man nicht,“ sagte er und stürmte davon. 
In zehn Minuten war er mit dem Sanitätsrat zurück. 
Der alte Herr warf nur einen Blick auf den Kranken, 
und dann schickte er Frau Bullermann unter einem Vor— 
wande aus dem Zimmer. 
„Es steht wohl schlimm mit dem Herrn, Herr 
Sanitätsrat?“ fragte Wilhelm Recknagel. 
„Gar nichts zu machen,“ erwiderte der alte Herr, 
der schon nach seinem Hut griff. „Möglich, daß er noch 
einmal zur Besinnung kommt, aber die Nacht überlebt 
er nicht. Bringen Sie's der Frau langsam bei.“ 
Damit ging der Sanitätsrat. Der alte Herr war 
weichen Gemütes und deshalb froh, daß er Frau Buller— 
mann in der Küche beschäftigt wußte, Wärmflaschen zu 
bereiten, die er empfohlen hatte, ihrem Manne in das 
Bett zu legen, und daß er das Haus verlassen konnte, 
ohne der armen Frau Rede stehen zu müssen. 
Als der Doktor das Krankenzimmer verlassen hatte, 
fühlte auch Wilhelm Recknagel eine Schwäche in den 
Knieen, so daß er sich auf denselben Stuhl setzen mußte, 
auf dem vorher Frau Bullermann gesessen haͤtte. Von 
dort sah er unverwandt in August Bullermanns Gesicht 
und dachte unaufhörlich: ‚Die arme Frau, die arme 
Frau,“‘ und über dem Gedanken fühlte er, wie ihm die 
Kehle immer enger wurde. Aber als er Frau Buller— 
mann im Nebenzimmer kommen hörte, sprang er von
	        
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