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Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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dem sie es manchmal mit so wunderlichen Einfaͤllen 
hatte, Einfaͤlle, die ihr niemand zugetraut haͤtte, 
die oft etwas geradezu verbluͤffend Diabolisches haben 
konnten, und die irgend ein Spirit in solchen Augen⸗ 
blicken aus ihr herauszureden schien. 
Die Modell-⸗Marie! — 
„Du!?! — Aber das is mal jescheidt von dir! 
Un' jetzt kannst du mich auch gleich mit 'nauf— 
nehmen un' mir vor allen Dingen mal erst was 
Vernuͤnft'ges zu essen jeben; denn, denke! seit drei 
Wochen hab' ich kein' warmen Loͤffelstiel in' Leib!“ 
Wirklich! Sie zitterte wie Espenlaub und konnte 
kaum sprechen. Im uͤbrigen haͤtte sie, sein Ein— 
verstaͤndnis als selbstverstaͤndlich voraussetzend, ihm 
in alter Vertraulichkeit die Hand durch den Arm 
geschoben und trippelte nun neben ihm her. 
„Es geht dir schlecht!?“ fragte er noch ganz 
verdutzt und doch erfreut, jetzt nicht in seinen vier 
Pfaͤhlen mit sich allein sein zu muͤssen. 
Sache, mein Sohn! — Aber nachher! nachher! 
nachher!“ 
Sobald sie in seinem Arbeitszimmer waren, 
warf sie Jackett und Hut ab, zog sich den Schaukel⸗ 
stuhl an den Ofen und warf sich hinein, ohne sich 
fuͤr's erste weiter um den Doktor zu bekuͤmmern. 
Der hatte inzwischen eilfertig Licht gemacht, 
denn im Briefkasten hatte er eine Karte Horns ge— 
funden, die er mit einer Zast uͤberlas, uͤber die er 
sich verwunderte und nicht weniger daruͤber, daß
	        
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