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Siebenundvierzigstes Kapitel. Der Prediger in der Wüste

Full text: Emma / Stinde, Julius (Public Domain)

— 175 — 
„Entsagen?“ rief der Leutnant. „Entsagen, wenn man 
mit allen Sinnen liebt? Wie kann man das?“ 
„Es geht,“ erwiderte Nordhäuser. „Da einsiedelte hier 
in Afrika der heilige Antonius, den versuchte der Teufel in den 
schönsten Frauengestalten,“) aber er wälzte sich im Schnee, seine 
Gluthen zu kühlen ...“ 
„Blödsinn! Hier giebt es nie Schnee!“ unterbrach ihn der 
Leutnant. 
„Er warf sich auch in Dornengesträuch, um seine Leiden— 
schaft zu bemeistern. Und, o Herr Leutnant, sehen Sie hier 
diesen Igel-Kaktus, wenn Sie sich darauf setzen wollten, 
würden Sie gewiß Ihr sündiges Verlangen dämpfen, indem Sie 
Ihr irdisches Theil kasteien.“ 
Emma's schönen Augen entströmten Thränen der Rührung, 
als sie ihren einstigen Gespielen so erbaulich reden hörte. Aber 
durch den sanften Schmerz verklärt, ward sie so unerhört thaufrisch, 
so wunderschön, daß der Leutnant von zehnfach gesteigertem 
Verlangen durchfeuert wurde. 
„Denken Sie an Ihr besseres Theil,“ mahnte Nordhäuser 
und deutete auf einen besonders großen Igel-Kaktus hin. 
„Und Sie an das Ihrige!“ schrie ihn der Leutnant auf— 
gebracht an. Dabei packte er Nordhäuser und drückte ihn mit 
Macht auf den Kaktus nieder, dessen nadelscharfe Stacheln dem 
Armen in das bischen Muskulatur drangen, das ihm die nieder—⸗ 
trächtige Behandlung in Kimberley noch gelassen hatte. 
„Herr Leutnant!“ rief Emma hochnobel, „wenn Sie so 
etwas thun, mag ich Sie garnicht mehr leiden.“ 
„Du verwendest Dich noch für den Kerl?“ entgegnete der 
Leutnant, wüthend durch Eifersucht, Liebe, Tropenkoller, Ent— 
behrung, Aufregung ... „Das Spinngebein schlage ich todt.“ 
Schon irrten seine Blicke suchend nach einem geeigneten mord— 
fähigen Gegenstand, da stellte Emma sich schützend vor 
Nordhäuser. 
„Tödt' erst seine Gespielin!“ rief sie mit höchstem Ausdruck. 
Es entstand eine ängstliche Pause. Herzensdieb bohrte 
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Die selbstverständlich nichts gegen Emma waren.
	        
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