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Zweiunddreißigstes Kapitel. Goldkönigs Ende

Full text: Emma / Stinde, Julius (Public Domain)

— 1060 — 
„O nein, mein Engel. Diese Unterschriften sind von Deiner 
Hand. So betrunken warst Du nie, wenn Du unterschriebest, 
daß Du nicht gewußt hättest, was Du thatest. Und ich habe 
Zeugen, daß Du sie freiwillig ausstelltest, Zeugen, Theil—⸗ 
nehmerinnen an den lustigen kleinen Gelagen, wo Du besseren 
Sekt trinken lerntest.“ 
„Zur Hölle mit den feinen Marken .... ich war sie nicht 
gewohnt.“ 
„So bezahlt sich Deine Schmutzerei, mein Herzensjunge. 
Und nun frage ich Dich, willst Du ulich jetzt auf Deinem Sterbe— 
bette zu Deiner rechtlichen Gattin und Erbin machen?“ 
„Wenn ich das thäte, müßte ich Dinte gesoffen haben.“ 
„Du willst nicht?“ 
„Nicht in die Ja main.“ 
„So höre mein letztes Wort. Mehr als Dein Hab und 
Gut schreib' ich auf diese Blancowechsel, so viel mehr, daß sich 
noch einige Millionen Schulden herausstellen. Du fährst zum 
Teufel als ... Bankerotteur.“ 
Dies war für Ceciles zu viel. Gebrochen sank er zurück. 
Die Radziwill verschwand rechts mit rachedrohend erhobenem 
Arm und ihrer Handtasche in der Dunkelheit der Nacht. 
Verlassen, wie todt, lag Ceciles auf seinem Lager. Nie— 
mand war bei ihm. Sein Arzt bedurfte der Ruhe; die Pflegerin, 
welche ihm Trost aus frommen Schriften einflößen wollte, hatte 
er mit Worten vertrieben, die sie nicht hören durfte. Die 
Negerinnen wagten sich nicht zu rühren, so lagen sie in dem 
Banne des Grauens vor den unheimlichen Erscheinungen aus 
einer anderen Welt.*) 
Nach geraumer Weile rührte er sich. 
„Whisky!“ murmelte er leise. 
Nordhäuser, der gerade wach geworden und aufgestanden 
war, nach dem Wetter zu sehen, hörte den Ruf und ging in das 
Zelt Ceciles. 
*; Viele zweifeln bekanntlich an Spukgestalten und dgl., besonders die 
Wissenschaft. Auch wir stehen auf letzterer. Aber wenn die Negerweiber 
Uebernatürliches gesehen haben, so muß doch wohl Wahres daran sein. Es 
giebt eben genug Unerklärliches, wie z. B. wenn etwas eintrifft.
	        
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