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Vierundfünfzigstes Kapitel. Unter dem Feudalregiment

Full text: Emma / Stinde, Julius (Public Domain)

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„Wissen was, mein Lieber?“ sagte Pat, „Sie können 
Volkslehrer auf meiner Besitzung werden. Uebertrieben ist das 
Salair freilich nicht, aber Sie sind vollständig vor'm Verhungern 
geschützt und wenn Sie sich gut mit den Bauern stellen, setzt es 
öfter Viktualien für Sie. 
„Außerdem fallen Ihnen meine alten Hosen zu; wenn 
Schulmeister den Eleganten spielen, vernachlässigen sie 
ihre Pflichten. Es regnet freilich durch das Dach, aber man 
will ja Brausebäder für die Schüler, da sparen wir die Neu— 
aulagen und das liberale Gesindel hat keinen Grund zum 
Nörgeln.“ 
Nordhäuser war hochbeglückt über die Gnade des Herrn 
Grafen. Auch übernahm er, wenn erforderlich, bei der Tafel 
in der gräflichen Livree aufzuwarten, mit großer Freude, weil 
er dadurch zeigen konnte, wie er als Deutscher aller Welt, zumal 
aber dem edlen Polen gern dienstbar sei. Daß er bei den Jagden 
als Treiber mitzuwirken habe, fand er so selbstverständlich, daß 
er darum gebeten hätte, wenn der Herr Graf ihm nicht damit 
zuvorgekommen wäre. 
Nordhäuser nahm den erlegten Bären auf die Schulter 
und trug ihn zum Jagdwagen. Ueber solche Stärke des dürren 
Jünglings wunderten sich so Pat wie Szmol. Da Pat gerade 
einige Waldungen verkauft hatte, um den Keller mit Posener 
Korn, prima Auslese, zu füllen, gedachte er, solche Kraft 
beim Holzfällen zu verwenden und gratulirte sich selbst zu dem 
neuen Schulmeister. — 
Leicht ward Nordhäuser sein Amt nicht, denn da die Kinder 
nur wenig Deutsch verstanden und Nordhäuser vom Polnischen 
keine Ahnung hatte, war der Unterricht nicht gerade fördernd. 
Auch seine Magd Szietywat that nie, was er auf Deutsch 
befahl, sondern beliebte ihm gegenüber einen Ton des Ausdrucks, 
den er als feindselig und despektirlich erachten mußte, so schwer 
ihm diese Annahme auch ward. Nur einmal, als sie ihm eine 
Schüssel mit Polnischem Kohl an den Kopf schleuderte, hob 
er sie an ihrem Weichselzopf hoch und holte mit dem Zeichen 
seiner Würde, dem Bakel, einen Theil der an ihr verabsäumten 
Erziehung nach. Von da ab konnte sie ganz gut Deutsch und
	        
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