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Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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ihn gleichsam, ohne im uͤbrigen sein Urteils⸗- und 
Wahrnehmungsvermoͤgen gaͤnzlich zu beeintraͤchtigen, 
das sogar in solchen Augenblicken eine geradezu 
hellseherisch-intime Kraft und Schaͤrfe haben konnte, 
in seinen Mitteilungsfunktionen nach außen hin 
laͤhmten; und wenn er sich nun etwa bemuͤhte, 
dieses Zustandes Herr zu werden, so konnte er zu⸗ 
weilen gerade infolge dieser Anstrengungen geradezu 
imbecil, fad und idiotisch wirken, wenn er nicht 
einen direkt ironischen und verschlagenen Eindruck 
machte. 
Aber nach einiger Zeit sollte sich eine Krisis 
einstellen, die diesem ersten Zusammensein, ob un⸗— 
erwuͤnscht oder ungehofft, einen intimen Charakter 
gab, der, als wenn es ein geheimes Schicksal so 
bestimmt haͤtte, das zwischen diesen drei Menschen 
von vornherein keinerlei Ronventionalismen duldete, 
mit einem Schlage ihre innersten und wahrsten 
Naturen ihnen entbloͤßte. 
Es war naͤmlich eine fuͤr den Augenblick geradezu 
bedrohend schwuͤle Pause eingetreten. Horn, der sein 
letztes Pulver verschossen hatte, dem Zusammensein 
eine seiner impulsiven und lebhaften Natur gemaͤße 
Wendung zu geben, ließ in einer kuͤhlen, feinen 
und doch zugleich auch ratlosen Reserve auf Liese⸗ 
gang einen befremdeten und verlegenen Blick haften, 
einen Blick, den Liesegang noch kaum jemals bei 
ihm wahrgenommen, und einen nicht minder be⸗ 
troffenen Blick wandte ihm Olga zu, nur daß er
	        
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