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25.

Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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ein Selbstgefuͤhl erwachen koͤnnte, dem jene still⸗ 
schweigende, halbwegs bewundernde Unterordnung 
druͤckend zu werden begann. Wie grundzuwider 
ihm nun aber diese „Emancipation“ war, mit der 
versteckten, zoͤgernden Art, in der sie sich vollzog; 
unsicher, mit schiefem Blick, mit lahmer, halber, an 
—Aä0 
flikt scheuend! 
Ah, wie grundzuwider ihm dies war, so viel 
Komik seinem herzhaften Wesen dabei auch mit 
unterlief! 
Unverwischbar aber hatte sich ihm zugleich der 
Eindruck dieser Muͤdigkeit eingepraͤgt, die Liesegang 
vergangene Nacht gegen Ende ihres Zusammenseins 
gezeigt, und sie hatte ihn irritiert und betroffen 
gemacht. 
Litt er? Und woran? 
Das war wie ein dunkles Raͤtsel. Dieser 
Zustand, diese seltsame Muͤdigkeit! 
Aber Horn hielt sich mit dergleichen nicht lange auf. 
Wenn hier auch so etwas wie ein fluͤchtiges 
Mitleid ihn uͤberkam: unertraͤglich war der Gedanke, 
vielleicht schon wer weiß wie lange mit einem Men— 
schen verkehrt zu haben, der nicht innerlich unbe— 
fangen gegen ihn war! 
Ja nun, und — er lachte: der Gedanke hatte 
seinem freien, starken Selbstbewußtsein etwas Ko⸗ 
misches, — wohl natuͤrlich wieder mal: „ou est 
la femme?“
	        
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