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Neunzehntes Kapitel. Des Pfarrers Tochter

Full text: Emma / Stinde, Julius (Public Domain)

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Der Leser wird längst errathen haben, daß dies kein 
Anderer war, als Leutnant Fritz. 
„Ach!“ rief Lenchen. 
Leutnant Fritz grüßte sie lächelnd. Lenchen erglühte 
wie die Mohnblumen auf den Beeten des Gartens; noch mehr 
aber erglühte sie, als sie in das Haus trat und Leutnant 
Fritz sich ihr als beim Pfarrer einquartiert vorstellte. 
Zwar murrte der Pfarrer, aber den Quartierzettel konnte 
er nicht wegmurren. Er mußte sich fügen. 
Eine wundervolle Zeit brach für Lenchen an. 
Zum ersten Male in ihrem Leben liebte sie. Es war 
Leutnant Fritz ein leichtes, die unerfahreue Haideblume zu 
bezaubern. Die hellblaue Uniform kleidete ihn zu gut. 
Nur zu rasch verflossen die Tage unschuldsvoller Freude. 
Die Abschiedsstunde schlug. Am nächsten Morgen mußte Fritz 
das Dorf verlassen. 
Schwermüthig saßen Fritz und Lenchen in der blühenden 
Bohnenlaube. Milde war die dämmernde Sommernacht. Die 
Nachtigall flötete. 
„Was machst Du da, Lenchen?“ fragte Fritz, als Lenchen 
den Zeigefinger auf die Knöpfe seiner Uniform legte und dabei 
murmelnd sprach: 
„Er liebt mich — ein wenig — ach garnicht u. s. w.“ 
„Ach nur ein kindisch Spiel,“ antwortete sie. Laut rief sie 
— D — angelangt war: „Er 
liebt mich!“ 
Fritz: „Ja, Lenchen, laß dieses Wort der Götter Aus— 
spruch sein!“ 
Lenchen: „O, Du mußt nicht Götter sagen. Das ist 
heidnisch. Und heidnisch ist Sünde, wie der Vater sagt.“ 
Fritz: „Mir einerlei. Gefühl ist alles.“ 
In diesem Augenblick ward ein großer Komet am Himmel 
sichtbar ... „O sieh!“ rief Lenchen und zitterte. 
„Bleibe ruhig, mein Kind,“ sprach Fritz, der sich als 
Militär vor keiner Naturerscheinung fürchtete. 
Muth kennt keine Furcht.
	        
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