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Fünfunddreißigstes Kapitel. Die Einbrecher

Full text: Emma / Stinde, Julius (Public Domain)

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Einbrüche der Tageslitteratur gewissenhaft durchstudirte, außer 
Stande eine Erklärung zu finden. 
Da . .. endlich kam Herr Iwan Schulz. 
Sein sonst tadelloser Cylinder zeigte Krampfadern, sein 
Anzug war bestaubt, sein Antlitz bleich. Vor das linke Auge 
hielt er ein Taschentuch. 
„Allmächtige Güte!“ rief die Wittwe Wimmelmayr. 
„Wo kommen Sie her?“ 
Iwan Schulz schwieg. 
„Wie sehn Sie aus!?“ 
„Ich denke wie immer,“ sagte Herr Schulz mit einem 
Lächeln, daß es der Wittwe eisig über den Rücken lief. 
Dann warf er ihr ein Zwanzigmarkstück zu: „Holen Sie dafür 
kalten Aufschnitt und eine Flasche Gilka.“ 
Als die Wimmelmahyr in fliegender Angst gegangen war, 
betrachtete Herr Iwan Schulz sich im Spiegel. Sein linkes 
Auge war blau geschwollen. 
„Nein,“ rief er, „es war keine Einbildung. Es giebt Dinge 
zwischen Himmel und Erden, die unmöglich sind.“ 
Und grausenerregend standen die Ereignisse der letzten 
Nacht vor seiner Erinnerung. 
In Gemeinschaft mit Pagels und Hink-Ede war er in 
das Haus der Klosterstraße eingebrochen, während Schiel— 
August, der wegen natürlicher Mißbildung um die Ecke zu 
sehen vermochte, Schmiere stand. 
Sie fanden nach dem Polizeibericht vielerlei Werthsachen 
in dem verlassenen Hause. Seidene nie getragene Kleider, 
fünf Dutzend weißbaumwollener Strümpfe, Fräulein Amelie 
—A— 
Zuckerzange, ein dito Salzfaß, ein Hörrohr, so gut wie 
neu, einst im Gebrauch von C. F. A. Schwudicke, dem einmal 
ein Kakerlak ins Ohr gekrochen war, ein nur schwach vermotteter 
Nerz-Muff und dito Boa, eine silberne, inwendig ver— 
goldete Bonbonnière, gefüllt mit Asche's Bronchial— 
pastillen, bekanntlich das beste Mittel gegen Heiserkeit, einen 
Operngucker von Treuer, erste Marke und vier Bände Zola, 
worin Leutnant Fritz immer heimlich gelesen hatte.
	        
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