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18.

Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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liche Traumbilder, wie ein Maͤrchenspuk phantas⸗ 
magorisch in den schoͤnen Frieden dieser Nacht 
hineingesetzt, wie ein Nebelgebilde auf Wiesen und 
deldern, das irgend ein ploͤtzlicher Luftzug hinweg⸗ 
nehmen kann. 
Und doch hatte dies schlummernde, traumbe⸗ 
fangene Leben der Weltstadt etwas so ahnungsvoll 
Großes, Beruhigtes, in alle Tiefen und Weiten 
menschlichen Schicksals Hineinfuͤhrendes. 
Die endlosen, mondschimmernden Sensterreihen 
mit all ihrem schlummernden Leben und Schicksal 
dahinter, die Reihen der geschlossenen Schaulaͤden, 
die schweigende Weite der Straßen ... 
Olgas Gedanken waren noch bei Liesegang. 
Sie fuͤhlte sich so beruhigt und getroͤstet, so 
gut und mild gestimmt, und ihr ganzes Wesen war 
in einem Traͤumen. 
Sie haͤtte bei ihm sein, seine gaͤnde halten, 
haͤtte ihm in die Augen sehen und weinen moͤgen, 
sich die ganze sehrende Unrast der letzten Zeit von 
der Seele weinen moͤgen. 
Er war so lieb und gut! So gut! — 
Immer wieder war es dies, was sie fuͤhlte 
und was sie so wundersam stillte. 
Es machte sie in diesem Augenblicke gegen Horn 
fast kalt. 
Aber doch wartete sie mit einem unruhigen 
Serzklopfen auf die Auseinandersetzung, die ihr jetzt 
sicher bevorstand.
	        
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